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Wirtschaft Von strahlendem Image weit entfernt
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20:10 14.11.2019
Von Ulrich Metschies
Er hielt die Ehre Schleswig-Holsteins beim Bundeswettbewerb in Kiel hoch: Nico Sebastian Zahnen, Inhaber der Gebäudereinigung „Saubervoll“. Am Ende machte jedoch ein Konkurrent aus Hessen das Rennen. Quelle: Frank Peter
Kiel

Wäre ihr Image so glänzend wie das Ergebnis ihrer Arbeit – die Welt der Gebäudereiniger wäre um einiges schöner. Doch die Branche kämpft gegen den Ruf an, mit schlecht bezahlten Putzjobs höchstens diejenigen hinter dem Ofen hervorzulocken, die für bessere Tätigkeiten nicht qualifiziert genug sind. Die Folge des Imageproblems: Die Branche – mit bundesweit 682000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern das beschäftigungsstärkste Handwerk – hat große Nachwuchssorgen.

Um zu zeigen, was Reiniger auf dem Kasten haben, sucht der Bundesinnungsverband einmal im Jahr den besten Gebäudereiniger der Republik. Oder die beste Reinigerin. Ausgetragen wurde der Bundesleistungswettbewerb diesmal in Kiel: Zwölf Nachwuchskräfte waren angetreten, um das ehrwürdige Opernhaus auf Hochglanz zu bringen. Mit dabei: Sebastian Nico Zahnen (28), Inhaber von „Saubervoll“ in Kiel – eines der bundesweit ersten veganen Gebäudereinigungsunternehmen: keine tierischen Produkte, keine Chemie aus Tierversuchen.

Reinigen, nicht putzen

„Wir putzen nicht, wir reinigen“ – dies ist die erste Botschaft, die man im Gespräch mit einem Gebäudereiniger mit auf den Weg bekommt. Tatsächlich kommt „putzen“ auch im Verständnis Zahnens einer Beleidigung gleich. „Was wir ausüben, ist ein technisch ausgefeiltes und hoch anspruchsvolles Handwerk“, sagt der leidenschaftliche Reiniger, der sein Sportstudium zugunsten der Ausbildung abbrach, um dann sein Unternehmen zu gründen.

Warum Reiniger? Zahnen lächelt und bereitet seine Teleskopstange (Neupreis 3800 Euro) für den Einsatz vor: „In diesem Beruf sieht man sofort den Erfolg.“ Erst schmutzig, dann sauber. Irgendetwas dazwischen könne es nicht geben – zumindest nicht für jemanden, dem die Berufsehre wichtig sei.

Gesellen treten in drei Disziplinen an

Aus ganz Deutschland sind die Top-Gesellinnen und -Gesellen (drei Frauen, neun Männer) nach Kiel gekommen. Begutachtet von einer sechsköpfigen Jury müssen sie sich in drei Disziplinen behaupten: Glas- und Fassadenreinigung, Teppichreinigung, Leuchtenreinigung.

Mit der Teleskopstange aus Karbonfaser, Bürstensystem und Zufuhr von entmineralisiertem Wasser (besonders gierig auf Schmutz, trocknet streifenfrei) reinigen Zahnen und die anderen Teilnehmer seiner Gruppe die fast 20 Meter hohe Glas-Eloxal-Fassade des modernen Gebäudeteils.

600 Quadratmeter sind zu bewältigen. Früher hätte man einen Hubwagen gebraucht, doch die Technik macht Fortschritte. Theoretisch könnten die Teleskopstangen bis zu 30 Meter weit ausfahren. Mit eleganten Wischbewegungen führt Zahnen die Bürste über die Fläche, während das Wasser am Glas entlang nach unten plätschert – frei von jeglicher Chemie.

Erzeugt wird das destillierte Wasser von einer Osmoseanlage mit Leitungswasseranschluss. Der Aufwand lohnt sich. „Die Fassade ist seit zehn Jahren nicht mehr gereinigt worden“, sagt Peter Hollmann, Jurymitglied und Gebäudereinigermeister aus Berlin. Beglückt schaut er zu, wie die Fläche Segment für Segment in neuem Glanz erstrahlt.

Reinigungsunternehmen beschäftigen rund 14.000 Mitarbeiter

Landesweit beschäftigt das Handwerk rund 14000 Mitarbeiter in knapp 50 Betrieben – vom Kleinunternehmen über Mittelständler bis zum Top-Trio: Spiegelblank, Bockholdt, Beyersdorf. Die Jobangebote auf deren Webseiten künden nicht nur von Fachkräfte-, sondern von Personalmangel. Doch selbst ein allgemeinverbindlicher Mindestlohn, der mit aktuell 10,56 Euro (West) um 15 Prozent über dem gesetzlichen liegt, kann nicht helfen.

Mit dem Wettbewerb will die Zunft auch auf die Vielfalt ihrer Dienstleistungen hinweisen – von der Büroreinigung über die Säuberung von Reinraumlaboren und Kliniken bis zur Reinigung der Tatorte von Gewaltverbrechen. Auch auf die Aufstiegschancen ist die Branche stolz: Es gibt die dreijährige Ausbildung, man kann studieren, zum Gebietsleiter aufsteigen oder sich selbständig machen. „Das Gebäudereinigerhandwerk bietet einen ganzen Strauß von Entwicklungsmöglichkeiten“, sagt Horst Albert, Geschäftsführer der Landesinnung Nord.

Zahl der unbesetzten Stellen in Schleswig-Holstein steigt

Leider sind die bei jungen Leuten noch nicht so angekommen. Auch in Schleswig-Holstein steigt die Zahl der unbesetzten Stellen. Laut Bundesarbeitsagentur können derzeit 248 Stellen nicht besetzt werden. Ende 2014 lag diese Zahl noch bei 81. „Wir könnten auf einen Schlag fünf Leute einstellen“, sagt Benjamin Stuß, Inhaber der Klefehn GmbH – mit Gründungsdatum 1905 nach eigenen Angaben das landesweit älteste Unternehmen der Branche. Als Folge des Personalmangels müsse auch sein Betrieb Aufträge ablehnen.

Perspektivisch jedoch könnte sich die Kräftenachfrage abschwächen. Denn die Zukunft der Gebäudereinigung ist digital: Getestet werden autonome Reinigungsroboter für Innenräume sowie Spezialroboter für die Krankenhausdesinfizierung, die Reinigung von Fassaden, Schächten, Kanälen und Solarflächen. Entwickelt werden auch Drohnen, die Fenster an Außenfassaden oder Schiffsrümpfe putzen – oder besser: reinigen.

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