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Wirtschaft GES vor ungewisser Zukunft
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10:00 02.08.2019
Von Ulrich Metschies
Premiere 2008 in Plön: Zum Global Economic Symposium kamen hunderte Experten aus der ganzen Welt. Heute ist der Rahmen deutlich bescheidener. Quelle: aug: Michael August
Kiel.

Es ist ein großer Name, mit dem das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) und auch die Stadt Kiel seit Jahren werben: Global Economic Symposium. Als das GES 2008 das Licht der Welt erblickte, hatte sein Erfinder, der langjährige IfW-Präsident Prof. Dennis Snower keinen geringeren Anspruch, als eine internationale Elite aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zusammenzubringen, um gemeinsam Lösungen zu finden für die großen Probleme der Welt. Kiel, ein zweites Davos

Das GES gastierte auch in Rio und Kuala Lumpur 

Anfangs schien es, als würde die Reise in diese Richtung gehen. Inzwischen hat das GES deutlich bescheidenere Dimensionen: Aus dem mehrtägigen Treffen von mehr als 400 renommierten Funktionsträgern, Experten und Führungskräften im Plöner Schloss und im Kieler Atlantic, mit Gastspielen in Rio, Istanbul und Kuala Lumpur, ist eine eintägige Wirtschaftskonferenz mit rund 150 Teilnehmern geworden, die eingebunden ist in das Programm der Digitalen Woche Kiel.

Der regionalen Wirtschaft war der Anspruch zu abgehobem

Geschrumpft und regional geworden ist das GES nicht nur aufgrund der hohen Kosten. Unter den Sponsoren, darunter die Wirtschaft vor Ort, wuchs die Unzufriedenheit mit dem globalen Anspruch, der manchem Mittelständler doch etwas abgehoben vorkam. Das Mini-GES, erstmals 2017 getestet, kommt hingegen gut an: „Wir haben sehr positive Rückmeldungen“, sagt IfW-Pressesprecher Guido Warlimont

Das geschrumpfte GES kommt gut an

Die Unterstützung des „GES Kiel“, etwa durch die Industrie- und Handelskammer und die „starke Resonanz trotz vieler hochkarätiger Konkurrenzangebote während der Digitalen Woche“ zeigten, dass das Format von der Wirtschaft als nützlich anerkannt werde. Die Kombination einer globalen Perspektive, die das IfW Kiel einbringe, mit regionalen Sichtweisen aus der hiesigen Wirtschaft und Politik „hat sich für die Teilnehmer als gewinnbringend gezeigt“.

Die Themen bleiben anspruchsvoll

Anspruchsvoll bleiben die Themen des GES auch im geschrumpften Rahmen: „Globalisierung im digitalen Zeitalter“ lautet die Überschrift der Konferenz am 10. September. Was sind die globalen Handelstrends? Auf welche Regionen der Welt werden sich die Veränderungen am stärksten auswirken? Wie kann Schleswig-Holstein die Chancen der Digitalisierung am besten nutzen und die Risiken möglichst gering halten? Über diese Fragen werden Experten internationaler Handelsorganisationen, regionale Unternehmer und Wirtschaftsvertreter wie der Kieler IHK-Präsident Klaus-HinrichVater diskutieren. Dabei sein wird aber auch der Mann, der entscheiden muss, wie es langfristig mit dem GES weitergeht: der neue IfW-Präsident Gabriel Felbermayr. Er hat dem Institut einen Strategieprozess verordnet, in dem auch sämtliche Veranstaltungsformate auf den Prüfstand gestellt werden. „Entscheidungen über die künftige Ausrichtung unserer Veranstaltungen werden erst nach Abschluss dieses Prozesses am Jahresende gefällt und erst nach Abstimmung mit unseren Partnern“, so das Institut. „Mindestens für dieses Jahr“, werde beim GES Kiel alles bleiben wie bisher.

Ob es das GES 2020 noch gibt, ist fraglich

Noch schwieriger als die Zukunft des GES lässt sich einschätzen, wie Digitalisierung und Automatisierung Deutschland und Schleswig-Holstein langfristig treffen. „Das können wir derzeit kaum seriös voraussehen“, sagt Felbermayr und verweist auf Studien, der OECD, wonach 55 Prozent der Industrie-Jobs im Prinzip automatisiert werden können. „Aber was technisch möglich ist, muss nicht unbedingt ökonomisch sinnvoll sein“, so der IfW-Chef. Und Deutschland habe einen großen Vorteil, der das Land gegen solche strukturellen Verwerfungen widerstandsfähiger mache: sein duales Ausbildungssystem: „Damit können Fachkräfte besser auf technische Veränderungen vorbereitet werden, und das Land und seine Wirtschaft können sich schneller auf technologischen Wandel einstellen.“ Was gerade Schleswig-Holstein benötige, sei eine kluge Wirtschaftsförderung: „Also Technologiepolitik und Standortpolitik, die für alle Branchen und Unternehmensgrößen gleichermaßen gilt – und keine Industriestrategie, die „nationale Champions“ fördere.

Die Politik, so Felbermayr, müsse die Standards für alle Akteure verbessern: mehr Forschungsförderung, die steuerliche Gleichbehandlung von Eigen- und Fremdkapital und eine bessere Förderung von Kapitalgebern für Start-ups, „damit die nicht nach drei Jahren in die USA verschwinden und mit Geld aus dem Silicon Valley expandieren“.

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