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07:00 30.07.2014
Von Oliver Hamel
Russische Lastwagen werden immer seltener in Kiel verladen. Quelle: FB
Kiel

„Der Ton zwischen Russland und der EU hat sich deutlich verschärft“, sagte gestern Fabian Kruse, Präsident des Branchenverbandes AGA. „Deshalb verschlechtert sich auch die Situation für die norddeutschen Händler.“ Eine AGA-Konjunkturumfrage zeigt, dass die Umsätze im zweiten Jahresquartal wuchsen, gegenüber dem Vorquartal (3,5) jedoch nur noch um 1,2 Prozent. „Die lang- und mittelfristige Planung für unsere Unternehmen wird immer schwieriger“, so Kruse. Nur noch 21,1 Prozent der Firmen beurteilten ihre Gewinnsituation positiv (Vorquartal: 27,3), bereits 18,4 Prozent negativ (11,7). Schleswig-Holstein verzeichnete ein Umsatzplus von 1,8 Prozent, im Vorquartal waren es jedoch noch 4,7. Die Export-Umsatzzahlen der Nordländer drehten sogar ins Minus (-1,4), nach im Vorquartal plus zwei Prozent.

 Sorgen auch beim Unternehmensverband Nord: „Es macht betroffen, dass wirtschaftliche Entwicklung erneut unter politischen Fehlentwicklungen leiden muss“, sagte Geschäftsführer Sebastian Schulze. „Wir sehnen uns nach einem verlässlichen, geregelten Umfeld.“ Die Folgen der bisherigen Sanktionspraxis seien für Schleswig-Holsteins Handel mit Russland „noch erträglich“ gewesen.

 Mit konkreten Zahlen halten sich die Unternehmen im Norden bedeckt. Besonders hart trifft der ausgebremste Handel jedoch offenbar Ernährungsindustrie, Maschinenbau sowie Hersteller von Medizinprodukten und Apparatetechnik. Handlungsspielraum für die Wirtschaft sieht der UV Nord nicht. „Die Ausfälle sind nicht zu kompensieren, schon gar nicht lassen sich auf die Schnelle neue Märkte erschließen“, so Schulze. Ginge dies, wäre man schon längst dort. Der schleswig-holsteinische IHK-Außenhandelsexperte Werner Koopmann sagte: „Auch wenn die unmittelbaren Folgewirkungen der nunmehr verschärften Sanktionen auf unsere Mitgliedsbetriebe begrenzt bleiben dürften, wird das Umfeld für Russland-Geschäfte zweifellos negativ beeinflusst werden.“

 Am Abend verhängte die Europäische Union weitere Wirtschaftssanktionen gegen Russland. Die Botschafter der 28 EU-Staaten einigten sich in Brüssel auf ein Maßnahmenpaket.