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Wirtschaft Streit kostet Stadtwerke Millionen
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07:31 07.02.2014
Von Jörn Genoux
Das Gaskraftwerk auf dem Kieler Ostufer muss wohl länger am Netz bleiben. Quelle: Jordt
Kiel

Das Projekt hinkt bereits jetzt drei Monate hinter dem Zeitplan her. Das Kraftwerk wird also nicht mehr wie geplant zu Beginn der Heizperiode im Oktober 2016 in Betrieb gehen können. Bleibt die Finanzierung noch länger offen, verzögert sich die Inbetriebnahme um weitere Monate. Auf die Stadtwerke kommen Millionen-Belastungen zu. Sie müssen weiter das Gemeinschaftskraftwerk Kiel (GKK) nutzen, das eigentlich Anfang 2016 vom Netz gehen soll. Mehrkosten: rund 18 Millionen Euro pro Jahr.

Am 3. März sollte nach bisherigen Planungen der Aufsichtsrat das zweite Teilbudget (40 Millionen Euro) für das Kraftwerk freigeben. Doch dazu wird es kaum noch kommen. In einer vorbereitenden Sitzung der Eigentümer wurde nach unserer Informationen keine Entscheidung gefällt. In der Videokonferenz habe Kiels Bürgermeister Peter Todeskino gegenüber MVV-Vorstand Werner Dub seiner Verärgerung Luft gemacht, ist aus dem Rathaus zu hören. In der Sache aber habe das ebenso wenig Fortschritte gebracht wie ein Gespräch mit MVV-Chef Werner Müller am nächsten Tag.

Öffentlich äußern wollte sich der Bürgermeister am Donnerstag nicht. Auch MVV lehnte eine Stellungnahme ab. Und noch sucht auch kein Ratspolitiker den offenen Konflikt mit dem Partner. Aber hinter vorgehaltener Hand fallen vielfach deutliche Worte, man sei „stinksauer“ auf MVV, man werde von den Mannheimern „hingehalten“. Mancher vermutet, dass „MVV das Kraftwerk nicht mehr bauen will“. Es ist sogar die Rede davon, das Verhalten des Mehrheitseigentümers sei „existenzgefährdend“ für die Stadtwerke. Deren Vorstand hatte das Projekt im Herbst vor Mitarbeitern als „das zentrale Element zur Sicherung der Zukunft des Unternehmens“ bezeichnet. Öffentlich äußern sich nur die Vertreter der Stadt im Aufsichtsrat, Stefan Kruber (CDU) und Wolfgang Schulz (SPD). Er glaube, dass eine Lösung gefunden werde, so Kruber; Schulz will sich „an Spekulationen nicht beteiligen“.

Schon im Herbst waren die Planungen für das modular aufgebaute Gaskraftwerk ins Stocken geraten, weil MVV noch einen Alternativplan prüfen ließ: die Erzeugung von Fernwärme durch einen Elektrodenkessel. Dieser Plan ist zwar nun vom Tisch. Doch das klare Votum der Mannheimer zum Gasmotorenkraftwerk, das Strom und Wärme erzeugen soll, fehlt weiter. Die Stadt hat ihre Aufgaben erfüllt, auch die Finanzmittel zur Erhöhung des Eigenkapitals der Stadtwerke stehen bereit. Und bei den Stadtwerken laufen seit Monaten Planungen auf Hochtouren.

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