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11:00 15.10.2019
Von Katharina Horban
Theodor von Elbe stellte gemeinsam mit einem Mitschüler eine erfolgreiche Naturkosmetik-Linie auf die Beine. Quelle: Ulf Dahl
Kiel/Neumünster

Schülerunternehmen? „Viele unserer Kunden haben davon noch nie etwas gehört“, sagt Theodor von Elbe. „Da musste ich erst einmal viel Grundsätzliches über unsere Arbeit erklären.“ Im Dezember 2018 fing alles an: Erste Ansprechpartnerin war zunächst seine Lehrerin im Fach Wirtschaft/Politik, und im Februar gründete der 17-Jährige aus Langwedel dann mit Mitschüler Jan Niklas Michalczonek das Unternehmen „Malevo“ - über das Programm „Junior: Wirtschaft erleben“.

40 Unternehmen listet allein das Junior-Programm auf

Laut Ministerium gibt es im Norden derzeit etwa 40 Schülerunternehmen über das Programm „Junior: Wirtschaft erleben“ – und dazu zahlreiche weitere, die von den Schulen selbst organisiert werden. „Junior“ gehört zur IW Junior GmbH, einer Tochter des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln. Die genauen Zahlen zu den von den Schulen selbst organisierten Unternehmen würden derzeit vom Bildungsministerium erfasst.

"Malevo" setzt auf Naturkosmetik

Heute stellen die beiden Jugendlichen, Schüler an der Alexander-von-Humboldt-Schule in Neumünster, Naturkosmetik her und verkaufen diese über ihren Online-Shop und bei Veranstaltungen in der Region. „Black Rock“ und „Fresh Pink“ heißen die von ihnen entwickelten Gesichtsseifen, dazu gibt es eine feuchtigkeitsspendende Creme und eine Kräuter-Creme. Unterstützt werden sie von der Holsten Apotheke in Neumünster mit Know-how und sterilen Räumlichkeiten für die Herstellung der Produkte.

„Wichtig war, welche Möglichkeiten sich in unserer Situation sinnvoll und leicht umsetzen lassen“, berichtet von Elbe. „Grundsätzlich kann man alles mögliche in einem Schülerunternehmen machen.“ Entscheidend sei gewesen, dass das Projekt auf eine Laufzeit beschränkt ist: „Bei komplizierten Dingen ergeben sich deshalb Schwierigkeiten.“ Das Schülerunternehmen endet, wenn einer der Gründer von der Schule abgeht oder das Projekt vorher abgebrochen wird.

Keinen Business-Plan zu schreiben, war ein Fehler

Für Naturkosmetik entschieden hat sich das Duo nach eigenen Angaben, weil das Thema „stark in die Richtung nachhaltig, vegan und gesund“ gehe. Doch gleich zu Projektstart habe man den ersten Fehler gemacht – und keinen Businessplan geschrieben, wie von Elbe im Rückblick berichtet. Mit den beim Start eines eigenen Unternehmens nötigen Schritten habe man sich anfangs nicht genug beschäftigt. „Das wird in den Schulen nicht unterrichtet.“

Die ersten Wochen des Unterfangens könne man mit „learning by doing“ beschreiben: Während sich Mitgründer Jan Niklas Michalczonek vor allem um die Finanzen kümmerte, hat sich von Elbe einen Webseiten-Baukursus gekauft und damit Homepage und Online-Shop erstellt. „Mit der Arbeit im heimischen Keller hat das Unternehmen dann richtig Fahrt aufgenommen“, berichtet von Elbe.

Ein Schülerunternehmen kostet sehr viel Zeit

Anfangs haben sich die Jugendlichen für das Herstellen der Kosmetika verschiedene Zutaten bestellt und erst einmal viel ausprobiert. Hilfreiche Tipps habe es etwa von Beauty-Blogs auf Youtube gegeben. Von Elbe gibt zu: „Es ist keine große Kunst, Kosmetik selbst herzustellen. Es ist im Prinzip wie Kochen.“ Das Schülerunternehmen koste allerdings sehr viel Zeit, wie von Elbe betont: „Zu Hochzeiten bin ich um fünf Uhr aufgestanden, habe am Unternehmen gearbeitet und um 7.15 Uhr den Schulbus genommen.“ Ganze Wochen seien so verlaufen.

„Unternehmertum gehört ab der neunten Klasse als verpflichtendes Unterrichtsfach in die Schulen“, fordert Nils Thoralf Jarck von der Industrie- und Handelskammer Lübeck. Dort leitet er den Bereich „Existenzgründung und Unternehmensförderung“, ist zudem für ganz Schleswig-Holstein Ansprechpartner zu dem Thema. Jarck beklagt, dass viele Schüler gar nicht erst auf die Idee kämen, später mal ein Unternehmen zu gründen. „Wirtschaft umgibt uns jeden Tag und wird in den Schulen viel zu wenig thematisiert.“ Schülerunternehmen im geschützten Raum jedoch seien eine „super Testphase“ für Jugendliche, um zum Beispiel eine ganze andere Sensibilität im Umgang mit Geld zu lernen.

Factbox:

Kosmetik: Strenge Regeln für die Herstellung
Die Zusammenarbeit mit einer Apotheke oder einem Dermatologen ist bei diesem „Junior“-Programm notwendig. Dort entspricht die Produktion der Produkte den hygienischen Standards und es gibt gewartete Geräte. Zudem kann zum Beispiel die Überprüfung der einzelnen Chargen unkompliziert umgesetzt werden.

Laut der EU-Kosmetikverordnung müssen die Schüler hygienische und bürokratische Vorschriften beachten: „Das Unternehmen muss sich als Kosmetikhersteller bei der für Lebensmittel- und Kosmetiküberwachung zuständigen unteren Verwaltungsbehörde anmelden“, heißt es in einem „Junior“-Leitfaden. Zudem müsse man die Rahmenrezepturen beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit anmelden. Eine Sicherheitsbewertung müsse unter anderem die Auflistung der genauen Rezeptur, eine allgemeine toxikologische Bewertung der Inhaltsstoffe und eine toxikologische Bewertung des Fertigproduktes enthalten.

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