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Wirtschaft Flughäfen hoffen auf Elektro-Flieger
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11:13 15.05.2019
Von Ulrich Metschies
Soll im Herbst auf Testflug gehen: Hybrid-Jet des US-Herstellers Zunum. Quelle: zunum
Lübeck

Thomas Mayer ist mit dem Flugzeug nach Lübeck gereist. Zwei Stunden und 38 Minuten war er mit einer viersitzigen Cirrus SR 22 aus dem Schwabenland unterwegs, genauer: vom Regionalflughafen Memmingen, knapp 800 Kilometer von der Hansestadt entfernt. Mayer ist quasi hauptberuflich Flugzeugfan und hat damit auch ökologisch keine Bauchschmerzen: "Mit dem Auto hätte man auch locker 60 Liter Sprit verbraucht – die asphaltierte Landschaft noch gar nicht mitgerechnet."

Auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen

Es geht ihnen nicht sonderlich gut, den deutschen Regionalflugplätzen. Nachdem viele Mini-Airports eine Bruchlandung erlitten haben bei dem Versuch, prestigeträchtige Linienverbindungen oder Charterflieger zu etablieren, nagen immer schärfere Sicherheitsauflagen und die wachsende Marktmacht der Airlines an den Erträgen. Zwei Tage lang diskutieren 140 Flugplatzmanager in Lübeck über die Geschäftsmodelle der Zukunft. Zur Konferenz geladen hat die Interessengemeinschaft der regionalen Flugplätze (IDRF), in der 74 regionale Verkehrsflughäfen und Verkehrslandeplätze zusammengeschlossen sind. Aus Schleswig-Holstein dabei: Sylt, Lübeck, Kiel und Husum. Nachdem die Träume vom Linienflugverkehr in Kiel und Lübeck bekanntlich geplatzt sind, spielt heute nur noch Sylt eine Rolle im gewerblichen Passagierverkehr.

Zunum will im Herbst Testflüge starten

Doch das könnte sich ändern, wenn ein Trend aus den USA nach Europa fliegt: der Einsatz kleiner Elektro- oder Hybrid-Flieger, mit denen sich Regionen verbinden ließen, die keinen Großflughafen vor der Haustür haben. Bereits im Herbst will das von der US-Airline Jetblue und Boeing unterstützte Start-up Zunum Aero ein zwölfsitziges, elektrisch angetriebenes Regionalflugzeug mit 1100 Kilometern Reichweite auf Testflug schicken. Jetsuite, eine Chartertochter von Jetblue, hat bereits 100 Zunum-Flieger bestellt. Ziel ist es, die Emissionen um 80 Prozent zu reduzieren und Kurzstreckenflüge um 40 bis 80 Prozent billiger anzubieten. Parallel basteln Uber und Kittyhawk, eine Initiative von Google-Gründer Larry Page, an emissionsfreien Kleinfliegern. 

Dezentrale Lage könnte zur Stärke werden

Da horchen Mayer und seine Branchenkollegen natürlich auf: "Diese Entwicklung bietet riesige Chancen", so der Verbandschef. Er sieht eine Stärke der kleinen Flughäfen - neben geringeren Gebühren – gerade in dem Punkt, der lange als Schwäche galt: der dezentralen Lage. Der Ausbau des "Punkt-zu-Punkt-Verkehrs" zwischen den Regionen, so Mayer, sei eine Alternative zum Verkehr über die großen Airports, der für den einzelnen Passagier oft mit erheblichen Umwegen verbunden sei. Heute könnten regionale Flugplätze in Deutschland zwar mehr als zwei Drittel aller rund vier Millionen jährlichen Starts auf ihrem Konto verbuchen, aber nur 15 Prozent des Passagieraufkommens. 

Flugsicherung ist noch ein Bremsklotz

Doch von Euphorie sind die regionalen Airports weit entfernt. Vor allem die europäische Flugsicherung sieht Mayer als Bremsklotz: "Gerade im Vergleich zu den USA ist sie noch immer relativ kleinteilig und wenig digitalisiert." Auch Volker Prange, Chef des Flughafens Kiels, sieht Chancen durch neue Mobilitätskonzepte und emissionsfreies Fliegen. Die Gegenwart der regionalen Flughäfen sei jedoch geprägt von immer mehr Auflagen und wachsendem Kostendruck: "Wir müssen uns vorerst darauf konzentrieren, mit unserem heutigen Geschäftsmodell den Zuschussbedarf bei aktuell 200.000 Euro im Jahr stabil zu halten." Und das heißt nicht Jetsuit-Flüge von Kiel nach Kassel, sondern Geschäftsfliegerbetrieb, Mannschaftsflüge für den THW und Gastmannschaften von Holstein, Zieldarstellung für die Bundeswehr und Gewerbe-Mieteinnahmen. 

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