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Wirtschaft Coops Zukunft heißt jetzt Rewe
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07:00 08.06.2016
Von Ulrich Metschies
Als Lebensmittelläden noch Verteilstelle hießen: Der "Allgemeine Konsumverein für Kiel und Umgegend", vor 117 Jahren gegründet, war der Vorläufer von Coop. Quelle: Martin Geist
Kiel

Das geplante Gemeinschaftsunternehmen unter Führung von Rewe werde seinen Sitz in Kiel haben. „Alle Beschäftigungsverhältnisse gehen nach Paragraf 613 a BGB auf das Gemeinschaftsunternehmen über.“ Wie berichtet, will die nach eigenen Angaben größte Konsumgenossenschaft Deutschlands ihr gesamtes operatives Geschäft, also auch den Betrieb der rund 200 Märkte („Sky“, Plaza-Bau- und Gartencenter), in das Joint-Venture einbringen.

Dies, so Tygges, bedeute jedoch nicht, dass Coop künftig aus der Kölner Rewe-Zentrale heraus gesteuert werde: „Für das operative Geschäft bleibt das Management in Kiel zuständig.“ Durch die Partnerschaft mit Rewe sichere sich die Coop die „besten Einkaufskonditionen“, die die Rewe zu bieten hat. Tygges betonte: „Wir werden unsere frischen Lebensmittel auch weiterhin in unmittelbarer Nachbarschaft einkaufen und auch Aufträge an Unternehmen in der Region vergeben.“

Rewe ist mit einer stillen Beteiligung bei den Kielern bereits seit 2007 an Bord. Dass es nun zu einer Teilübernahme durch die Kölner kommt, ist nach Informationen der Kieler Nachrichten auch Bankverbindlichkeiten in dreistelliger Millionenhöhe geschuldet. Ein Konsortialkredit in entsprechender Höhe stünde noch in diesem Jahr zur Verlängerung an. Tygges betonte, nach dem Einstieg von Rewe werde die Coop eG schuldenfrei sein.

Als relativ kleiner Player hat Coop mit dem harten Wettbewerb im Lebensmittelhandel erheblich zu kämpfen. Durch den Verkauf von Grundstücken und die Aktivierung von Markenrechten („Unser Norden“) in der Bilanz hatte das Unternehmen in erheblicher Höhe außerordentliche Erträge generiert. Dabei, so der Vorstand, habe es sich in keiner Weise um „Bilanztricks“ gehandelt. „Um den umfangreichen Erneuerungsprozess von 2003 bis 2009 zu unterstützen, hat man stille Reserven genutzt.“ Dies sei in voller Transparenz und in Kenntnis der Mitglieder und Vertreter geschehen. Durch die Partnerschaft mit Rewe erhalte das Unternehmen die Mittel, um sein Filialnetz auch künftig permanent zu modernisieren. Zum Verlauf des vergangenen Geschäftsjahres wollte Tygges keine Angaben machen, Zahlen sollen auf der Vertreterversammlung Ende Juni veröffentlicht werden. Laut „Lebensmittelzeitung“ jedoch ist für 2015 von Verlusten in zweistelliger Millionenhöhe die Rede.

Die Gewerkschaft Verdi sieht Rewe zwar durchaus als guten Partner für Coop, sorgt sich aber dennoch um die Zukunft des Standortes Kiel – nicht zuletzt, weil der Kölner Handels- und Touristikkonzern den Sitz der Rewe Nord von Norderstedt nach Henstedt-Ulzburg verlegen will. Dort plant Rewe direkt am Autobahnzubringer den Bau eines neuen Verwaltungsgebäudes und bis 2025 auch ein Logistikzentrum. Insgesamt sollen fast 1000 Arbeitsplätze entstehen. Verdi-Sprecher Frank Schischefsky: „Für Kiel mache ich mir langfristig schon Sorgen.“ Das Unternehmen müsse deutlich machen, wo die Reise hingehe und für die Mitarbeiter Arbeitsplatzsicherheit gewährleisten.

Noch hat das Bundeskartellamt über den Rewe-Einstieg nicht entschieden. Brancheninsider gehen davon aus, dass der Deal aufgrund der großen Marktmacht von Rewe mit seinem Discounter Penny nur unter Auflagen genehmigt wird. Und das könnte auch die Schließung von Märkten bedeuten.

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