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Wirtschaft Fast jedes zweite Unternehmen will 2020 neue Jobs schaffen
Nachrichten Wirtschaft Fast jedes zweite Unternehmen will 2020 neue Jobs schaffen
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08:02 02.01.2020
Von Ulrich Metschies
Aco aus Büdelsdorf konnte nach eigenen Angaben 2019 überdurchschnittlich zulegen und erwartet auch 2020 eine stabile Auftragslage. Aktuell hat Aco im Land 653 Mitarbeiter, Tendenz weiter steigend. Firmenchef Hans-Julius Ahlmann kann zufrieden sein. Quelle: Hans-Jürgen Jensen
Kiel

Befragt wurden landesweit rund 110 Firmen – von namhaften Arbeitgebern wie UKSH, Dräger, Spiegelblank, Aco und Caterpillar bis hin zu Handwerksbetrieben und aufstrebenden Digitalunternehmen. Mit 67 Antworten war die Beteiligung so hoch wie noch nie. Quer durch die meisten Branchen berichten die Betriebe von guten Geschäften und positiven Aussichten: „Unsere Auftragsbücher sind voll, und wir gehen davon aus, dass das mindestens in den nächsten zwei Jahren so bleiben wird“, heißt es etwa beim Kieler Lokbauer Vossloh Locomotives.

Fachkräftemangel bremst Wachstum

Besonders steil aufwärts geht es für die IT-Wirtschaft, deren Bedeutung für den Norden rasant zunimmt. Doch gerade in dieser Branche ist der Mangel an Fachkräften die am häufigsten genannte Wachstumsbremse. Aber auch Unternehmen aus der Metallindustrie, Pharmahersteller und Logistikunternehmen geben an, händeringend neue Mitarbeiter zu suchen.

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Die für Schleswig-Holstein ebenfalls gewichtige Nahrungsmittelindustrie sorgt sich vor allem um steigende Rohstoffpreise, aber auch um die Zukunft der Europäischen Union. Deutlich gewachsen ist die Befürchtung, dass internationale Handelsbeziehungen zerbrechen und damit nicht nur Märkte verloren gehen, sondern sich auch die Beschaffung von Vorprodukten und Rohstoffen verteuert.

Suche nach Mitarbeitern nicht leicht

Zu den Entwicklungen, die die Unternehmen am meisten umtreiben, gehören neben der schwierigen Suche nach Mitarbeitern die Digitalisierung, wachsender Aufwand zum Schutz vor Cyber-Attacken sowie die Folgen und Kosten von Klimawandel und Energiewende. Zu einer immer drückenderen Belastung für Banken und Versicherungen wird die anhaltende Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank.

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Angesichts der noch im September eher grau gefärbten Konjunktur-Umfrage von Kammern und Verbänden wertet Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) das Ergebnis der Umfrage als „äußerst erfreulich“. Das Stimmungsbild decke sich mit seinen Betriebsbesuchen im vergangenen Jahr: „Mir zeigt das einmal mehr: Schleswig-Holsteins Mittelstand ist überaus wetterfest.“ Zu den wichtigsten Bausteinen im Kampf gegen den Fachkräftemangel zählt Buchholz die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt: Die Zahl derer, die in Schleswig-Holstein eine Arbeit aufgenommen hätten, sei auch 2019 deutlich gestiegen.

Die Basis unserer Umfrage

Unsere jährliche Übersicht zum Jahresbeginn erfasst Firmen aus der Region Kiel, Rendsburg-Eckernförde, Plön und Segeberg sowie einige Unternehmen aus anderen Teilen Schleswig-Holsteins. Angeschrieben haben wir 110 Firmen, 67 haben geantwortet. Ziel war es, annähernd den Branchen-Mix im Norden abzubilden. Daher wurden einige der größten Arbeitgeber befragt, aber auch deutlich kleinere Unternehmen. Um das Bild abzurunden, haben wir mit dem expansiven Drogerie-Filialisten dm auch ein Unternehmen mit Sitz außerhalb Schleswig-Holsteins berücksichtigt. Die Zahl der Arbeitsplätze bezieht sich in allen Fällen auf das Personal in Schleswig-Holstein. Dadurch erscheinen einige Unternehmen kleiner, als sie sind. So beschäftigt der Medizin- und Sicherheitstechnik-Konzern Dräger den weitaus größten Teil seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter außerhalb Schleswig-Holsteins. Auch kleinere Unternehmen sind stark jenseits der Landesgrenzen aktiv. So beschäftigt der Verkehrsleittechnikspezialist Designa knapp die Hälfte seiner Mitarbeiter im Ausland. Unsere Umfrage hat nicht den Anspruch, repräsentativ zu sein. Einige Unternehmen beteiligen sich grundsätzlich nicht an derartigen Erhebungen, daher fehlen unter anderem die Handelsunternehmen Famila und Citti oder Johnson & Johnson Medical. Erstmals nicht mehr direkt dabei ist die Kieler Supermärkte Nord GmbH. Das ehemalige Gemeinschaftsunternehmen von Coop und Rewe gehört dem Kölner Handelsriesen inzwischen allein und soll, wie berichtet, aufgelöst werden. Die Arbeitsplätze der Kieler Gesellschaft werden von Rewe nicht mehr gesondert angegeben, sondern mit den übrigen Aktivitäten die Gruppe im Norden zusammengefasst. Die Daten und die Prognosen für das Jahr 2020 wurden größtenteils in der zweiten und dritten Dezemberwoche erhoben.

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