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11:11 10.02.2020
Von Ulrich Metschies
Start mit großem Auftritt: Am 22. Oktober 2009 feierte der damalige Microsoft-CEO Steve Ballmer die Einführung des neuen Systems in New York. Heute ist das System ein Sicherheitsrisiko. Quelle: epa/Rebecca Mcalpin/dpa
Kiel

Er ist doch schon eine Weile her, der 29. Juli 2015. An diesem Tag brachte der Software-Riese Microsoft sein neues Betriebssystem Windows 10 heraus. Doch die Anwender taten sich schwer mit der Umstellung – und viele zögern bis heute. Der große Erfolg von Windows 7 ist für Microsoft Fluch und Segen zugleich. Bereits der direkte Nachfolger, das im Oktober 2012 erschienene Windows 8, und das Gratis-Update auf Windows 8.1 vom Oktober 2013 wurden, unter anderem wegen der neuen Kacheloberfläche, durch die Benutzer nicht gut angenommen.

Konsequenz: Noch heute laufen Millionen von Rechnern mit dem veralteten Programn – obwohl Microsoft seit Januar keine kostenlosen Updates für Windows 7 bereitstellt.

DGSVO: Stand der Technik muss eingehalten werden

Nicht nur private Haushalte halten am Software-Dino fest. Auch viele Betriebe scheuen den Aufwand – und warten mit der Umstellung lieber, bis sowieso neue Rechner fällig sind. Großunternehmen sind zwar in der Regel auf dem Stand der Technik, doch IT-Experten gehen davon aus, dass in Schleswig-Holstein fast jedes zweite kleine und mittlere Unternehmen noch Windows 7 im Einsatz hat – mit unabsehbaren Risiken für die EDV-Sicherheit.

Unternehmen und Behörden gehen beim Ignorieren des Support-Endes für Windows 7 nicht nur ein höheres Risiko ein, weil dies Cyberangriffe erleichtert. Sie verstoßen nach Experteneinschätzungen auch gegen die europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Die EU-Richtlinie verlangt, bei der Verarbeitung sowie Nutzung personenbezogener Daten den Stand der Technik einzuhalten.

Experten sagen: Herauszögern ist keine Lösung

IT-Experten raten Windows-Nutzern dringend, die Umstellung auf Windows 10 nicht auf die lange Bank zu schieben. Zwar mache Microsoft bei der kostenpflichtigen Wartung des alten Systems „einen guten Job“, wie Netuse-Experte Roland Kaltefleiter sagt. Allerdings sei Windows 7 strukturell weniger sicher als der aktuelle Nachfolger, unter anderem weil bei Windows 10 Updates automatisch installiert werden und vom Nutzer auch gar nicht verhindert werden können. „Das ist vielen Nutzern unheimlich“, sagt Frank Bösenkötter, Geschäftsführer von Dicide, einem Unternehmen der Vater-Gruppe.

Grundsätzlich sei es sehr problematisch, mit der Umstellung auf das neue Betriebssystem so lange zu warten, bis die Neuanschaffung eines neuen Rechners anstehe. Genau dies sei jedoch bei privaten Nutzern auch in vielen kleineren Unternehmen die übliche Praxis. Eigentlich bietet Microsoft Geschäftskunden die verlängerte Wartung von Windows 7 noch für drei Jahre an. „Das ist aber keine echte Perspektive, zumal die Jahresverträge mit jeder Verlängerung teurer werden“, sagt Bösenkötter.

Windows 7 erleichtert Cyberkriminalität

Während zahllose Rechner dem Stand der Technik hinterherhinken, rüsten professionelle Angreifer immer weiter auf. Cyberkriminalität hat nach Beobachtung des IT-Sicherheitsunternehmens Sophos inzwischen eine neue Gestalt und ein neues Ausmaß angenommen: Beute wird nicht beiläufig gefunden, vielmehr nutzen Kriminelle automatisierte Prozesse, um gezielt Opfer mit eklatanten Sicherheitslücken zu identifizieren. Dann greift der menschliche Faktor, und der Hacker schaut sich „persönlich“ im System um, nistet sich ein und startet Attacken, zum Beispiel mit Erpresser-Viren.

Service

Betrüger wittern Geschäft

Veraltete Betriebssysteme, für die es keine Updates mehr gibt, bedeuten immer ein Sicherheitsrisiko.

Online-Banking etwa ist mit einem veralteten Betriebssystem nicht zu empfehlen. Im Schadensfall hätte die Bank eine gute Begründung, die Haftung abzulehnen.

Wer noch Windows 7 nutzt, hat nach Angaben der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein folgende Möglichkeiten: Für einige Versionen von Windows 7 bietet Microsoft einen kostenpflichtigen Update-Service bis 2023 an. Doch dieses Angebot richtet sich vor allem an Unternehmen. Sinnvoller ist es, ein aktuelles Betriebssystem auf dem PC installieren zu lassen, oder aber – wenn die Hardware ohnehin schon älter ist – einen neuen Rechner anzuschaffen.

Wichtig: Vor Umrüstungen und Upgrades aller Art sollten wichtige Daten extern gesichert werden. Nach Beobachtung der Verbraucherzentrale nutzen Betrüger die Gunst der Stunde, rufen Nutzer an und behaupten, beim Umstieg auf eine neue Windows-Version helfen zu wollen. Auf solche Anrufe sollte man sich auf keinen Fall einlassen.

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