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Wirtschaft Brille? Fielmann will online verkaufen
Nachrichten Wirtschaft Brille? Fielmann will online verkaufen
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10:00 27.12.2018
Von Anne Holbach
Wollen jetzt doch den Online-Markt betreten: Günther Fielmann (li.) und sein Sohn Marc Fielmann mit zwei Brillen-Modellen ihrer eigenen Marke. Quelle: Christophe Gateau/dpa
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Hamburg

Bei Fielmann hatte der Online-Verkauf von Brillen bislang nicht den besten Ruf. „Die Brille aus dem Internet ist ein Zufallsprodukt“, hatte Marc Fielmann wiederholt gesagt. Sein Vater Günther war der Meinung, dass eine gute Brille nur vom Optiker im Ladengeschäft kommen könne, sonst passe sie nicht zu Augen, Kopfform oder Nase. Jetzt hat Fielmann angekündigt, im kommenden Jahr auf den Online-Markt zu gehen. Grund für den Sinneswandel seien neue Technologien, die einen Online-Brillenkauf in Fielmann-Qualität nun möglich machten, heißt es vom Konzern.

Die Optiker-Kette Fielmann aus Hamburg hat vor Kurzem rund 20 Prozent der Anteile am Augmented-Reality-Spezialisten Fitting Box S.A. gekauft. Das französische Technologieunternehmen ist mit 13 Patenten weltweit führend im Bereich der 3-D-Anproben von Brillen und Sonnenbrillen. „So digitalisiert Fielmann die augenoptische Branche zum Vorteil für die Kunden, ohne Kompromisse bei der Qualität zu machen“, sagt der Vorstandsvorsitzende Marc Fielmann. Dafür notwendig seien Innovationen wie die 3-D-Anprobe, die millimetergenaue 3-D-Anpassung sowie der Online-Sehtest.

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Bislang verkaufte Fielmann nur Kontaktlinsen im Netz

Die strategische Beteiligung an Fitting Box sei ein konsequenter Schritt in der Digitalisierungsstrategie des Konzerns. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Geplant sei eine Verbindung von persönlicher Beratung und digitalen Services zusätzlich zum Filialgeschäft. In den nächsten Wochen will Fielmann die 3-D-Anprobe in Österreich testen und 2019 schließlich in Deutschland einführen.

Bislang verkauft Fielmann online nur Kontaktlinsen. „Wir haben unser Kontaktlinsen-Geschäftsmodell seit 2016 vollständig digitalisiert, sind heute allen relevanten Wettbewerbern weit voraus, wachsen deutlich schneller als der Markt und gewinnen so Marktanteile“, berichtet Fielmann-Sprecherin Ulrike Abratis.

So reagiert die Konkurrenz auf die Online-Handel-Pläne von Fielmann

Beim Online-Händler Mister Spex gibt man sich gelassen: „Wir machen uns keine Sorgen“, erklärt Geschäftsführer Mirko Caspar. Das Berliner Unternehmen mit über 450 Mitarbeitern setze seit mehr als zehn Jahren auf moderne und datenbasierte Technologien, um Kunden zu helfen, die passende Brille zu finden. Schon 2011 habe Mister Spex die 3-D-Anprobe eingeführt. „Von offline zu online zu gehen, ist wesentlich schwieriger als vom Online-Shop in den stationären Handel“, sagt Caspar. Mister Spex machte im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben einen Umsatz von über 100 Millionen Euro.

„Wenn sich so ein großer Spieler bewegt, ist das natürlich für uns ein Grund, genau hinzuschauen“ sagt Christophe Hocquet, Geschäftsführer von Brille 24. „Aber am Ende ist das auch eine große Bestätigung für uns.“ Der Online-Optiker aus dem niedersächsischen Oldenburg sei bei der Gründung 2007 ein Pionier gewesen. „Damals hat die Industrie uns ausgelacht. Aber der Endkunde hat sich dafür entschieden, im Internet Brillen zu kaufen.“