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Wirtschaft Handwerk muss um Nachwuchs kämpfen
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21:00 02.06.2019
Von Anne Holbach
Es gibt immer etwas zu tun. Aber gerade im Innenausbau fehlen derzeit die Fachkräften. Laut aktueller Statistik waren im April rund 800 Stellen unbesetzt, davon mehr als die Hälfte Maler. Aber auch Sanitär-, Heizungs- und Klimatechniker sind gefragt. Quelle: Patrick Pleul/dpa
Lübeck/Kiel

Die Handwerkskammer Lübeck geht davon aus, dass in Schleswig-Holstein etwa jeder dritte Handwerksbetrieb aktuell Fachkräfte sucht. "Wir beobachten, dass inzwischen nahezu alle Gewerke - natürlich in unterschiedlich starkem Ausmaß - betroffen sind", sagt Kammer-Sprecherin Anja Schomakers. Insbesondere Berufe im Bereich Sanitär, Heizung und Klima sowie Elektro hätten Probleme, Personal zu finden. Aber auch Fleischer, Bäcker oder Bau- und Ausbaugewerke suchen nach Fachkräften.

Ende April waren laut Statistik der Bundesagentur für Arbeit in Schleswig-Holstein beispielsweise 559 Arbeitsstellen für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechniker gemeldet. Dem standen nur 123 arbeitslose Fachkräfte in diesem Bereich gegenüber. In Innenausberufen gab es rund 800 freie Posten, über die Hälfte davon Maler (411).

Ein Grund sei die seit einigen Jahren unverändert hohe Nachfrage nach handwerklichen Leistungen. "Das ist grundsätzlich erfreulich, führt aber für die Betriebe, insbesondere im Bau- und Ausbauhandwerk, dazu, dass diese oft an ihren Kapazitätsgrenzen arbeiten", so Schomakers. "Um die Aufträge abzuarbeiten, benötigen sie weiteres Fachpersonal, das aber derzeit auf dem Markt nicht zur Verfügung steht." Zumal das Handwerk natürlich mit anderen Branchen wie der Industrie um Fachkräfte konkurriere.

Handwerksbetriebe müssen mit er Zeit gehen

Der Aufwand, um Fachkräfte zu gewinnen, sei deutlich größer geworden, sagt Dirk Lübke, Obermeister der Kieler Maler-Innung. Wer heute die Jugendlichen abholen wolle, der müsse sich auf ihren Plattformen bewegen. "Da muss man auf Facebook, Instagram oder Youtube knackige Botschaften senden, die das Interesse für den Beruf wecken", sagt Lübke.

Flyer verteilen oder ein Azubi-gesucht-Aufkleber auf dem Auto reiche nicht mehr. "Wir müssen mit der Zeit gehen", sagt der Geschäftsführer des Malereibetriebs Günther Mecklenburg. Das sei aber für Handwerker nicht immer einfach, weil sie oft Personalabteilung und Marketingbeauftragter in einer Person seien und dafür anders als große Firmen keine eigenen Abteilungen haben.

Früher hätten klassischerweise Haupt- oder Realschüler nach ihrem Abschluss den Weg ins Handwerk gesucht, so Lübke. "Das hat sich mit den Gemeinschaftsschulen verschoben. Heute geht der Trend eher dahin, länger zur Schule zu gehen." Neben der demografischen Entwicklung, die für einen Rückgang der Schulabgängerzahlen gesorgt hat, verschärfe die Tendenz vieler Jugendlicher zum Studium die Lage, sagt Schomakers.

"Der aktuelle Fachkräftemangel ist auch ein Resultat jahrzehntelanger einseitiger Fokussierung auf Abitur und Studium als Maß aller Dinge, um beruflich erfolgreich zu sein", sagt die Sprecherin der Handwerkskammer. "Darunter hat die gesellschaftliche Anerkennung für die berufliche Bildung und für eine berufliche Tätigkeit im Handwerk gelitten."

Unternehmen müssen Auszubildenden Perspektiven bieten

Die Handwerksgruppe Philip Mecklenburg hat noch freie Azubi-Plätze für Maler, Elektrotechniker oder Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. "Die meisten Handwerksbetriebe in der Region, die ausbilden, suchen noch", sagt der Oberinnungsmeister. Die Auftragslage sei bei vielen Betrieben derzeit so gut, dass sie ohne Probleme mehr Personal einstellen könnten, schätzt Lübke. "Aber was an guten Mitarbeitern am Markt ist, ist gering. Und die Leute wissen das auch." Deswegen müssten Chefs ihren Leuten umso mehr Perspektiven bieten.

Die Handwerkskammer Lübeck hilft mit einer Fachkräfteberatung ihren Mitgliedsbetrieben sich der Herausforderung zu stellen. Dabei stehe nicht die kurzfristige Mitarbeitergewinnung im Vordergrund, sondern eine Ausrichtung der Betriebe als attraktiver Arbeitgeber. So verfolge die Beratung beispielsweise Themen wie Personalbindung und -entwicklung. "Ziel ist es, eine Arbeitgebermarke zu entwickeln", sagt Schomakers.

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