Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Wirtschaft Neue Sorgen bei der Provinzial in Kiel
Nachrichten Wirtschaft Neue Sorgen bei der Provinzial in Kiel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
08:45 08.02.2020
Von Ulrich Metschies
Traumatische Erfahrung: Im Dezember 2012 protestierten Provinzial-Beschäftigte in Kiel gegen einen Verkauf des Versicherers an die Allianz – mit Erfolg. Quelle: Markus Scholz/dpa (Archiv)
Anzeige
Kiel.

Grund: Vor möglichen Nachteilen aus einer Fusion von Provinzial Nordwest (Münster/Kiel) und rheinländischer Provinzial (Düsseldorf) biete der Vertrag kaum Schutz.

Brandbrief an alle Beschäftigten

In einer E-Mail der Betriebsratsvorsitzenden der drei Hauptstandorte Münster, Kiel und Hamburg an die rund 3000 Mitarbeiter der Provinzial Nordwest heißt es, um die Fusion rückwirkend zum Jahresbeginn umsetzen zu können, würden „in den nächsten Wochen“ zentrale Eckpunkte fixiert: „Wir befürchten, dass wir danach kaum noch etwas erreichen können.“ Wenn es den Arbeitnehmervertreter nicht allein gelinge, zentrale Forderungen durchzusetzen, „brauchen wir Euch!“ Und: „Geht davon aus, dass Ihr kurzfristig wieder von uns hört.“

Das ist die Provinzial

Mit einer Fusion von Provinzial Nordwest (Münster/Kiel) und Provinzial Rheinland (Düsseldorf) würde einer der größten öffentlichen Versicherer Deutschlands entstehen. Geschäftsgebiet der Provinzial Nordwest sind Westfalen, Westfalen-Lippe, Schleswig-HolsteinHamburg, Mecklenburg-Vorpommern. Der Konzern beschäftigt im Kerngeschäft gut 3000 Mitarbeiter und verbucht Beitragseinnahmen von rund 3,5 Milliarden Euro. Die Provinzial Rheinland ist aktiv in Nordrhein, Rheinland-Pfalz und Lippe, kommt auf knapp drei Milliarden Euro Beitragseinnahmen und beschäftigt im Innendienst rund 2700 Mitarbeiter.  

Betriebsräte fordern Jobgarantien

Wichtigste Forderung von Gewerkschaft und Betriebsräten ist der Erhalt von Standorten und Arbeitsplätzen sowie die Absicherung des öffentlichen Auftrags der Provinzial durch ein Verkaufsverbot an private Investoren. Mit einer Verankerung dieser Punkte in der Unternehmenssatzung wollen die Arbeitnehmervertreter sich jedoch nicht zufriedengeben. Vielmehr müssten Standortgarantie und Verkaufsverbot in einem Staatsvertrag festgeschrieben sein.

Viele Beschäftigte kämpfen noch mit den Erinnerungen an die Ereignisse Ende 2012: Damals hatten Eigentümer der Provinzial, darunter auch die schleswig-holsteinischen Sparkassen, eine Kaufofferte des Versicherungsriesen Allianz ernsthaft in Erwägung gezogen. Nur durch Proteste der Belegschaft und breiten öffentlichen Widerstand kamen die Verkaufspläne wieder vom Tisch.

Fusion ist seit Langem ein Thema bei der Provinzial

Wie berichtet, loten die beiden Provinizal-Versicherungen seit langem eine Verschmelzung aus, um ihre Position im Wettbewerb langfristig abzusichern. Zuletzt hatte die Arbeitnehmerseite ihre Bereitschaft erklärt, den Fusionsprozess „konstruktiv“ zu begleiten, als Voraussetzung jedoch Beschäftigungs- und Standortgarantien sowie Transparenz und die enge Einbindung in das Vorhaben genannt. „Beides können wir nicht erkennen“, sagt Verdi-Sprecher Frank Schischefsky.

Auch die Politik ist in Sorge

Auch die Landespolitik sorgt sich um die Zukunft von Standorten und Arbeitsplätzen. Im November hatte der Landtag in Kiel eine Resolution zum Schutz von Jobs und öffentlichem Auftrag verabschiedet. Ein ähnlicher Beschlussantrag ist in NRW auf dem Weg: „Es muss gewährleistet sein, dass die Provinzial auch künftig Risiken versichert, vor denen private Konzerne sich drücken“, sagt SPD-Fraktionschef Ralf Stegner und nennt als Beispiel die Berufshaftpflicht für freiberufliche Hebammen.

Auch CDU-Mann Tobias Koch und der Grüne Joschka Knuth fordern die öffentlichen Eigentümer der Provinzial auf, Arbeitsplätze und Kompetenzen am Standort Kiel mit aktuell rund 1000 Beschäftigten zu halten.

Warnung vor hohen Fusionskosten

Sorgen bereiten den Betriebsräten allerdings noch zwei andere Punkte. Sie warnen in ihrem Schreiben vor „unvorhergesehen hohen Fusionskosten“ die auf die Provinzial zukämen. Zudem gebe es Hinweise, dass eine Dividendenpolitik geplant sei, „die für die kommenden Jahre Ausschüttungen an die Anteilseigner aus der Substanz der Unternehmen vorsieht.“

Unternehmenssprecher beruhigt

Provinzial-Sprecher Jörg Brokkötter beruhigt: „Die Standorte Kiel, Hamburg und Münster bleiben bei einer Fusion erhalten und sind dauerhaft gesichert“. Beide Versicherer hatten im Oktober 2018 eine Absichtserklärung unterzeichnet, die die Grundlagen der Fusion und den Fahrplan festlegt. Ziel war eine Einigung 2019. Doch dieser Zeitplan ist schon lange aus den Fugen geraten. Belastet werden die Gespräche vor allem von Bewertungsfragen und dem belastenden Zinsniveau.

Weitere Nachrichten aus der Wirtschaft finden Sie hier.

Mit der „Aidacara“ fiel in Hamburg der Startschuss in die Kreuzfahrtsaison 2020. Am Abend soll das Schiff zur ersten Norwegenreise auslaufen. In deutschen Häfen wird 2020 wieder ein Rekord bei den Kreuzfahrtschiffen erwartet.

Frank Behling 08.02.2020

Alle fünf Jahre müssen Mieter tapezieren? Wer vorzeitig auszieht, muss die Kosten anteilig zahlen? Nicht alles, was man über Schönheitsreparaturen hört, stimmt. Was Mieter und Vermieter wissen müssen.

08.02.2020

Die Werft Nobiskrug hält an ihrem Ziel fest, noch in diesem Frühjahr wieder in die Gewinnzone zu kommen. Bei einer Betriebsversammlung hat am Freitag der Interims-Vorstand Johan Valentijn der Belegschaft die Lage geschildert.

Frank Behling 07.02.2020