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Wirtschaft IT-Branche will Schulfach Programmieren
Nachrichten Wirtschaft IT-Branche will Schulfach Programmieren
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11:00 04.06.2019
Von Ulrich Metschies
Spielerischer Einstieg in die Informatik:Die IT-Unternehmen fordern die Ausweitung des Schulunterrichts. Quelle: HPI/T. Mattis
Kiel

Chef Jörg Posewang sagt: „Aktuell haben wir vier offene Stellen in technischen Bereichen, die wir schwer besetzen können.“ Doch der leergefegte Arbeitsmarkt belastet längst nicht nur das eigene Unternehmen: „Auch bei unseren Kunden bemerken wir den Fachkräftemangel.“

Die Abwerbeversuche werden aggressiver

Spürbar wird die wachsende Not zum einen dadurch, dass sich die Anfragen häufen, in denen es um Betriebsunterstützung und fachliche Aushilfe mit speziellen technischen Fähigkeit geht. Wesentlich gravierender ist jedoch ein anderer Punkt. Posewang: „Allgemein bemerken wir aggressivere Abwerbeversuche durch Mitbewerber wie auch Kunden.“

Besonders einschneidend ist der Verlust von Top-Personal Richtung Süden. Allein in den vergangenen 18 Monaten hat Netuse nach Angaben des Vorstandschefs vier Mitarbeiter verloren – zwei nach Hamburg, einen nach Berlin und einen ins Ruhrgebiet. „Und das“, sagt Posewang, „ist sicherlich noch wenig im Vergleich zu anderen Unternehmen.“

Allein in Kiel gibt es 10.000 IT-Arbeitsplätze

Die Informationstechnologie im Norden ist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen. Vom kleinen App-Entwickler bis zum großen Systemhaus: Allein in der Landeshauptstadt gibt es inzwischen rund 10.000 IT-Arbeitsplätze. Gerät hier Sand ins Getriebe, dann hat das massive Auswirkungen auf fast alle Unternehmen, denn ohne IT als Querschnitttechnologie und Motor der Digitalisierung kommt heute niemand mehr aus.

Trend in technischen Berufen zeigt abwärts

Das Klagen der Branche ist in den vergangenen Jahren immer lauter geworden. Engpässe melden IT-Firmen vor allem in den Bereichen IT-Sicherheit und Netzwerke, Automatisierung und Cloud-Dienste. Und Besserung ist kaum in Sicht. Während beispielsweise Netuse in den kaufmännischen Bereichen stabile Bewerberzahlen verzeichnet, zeigt der Trend in den technischen Berufen deutlich abwärts.

FLS investiert in Headhunter-Dienste

Auch die Heikendorfer FLS GmbH – Spezialist für High-Tech-Tourenplanung und Fuhrparkmanagement – erlebt die Fachkräftesituation als handfesten Bremsklotz. „Generell sind sämtliche Positionen, die IT-Kenntnisse erfordern, sehr schwer zu besetzen“, sagt Geschäftsführerin Britta Brechtel. Die Zahl von „gut qualifizierten und auf die Position sehr gut passenden Bewerbungen“ habe sich deutlich reduziert. Um erfahrene Führungspersönlichkeiten zu finden, investiert FLS alleine rund 150.000 Euro im Jahr in Headhunter-Dienstleistungen und kostenpflichtige Profile in Business-Portalen.

Was tun? Nicht nur Netuse oder FLS arbeiten mit Hochdruck daran, das Thema Arbeitgeberattraktivität voranzubringen. „Die Fachkräftesicherung kann nur gelingen, wenn man den Mitarbeitern auf allen Ebenen ein überzeugendes Angebot machen kann“, sagt Klaus-Hinrich Vater, Präsident der Industrie- und Handelskammer Kiel und Gründer der Vater-Gruppe – mit inzwischen rund 620 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eines der Branchenschwergewichte im Norden.

Vater-Gruppe unterstützt soziales Engagement der Mitarbeiter

Als Beispiel nennt Klaus-Hinrich Vater nicht nur Arbeitsmodelle, die Job und Familie optimal unter einen Hut bringen oder eine teamorientierte Zusammenarbeit, die die Stärken des Einzelnen optimal zur Geltung bringt, sondern auch dies: „Ein Arbeitgeber, der heute sexy sein will, sollte soziales Engagement und ehrenamtliche Tätigkeiten seiner Mitarbeiter voll unterstützen.“

Unternehmer verlangen Reform des Unterrichts

Einig sind sich IT-Unternehmer in diesem Punkt: Ohne eine deutliche Nachjustierung im Bildungssystem lässt sich das Problem nicht aus der Welt schaffen. „Curricula, Lehrerausbildung, IT-Infrastruktur in Schulen, systematische Kooperation mit der Wirtschaft: Sämtliche Bereiche müssten aufeinander abgestimmt und in kurzen Zyklen immer wieder den aktuellen Anforderungen angepasst werden“, sagt FLS-Chefin Brechtel. Vater plädiert eindringlich dafür, Informatik und Programmieren in den Fächerkanon an den Schulen aufzunehmen: „Es geht nicht darum, Nerds zu produzieren, sondern ein Verständnis dafür zu schaffen, wie die digitale Welt funktioniert.“

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