Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Wirtschaft Urlauber-Magnet Schleswig-Holstein
Nachrichten Wirtschaft Urlauber-Magnet Schleswig-Holstein
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:00 23.08.2017
Von Heike Stüben
Foto: Schleswig-Holstein, das Land zwischen den Meeren, ist bei Touristen beliebt.
Schleswig-Holstein, das Land zwischen den Meeren, ist bei Touristen beliebt. Quelle: Ulf Dahl
Anzeige
Kiel

Absoluter Spitzenreiter im Norden war der Juni – mit einem Plus von mehr als 13 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Und in der Branche heißt es: Dieser Auftrieb wirkt auch im Juli und August weiter – Wetter hin oder her.

Hauptgewinner in Schleswig-Holstein waren im ersten Halbjahr die Campingplätze. Insgesamt gab es auf 273 Plätzen 9,3 Prozent mehr Übernachtungen – an der Nordsee und im Binnenland betrug der Anstieg sogar rund 14 Prozent. Bei den Hotels und der Gastronomie mit mehr als zehn Betten – dazu zählen auch Ferienwohnungen, Jugendherbergen, Erholungsheime und Rehakliniken – hatten die Betriebe an der Ostsee die Nase vorn (plus sechs Prozent Übernachtungen). Es folgten das Binnenland und die Nordsee.

Holsteinische Schweiz als Verlierer

Ein Minus von 2,4 Prozent musste hingegen die Holsteinische Schweiz verkraften. Möglicherweise spielt dabei die Landesgartenschau eine Rolle, die Eutin 2016 Aufschwung gab. Das machte die Holsteinische Schweiz in ersten Halbjahr 2017 statistisch zum Verlierer: gut sechs Prozent weniger Gäste, sieben Prozent weniger Übernachtungen. Doch es könnte nur ein Zwischentief sein: Im Juni kamen fast 17 Prozent mehr Gäste.

Ohnehin ist die Situation im Land unterschiedlich. Zu den Rennern gehören in diesem Jahr die Fahrradtouren mit Rundum-Service am Nord-Ostsee-Kanal: Die meisten Radfahrer starten die Tour in Brunsbüttel, um den Rückenwind zu nutzen, und fahren dann in drei, sechs oder zehn Tagen mit Abstechern den Kanal entlang, während das Gepäck von Unterkunft zu Unterkunft transportiert wird. „Wir haben ein Plus von 25 Prozent, und die Gäste lassen sich auch nicht vom Wetter abschrecken. Die Resonanz ist durchweg positiv, die Rückfahrt per Schiff mit großem Brunch die Belohnung“, erklärt Christiane Tepker von der Tourismusinformation Nord-Ostsee-Kanal.

Eckernförde ist Gewinner bei Tourismus

Zu den Gewinnern zählt auch Eckernförde mit fast zehn Prozent mehr Übernachtungen im ersten Halbjahr. „Unser Ferienort wird seit Jahren immer attraktiver und begehrter, obwohl das Wetter nicht so brillant war. Aber wir hören immer wieder, dass das durchmischte Wetter durch gute Angebote und freundliche Menschen wettgemacht wird.“ Stefan Borgmann, Geschäftsführer der Eckernförder Touristik und Marketing GmbH, ist auch für die Zukunft optimistisch. „Schon jetzt gibt es Buchungen, die für 2019 eingehen.“

Dass die Urlauber, die nach Schleswig-Holstein kommen, sich auf Wind und Wolken einstellen, bestätigt auch Marc Euler von der Tourismus- Agentur Schleswig-Holstein (Tash). „Wir haben die gesamte Werbung umgestellt, weg von den reinen Sonnenfotos hin zu authentischen Bildern aus dem Land. Und diese Ehrlichkeit wird von den Gästen außerordentlich honoriert.“

Trendige Hotels in Heiligenhafen

Besonders auffällig ist der Zuwachs in Heiligenhafen: 143 Prozent mehr Gäste, 124 Prozent mehr Übernachtungen im ersten Halbjahr. Das klingt nach einem Druckfehler, ist aber leicht zu erklären: Der Ostseeort profitiert von den zwei neuen trendigen Hotels „Bretterbude“ und „Beachmotel“. Zu den großen Gewinnern im ersten Halbjahr zählen auch Neumünster (19 Prozent mehr Übernachtungen), Kiel (8,6 Prozent), Sylt (neun Prozent) und Husum (zehn Prozent). In Büsum ist der Zuwachs zwar geringer, aber in den jüngsten Jahren insgesamt auffällig: 20 Millionen Euro wurden in die öffentliche Infrastruktur vor allem an der Wasserkante investiert. „Das hat Aufbruchstimmung ausgelöst – und 60 Millionen Euro an privaten Investitionen. Und wir sind noch nicht am Ende“, erklärt Tourismuschef Olaf Raffel. Büsum konnte dadurch seine Übernachtungszahlen seit 2011 von 1,3 auf 1,8 Millionen steigern.

Auch insgesamt entwickeln sich die Gästezahlen im Land kontinuierlich positiv – seit 2005 von fünf Millionen auf 7,35 Millionen im Jahr 2016. Für dieses Jahr hofft die Branche nun nach der sehr guten Halbjahresbilanz auf weiteren Zuwachs.

Jan von Schmidt-Phiseldeck 22.08.2017
22.08.2017