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Wirtschaft Schock für die Ostseefischer
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07:16 03.06.2016
Von Ulf Billmayer-Christen
Bedrohter „Brotfisch“ in der westlichen Ostsee: der Dorsch. Quelle: Christoph Rohde
Kiel

„Das ist eine Katastrophe, weil fast alle Kutterbetriebe vom Dorsch leben“, erklärt der Vize-Chef des Landesfischereiverbandes, Björn Schmöde. Auch bei der Landesregierung schrillen die Alarmglocken: „Die Situation ist ohne Zweifel existenziell“, sagt Umweltminister Robert Habeck (Grüne). Wahrscheinlich seien staatliche Hilfen für Fischer nötig.

 Grund für die Krisenstimmung ist der Quoten-Vorschlag des „Internationalen Rats für Meeresforschung“ (ICES), an dem sich die EU-Kommission bei der Festlegung der Fangmengen traditionell orientiert. Die Experten aus Kopenhagen empfehlen in ihrer in dieser Woche veröffentlichen Studie, den Dorschfang „aus rein bestandsbiologischen Gründen“ im kommenden Jahr in der gesamten westlichen Ostsee vor derzeit mehr als 40000 Tonnen auf nur noch 4100 Tonnen zu beschränken. Von dieser Fangmenge, die sich Fischer in Dänemark, Schweden, Polen und Deutschland teilen müssen, sollen pauschal 2500 Tonnen abgezogen werden – für den Dorsch, den Freizeitfischer aus der Ostsee angeln. Unter dem Strich blieben damit nach Rechnung des Umweltministeriums für die deutschen Ostseefischer nur 360 Tonnen übrig. Das wären 15 Prozent der jetzigen Fangmenge.

 „Das bricht den Fischern das Genick“, warnt Schmöde. Der Dorsch sei für mehr als 90 Prozent der Mitglieder des Fischereiverbandes der „Brotfisch“. Im Verband sind 50 bis 60 Kutterbetriebe und rund 200 Nebenwerbsfischer organisiert. Bei der „Fischverwertung Kieler Förde“ mit Sitz in Heikendorf sind 22 Betriebe betroffen.

 Etwas besser als etwa vor den Küsten Schleswig-Holsteins geht es dem Dorsch in der östlichen Ostsee. Dort soll die Fangquote laut ICES um 40 Prozent gesenkt werden. Andere Fischarten sind weniger bedroht. So schlagen die Meeresforscher vor, die Fangquoten für Scholle, Hering oder Sprotte anzuheben. „Das ist eine gute Nachricht“, meint Schmöde. Den Dorschfischern würde das aber nicht helfen. Sie könnten zwar auf andere Arten umstellen, kämen dann aber etwa den Heringsfischern mit deren Quoten ins Gehege. „Die Erwerbsbetriebe müssen sich 2017 auf empfindliche Umsatzeinbußen einstellen“, bilanziert Habeck. „Dies wird mit Sicherheit zu einer existenziellen Notlage zumindest bei einem Teil der Betriebe führen.“ Deshalb will er spätestens im Sommer, wenn die EU sich mit den Quoten befasst hat, Haupt-, Nebenerwerbs- und Freizeitfischer an einen Tisch holen. „Wir müssen überlegen, wie man die Lasten gleichmäßig verteilt“.

Auch Nordseekrabben werden knapp

Nordseekrabben sind derzeit knapp und teuer. Die Fischer im Wattenmeer finden aktuell nur wenig Garnelen in ihren Netzen. „Die Krabben-Knappheit ist jahreszeitlich bedingt“, sagte der Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft der Deutschen Krabbenfischerei, Dirk Sander, am Donnerstag in Cuxhaven. Die großen Krabben vom vergangenen Winter seien nicht mehr da, die neue Generation müsse noch wachsen. „Von Anfang Mai bis Mitte Juli ist immer eine flaue Zeit“, sagte Sander. „Das ist Natur, da können wir nichts machen.“

Großhändler bezahlen den Fischern aktuell knapp elf Euro pro Kilogramm gepulter Krabben, wie Sander sagte. Feinschmecker müssen für ein Krabbenbrötchen zum Teil bis zu 9,50 Euro hinlegen. Zuvor hatte das „Hamburger Abendblatt“ darüber berichtet. Hauptfangsaison der Nordseekrabbe (Crangon crangon) ist der Herbst.

Umweltminister Robert Habeck hat am Donnerstag in Bad Oldesloe Streckenabschnitte der geplanten Ostküstenleitung vorgestellt, die für eine Erdverkabelung infrage kommen.

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