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Wirtschaft Mostafa und der Traum vom Lkw
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16:00 29.09.2019
Von Anne Holbach
Mostafa Sharifi ist einer der ersten Teilnehmer des Projekts. Für den 25-Jährigen ist Lkw-Fahren ein Traumjob. Quelle: Ulf Dahl
Schwentinental

Für Mostafa Sharifi aus Afghanistan ging damit ein Wunsch in Erfüllung. „Mein Vater war Lkw-Fahrer als ich klein war und kam immer mit dem großen Lastwagen nach Hause“, sagt der 25-Jährige. Das habe ihn schon als Kind fasziniert. „Das war immer mein Traumjob.“

Sein Vater lebt schon lange nicht mehr. Sharifi flüchtete mit 13 Jahren aus seiner Heimat und kam über mehrere Stationen in Europa nach Deutschland. Seit 2015 ist er hier. Zuerst lernte er Deutsch, im August hat er seine Ausbildung bei der HaGe Logistik in Schwentinental angefangen. Noch sitzt er allerdings nicht am Steuer eines 40-Tonners, weil er erst seinen Lkw-Führerschein machen muss.

DRK unterstützt mit Sprachvermittlern und Behördenlotsen

Der Altersdurchschnitt der 250 Fahrer im Betrieb liege bei 51 Jahren, deswegen sei es wichtig, dass Nachwuchs herangezogen werde, sagt Ausbildungsleiter Dirk Westphal. Von den aktuell 18 Azubis im Betrieb haben acht Migrationshintergrund. „Ohne die Unterstützung des DRK wäre ich das Risiko, einen Flüchtling einzustellen, der nur sechs Jahre in Kabul zur Schule gegangen ist, aber vermutlich nicht eingegangen“, sagt Westphal.

Die Sprach- und Kulturvermittler vom „Mobilen Integrationsteam“ des DRK helfen den Flüchtlingen im Projekt. Sie sorgen dafür, dass sie Deutsch- und Mathekurse bei Bildungsträgern bekommen oder unterstützen sie bei der Berufsschule.

Behördenlotsen betreuen die Flüchtlinge beim Stellen von Anträgen wie für die Berufsausbildungsbeihilfe oder die Erlaubnis für die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit. „Das ist eine enorme Entlastung für die Unternehmen“, sagt Westphal. Bislang hat er gute Erfahrungen mit den Flüchtlingen im Betrieb gemacht. „Die Jungs haben Lust, etwas zu lernen und sind sehr fleißig.“

Azubi fühlt sich im Unternehmen wohl

Björn Prühs vom DRK besucht regelmäßig die Unternehmen und ihre Azubis, sitzt bei Bewerbungsgesprächen dabei und kümmert sich um deren Auswahl. „Wir fragen zum Beispiel Dinge wie: Würdest du auch Alkohol transportieren? Würdest eine Frau als Chef akzeptieren?“ Damit wolle das Team die Flüchtlinge keinesfalls vorführen, sondern so werde versucht, schon vorher herauszufinden, zu welchem Unternehmen sie passen.

Bei Mostafa Sharifi ist das offenbar gelungen. „Alle sind sehr nett und haben ein offenes Ohr. Wir sind ein bisschen wie eine Familie“, sagt er über die Arbeitsatmosphäre. „Dinge, die ich nicht verstehe, werden mir langsam erklärt.“ Fachbegriffe zu lernen, sei besonders wichtig, sagt Prühs. „Wer versteht schon auf Anhieb Vokabeln wie Druckluftschlauch?“

Projekt läuft zwei Jahre lang

Ziel des auf zwei Jahre angelegten Projekts ist es, 250 Flüchtlinge in Ausbildung zu bringen. Aktuell sind bereits 50 Zuwanderer in Unternehmen vermittelt worden.

Es sei zunächst nicht so einfach gewesen, Betriebe zu überzeugen, sich zu beteiligen, erzählt Moser. Das sei vor allem durch die kleinteilige Struktur der Branche im Land bedingt. Drei Viertel der Logistikbetriebe hätten nur fünf bis sechs Fahrzeuge und einen kleinen Personalstamm. Vielen sei es zu unsicher gewesen, Flüchtlinge zu beschäftigen. „Da müssen wir noch Ängste nehmen“, so Moser. Im eigenen Unternehmen, der Eutiner Spedition, habe er vier Azubis mit Migrationshintergrund und einen festen Fahrer, der aus Syrien komme.

Verband würde sich Übertragung auf andere Bundesländer wünschen

Allein in Schleswig-Holstein sind aktuell über 1300 Stellen in der Logistikbranche offen. Moser betont, dass der Fachkräftemangel bundesweit zu schaffen mache. „Wir würden uns deshalb wünschen, dass das Projekt auch in andere Bundesländer getragen wird.“

Der Wirtschaftszweig sei nicht der einzige mit Personalproblemen, sagte Arbeitsstaatssekretär Thilo Rohlfs. „Wir werden bis 2035 im Land etwa 300.000 Fachkräfte zu wenig haben.“ Das Projekt sei ein wichtiger Baustein für die Logistikbranche, um entgegenzusteuern.

Staatssekretär Rohlfs: Projekt könnte Modell für andere Branchen sein

Er könne sich gut vorstellen, dass sich das Modell auch auf den Hotel- und Gaststättenbereich oder die Pflege übertragen lasse. „Es geht bei Arbeit nicht nur darum, Geld zu verdienen, sondern sie ist auch der Schlüssel für die gesellschaftliche Integration“, so Rohlfs.

Rund eine Millionen Euro kostet das Projekt, fünf Prozent trägt der UVL. Das Land unterstützt das Vorhaben mit 878.000 Euro.

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