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Wirtschaft Fast 10 000 Lehrstellen noch frei
Nachrichten Wirtschaft Fast 10 000 Lehrstellen noch frei
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07:28 28.04.2014
Von Ulrich Metschies
Merle Hansen, Leiterin der Personalentwicklung bei der coop, findet nicht genügend Auszubildende. Quelle: Nawe
Kiel

Die Zahl der Lehrstellensuchenden ist gegenwärtig um fast 900 geringer als das Angebot an Ausbildungsplätzen. Nach einer Umfrage der Industrie- und Handelskammern kann fast jeder fünfte Betrieb im Land Lehrstellen nicht besetzen, weil es an Bewerbern mangelt. „Wir müssen davon ausgehen, dass diese Zahl in diesem Jahr noch zunehmen wird“, sagt Hans Joachim Beckers, Ausbildungsexperte bei der IHK Schleswig-Holstein. Auch das Handwerk hat zu kämpfen: Die Lehrstellenbörsen der Handwerkskammern Lübeck (zuständig auch für Kiel) und Flensburg melden wenige Monate vor Beginn des Ausbildungsjahres (je nach Beruf: 1. August oder 1. September) fast 600 freie Lehrstellen.

 Während die Zahl der Schulabgänger in Schleswig-Holstein von 2008 bis 2013 von gut 31000 auf 29400 gesunken ist, kletterte die Zahl der Studienanfänger von unter 10000 auf über 12000. Auch wenn ein großer Teil der Erstsemester aus anderen Bundesländern stammt, bekommen die Ausbildungsbetriebe im Norden die wachsende Studienneigung zu spüren. „Wir beobachten mit Sorge einen Trend, den höchstmöglichen Abschluss anzustreben und nicht den am besten passenden,“ sagt Beckers. Hier wirke sich nicht selten der Einfluss der Eltern aus. Trotz „hoher Ausbildungsbereitschaft“ der Betriebe sei die Zahl der eingetragenen Lehrverträge bei den Industrie- und Handelskammern im vergangenen Jahr um sieben Prozent auf 10370 gesunken.

 Vor einer Dramatisierung der Lage warnt Margit Haupt-Koopmann, Chefin der Regionaldirektion Nord: „Aktuell handelt es sich nur um eine Zwischenbilanz. Die größte Bewegung werden wir in den kommenden Monaten erleben.“ Doch die Probleme auf dem Lehrstellenmarkt sind erheblich größer, als die rechnerische Lücke zwischen Angebot und Nachfrage vermuten lässt. „Wir müssen immer häufiger erleben, dass Betriebe und Auszubildende nicht zusammenpassen“, sagt Ulf Grünke, Sprecher der Handwerkskammer Lübeck. Statt sich rechtzeitig über die rund 350 anerkannten Ausbildungsberufe zu informieren, würden Jugendliche sich zu sehr auf Traumberufe wie Kfz-Mechatroniker oder Bankkauffrau fixieren. Während sich Unternehmen für diese Ausbildungen vor Interessenten kaum retten können, sind Bewerber für andere Lehrstellen nur schwer zu finden.

Zu den Top Ten der freien Plätze gehören etwa Kaufmann/-frau im Einzelhandel (landesweit 879 freie Stellen), Verkäufer/in (517), Koch/Köchin (395), Bäckereifachverkäuferin (323) sowie mit jeweils gut 300 unbesetzten StellenFriseur/in, Hotelfachmann/-frau und Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik.