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13:29 07.10.2017
Von Karen Schwenke
„Bela Waren - helfen sparen“: In sechs Währungen bezahlten Kunden ihre Lebensmittel im Laufe der Jahrzehnte. Quelle: fotograf-kiel.de
Kiel

Er gründete einen Lebensmittelgroßhandel und ahnte natürlich nicht, was daraus werden würde: Ein Familienunternehmen, dass noch 125 Jahre später Mensch und Tier mit dem Lebensnotwendigsten versorgt. Als einer der größten Arbeitgeber in der Region ernährt die Bartels-Langness Gruppe heute nicht mehr eine, sondern weit über 10.000 Familien. Der kleine Bäcker Langness startete also 1892 unverhofft eine Kieler Erfolgsgeschichte.

In seinem Jubiläumsjahr beschäftigt die Unternehmensgruppe rund 18.000 Mitarbeiter und wird auf über vier Milliarden Euro Umsatz geschätzt. Damit belegt sie Rang elf der größten Lebensmittelhändler in Deutschland. Zur Gruppe zählen unter anderem 86 Famila-Warenhäuser, 32 Markant-Supermärkte, 1500 belieferte Einzelhändler und Tankstellen, rund 200 Filialen der Bäckereien Steiskal und Dat Backhus, Beteiligungen an der Citti-Handelsgesellschaft und an der „Das Futterhaus“-Franchise GmbH mit mehr als 300 Tiernahrungsfachgeschäften.

Der Weg zu dieser Größe war steinig. Wie steinig, das ist nachzulesen in der Unternehmenschronik, die anlässlich des Jubiläums geschrieben wurde. Und das zeigen die sechs Währungen, mit denen die Kunden ihre Lebensmittel im Laufe der Jahrzehnte bei ihrem Händler bezahlten. Zur Kaiserzeit verlangte der Unternehmensgründer noch Goldmark, später folgten Renten, Reichs- und Deutsche Mark, schließlich der Euro. Sogar in DDR-Mark wurden zur Wende Geschäfte abgewickelt.

Trotz der politisch und ökonomisch stürmischen Zeiten herrschte an der Unternehmensspitze Kontinuität. Dort waltet bis heute ein Hermann Langness – mittlerweile in vierter Generation. 1918 übergab der Gründer die Geschäftsführung an seinen jüngsten Sohn Hermann Thomas. Weil das Geschäft expandierte, ließ dieser 1924 am Kieler Hafen den Langness-Speicher bauen. Er wurde später verkauft und prägt bis heute als Sartori-Speicher das Stadtbild. 1928 schloss sich Langness mit Paul Bartels zusammen: Die Bartels-Langness AG (kurz Bela) wurde gegründet. Ein Jahr später starb Bartels; sein Name blieb, aber Langness erwarb die Gesellschaftsanteile zurück. Es folgten die Zeiten, in denen das Unternehmen anfing, Waren zu produzieren: Kaffee, Seifen, Spirituosen und mehr. Platznöte sorgten für den Umzug in die Alte Weide. Dort hat die Bela-Gruppe bis heute ihren Hauptsitz.

1954 folgte mit Fritz Langness wieder ein Sohn in die Geschäftsführung. Zwar herrschte Frieden, aber für die Branche war die Lage weiter heikel. 1974 fiel die Preisbindung für Markenartikel, die Tante-Emma-Läden starben und damit die klassischen Bela-Kunden. Langness setzte auf Expansion und sicherte durch den Bau der Famila-Märkte das Überleben der Firma. Sein Sohn Hermann, seit 1984 Geschäftsführer, setzt die Expansion fort. Er gründete eine Einkaufskooperation unter anderem mit Real und Netto und erwarb weitere Firmen.

Wie sein Urgroßvater hat der 64-Jährige mit vier Kindern – drei Söhnen und einer Tochter – die Zukunft des Familienunternehmens vorhebestimmt. Allerdings verrät der Senior nicht, wann und an wen er den Staffelstab übergibt. Nur eines ist klar: Sein Nachfolger wird Langness heißen.

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