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Nachrichten Wirtschaft Erste Öko-Lok aus Kiel ist fertig
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10:26 06.06.2019
Von Ulrich Metschies
In Kiel entwickelt, in München präsentiert: Die erste Speicher-Hybrid-Lokomotive von Toshiba für den europäischen Markt. Quelle: Kieler Wirtschaftsförderung
Kiel

Sie ist knallrot, 1500 PS stark und extrem abgasarm. Und sie wurde an der Förde gebaut: Die erste Kieler Lok mit Speicher-Hybrid-Antrieb ist fertig. In diesen Tagen präsentiert der japanische Toshiba-Konzern das Öko-Kraftpaket, das sowohl mit Diesel als auch mit Strom aus Akku und Oberleitung fahren kann, auf der Branchenleitmesse Transport Logistic in München.

Geplant ist ein Zentrum für Eisenbahntechnik

Mit dem Projekt sind große Pläne verbunden. So will Toshiba am Standort Kiel-Friedrichsort in der ehemaligen Halle 56 des Lokbauers Vossloh ein Zentrum für Eisenbahntechnik etablieren, in das mehrere Zulieferer sowie als gewichtigster Partner die Kieler Werft TKMS eingebunden sind. Die Hightech-Lok war auf Basis eines Großauftrages der Bahntochter DB Cargo speziell für den europäischen Markt entwickelt worden. Dazu hatte sich die Toshiba Rail Germany GmbH 2016 mit anfangs 30 Mitarbeitern in der Diedrichstraße im Kieler Stadtteil Gaarden niedergelassen. Die finalen Arbeiten am Prototyp waren jedoch bereits in Friedrichsort erfolgt. Nach wie vor offen ist allerdings, wie die Arbeitsteilung der konkurrierenden Standorte Kiel und Rostock beim Bau der Fahrzeuge aussehen wird. Die Verhandlungen darüber befinden sich nach Informationen der Kieler Nachrichten in der entscheidenden Phase. Entsprechend groß ist die Anspannung bei allen Beteiligten.

DB Cargo macht sich für Rostock stark

Wie berichtet, drängt die Bahn hinter den Kulissen darauf, möglichst viel Wertschöpfung nach Rostock zu holen, um die Auslastung ihres dortigen Ausbesserungswerkes im Stadtteil Krummendorf langfristig zu sichern. In Kiel gibt man sich jedoch weiter zuversichtlich, einen großen Teil des Projektes an die Förde holen zu können. Heute wird Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) zur Messe fahren, um Flagge zu zeigen. Sowohl die Stadt als auch die Landespolitik hatten in der Vergangenheit immer wieder auf die Qualitäten des Bahntechnikstandortes Kiel verwiesen. „Kiel ist mit seiner Bahntradition auch für die Zukunft kraftvoll aufgestellt“, sagt Werner Kässens, Chef der Kieler Wirtschaftsförderungsgesellschaft KiWi. An der Förde könne „die gesamte Wertschöpfungskette von der Produktion über die Fachkräfte bis hin zu den Innovationen aus den Hochschulen abgebildet werden.“

Prototyp wurde in Friedrichsort fertiggestellt

Wie berichtet, will die Landeshauptstadt das ehemalige MaK-Gelände in Kiel vom Immobilien Unternehmer Jürgen B. Harder kaufen, um dort ein modernes Industriegebiet zu entwickeln. Damit Toshiba mit seinen Partner dort jetzt schon loslegen kann, wird die KiWi die ehemalige Vossloh-Halle zunächst anmieten und an die Japaner und andere beteiligte Unternehmen untervermieten.

Das finanzielle Volumen geht in den Milliardenbereich

Dass sowohl Kiel als auch Rostock so vehement um die Serienfertigung der Toshiba-Lok kämpfen, liegt auch an der schwindelerregenden Größenordnung des imageträchtigen Geschäftes. Denn es geht nicht nur um die 100 fest bestellten Fahrzeuge im Wert von rund 260 Millionen Euro, sondern auch um Optionen über weitere 260 der abgasarmen Güter- und Rangier-Lokomotiven. Das finanzielle Gesamtvolumen des Projektes geht in den Milliardenbereich

Das ist die „HDB 800“

Mit der „HDB 800“ präsentiert der japanische Toshiba-Konzern seine erste Speicher-Hybrid-Lokomotive für den europäischen Markt. Das Besondere an der 1500 PS starken Kurzstrecken- und Güterlok, die auf dem japanischen Markt bereits unterwegs ist: Sie verfügt über eine sehr umweltschonende Antriebstechnologie. Der extrem starke Akku kann nicht nur per Oberleitung oder Dieselmotor aufgeladen werden, sondern auch über die Umwandlung von Bremsenergie. Durch diese Technik sollen die Fahrzeuge 50 Prozent weniger Treibstoff verbrauchen und 70 Prozent weniger Abgase erzeugen. Toshiba zählt zu den größten Elektronik-Konzernen der Welt. Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima war das Unternehmen von seiner Nuklearsparte in eine tiefe Krise gerissen worden

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