Geldanlagen: Jugendlichen fehlt Wissen zu Finanzen
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20:22 27.12.2019
Von Jördis Früchtenicht
Wie sie das Geld aus dem Sparschwein am besten anlegen, wissen viele Jugendliche nicht. Eine Studie zeigt: Ihre Finanzbildung ist lückenhaft.
Wie sie das Geld aus dem Sparschwein am besten anlegen, wissen viele Jugendliche nicht. Eine Studie zeigt: Ihre Finanzbildung ist lückenhaft. Quelle: Peter Kneffel/dpa (Symbolbild)
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Kiel/Berlin

Geldgeschenke sind laut einer Comdirect-Studie aus diesem Jahr für 27 Prozent der Jugendlichen in Schleswig-Holstein eine Haupteinnahmequelle. Wohin die gesammelten Reichtümer einmal gehen sollen, wissen die Beschenkten auch schon: 31 Prozent können sich vorstellen, in Wertpapiere wie Fonds oder Aktien zu investieren, 27 Prozent in einen Bausparvertrag. Das Problem: Das Wissen um Finanzprodukte ist bei jungen Menschen in Deutschland lückenhaft.

In der Schulzeit ist das Interesse an Finanz- und Wirtschaftsthemen besonders ausgeprägt. Dennoch beschäftigen sich junge Menschen damit nur, wenn es einen konkreten Anlass gibt. „Aus der schlichten Notwendigkeit der Alltagsbewältigung heraus“, wie es in einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) heißt. Hauptgrund, sich mit seinen Einkünften auseinanderzusetzen: die anstehende Steuererklärung. Dahinter folgt die Altersvorsorge. Das von Banken und Versicherungen finanzierte DIA hat untersucht, wie die junge Generation zu mehr und besserem Wissen über Geldanlagen kommen könnte.

Apps, Freunde und Familien informieren Jugendliche zum Thema Finanzen

Woher die Jugendlichen aktuell ihr Wissen beziehen, ist unterschiedlich. Während für Befragte ohne Schulabschluss professionelle Informationsquellen und Apps mit je 32 Prozent weit vorne liegen, gehören Eltern nicht zu ihren Quellen. Für Schüler dagegen sind Eltern, Familie und Freunde die wichtigsten Ansprechpartner neben Apps.

Mit einer höheren Berufsausbildung steigt zudem das Interesse am Thema Finanzen. Befragte ohne Schulabschluss bringen dem Komplex hingegen keine besondere Aufmerksamkeit entgegen. „Jugendliche mit niedrigem Bildungsstand überschätzen sich selbst und bemerken ihre Wissenslücke nicht“, sagt Klaus Morgenstern vom DIA. So würden soziale Ungleichheiten manifestiert. „Über die Schule würde man die Jugendlichen am besten erreichen.“

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Doch Finanzunterricht ist Fehlanzeige. Nur ein Viertel der Jugendlichen zählt die Schule zu den bevorzugten Informationsquellen. Mit Blick auf die Qualität des vermittelten Finanzwissens erreichen Schulen sogar einen unrühmlichen Spitzenwert: 41 Prozent fühlen sich von ihnen schlecht informiert, im Vergleich zu 20 Prozent bei den anderen Quellen.

„Wissen über unser Wirtschaftssystem, die Grundlagen von Rentensystem, sozialer Marktwirtschaft sowie dem Finanzsystem sind Teil des Schulunterrichts“, erläutert Bildungsministerin Karin Prien (CDU). Ziel einer fundierten ökonomischen Bildung müsse die Diskursfähigkeit junger Menschen in politischen Debatten sein. „Es ist aber nicht Aufgabe des Schulunterrichts, die Auswahl von Handytarifen, Krankenversicherung oder Geldanlage zu lehren“, so Prien. Schule vermittele die nötigen Techniken, sich selbst Wissen anzueignen und Sachverhalte kritisch zu bewerten.

Lehrergewerkschaft GEW lehnt ein zusätzliches Schulfach ab

Die Lehrergewerkschaft GEW lehnt ein eigenes Schulfach Finanzbildung ab: „Es kann in der Schule nicht für jedes wichtige gesellschaftliche Thema ein Fach geben“, sagt Bernd Schauer, Geschäftsführer der GEW in Schleswig-Holstein. Ökonomischen Fragestellungen, auch des Alltags, würden zudem in den Fächern WiPo und Verbraucherbildung behandelt. „Vielleicht muss noch stärker darüber diskutiert werden, ob es ausreicht, was die Schule hier vermittelt.“ Banken und Versicherungen dürfe kein Raum für Lobbyarbeit gegeben werden.

„Die berufsbildenden Schulen und regionalen Bildungszentren im Land bieten bereits eine Finanzbildung an“, sagt Jan Oliver Schmidt vom Verband der Lehrerinnen und Lehrer an Berufsbildenden Schulen (VLBS). Grundsätzlich und insbesondere für die allgemeinbildenden Schulen stelle sich jedoch die Frage, ob mit einem Fach Finanzbildung wieder einmal eine neue Anforderung von außen an die Schule herangetragen werde, die nicht in ihren originären Aufgabenbereich falle.

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„Eine bundesweite Einrichtung von Finanzunterricht wäre gut, ist aber mit Blick auf das föderale Bildungssystem nicht realistisch“, sagt Morgenstern. Künftige Angebote zur Finanzbildung müssten breit gefächert sein, heißt es daher in der Studie. Der Vorschlag: Ein Internetportal, auf dem auch die Art der Vorliebe für die Wissensaneignung berücksichtigt werden kann. Also, ob die Informationen etwa durch Texte, Videos oder Grafiken vermittelt werden. So würden schlechte Entscheidungen vielleicht nicht verhindert, es wären aber zumindest informierte Entscheidungen.

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