Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Wirtschaft Saudis wollen U-Boote aus Kiel
Nachrichten Wirtschaft Saudis wollen U-Boote aus Kiel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:00 04.11.2013
Von Frank Behling
Ein U-Boot der Klasse 209 - für diesen Typ interessiert sich jetzt Saudi-Arabien. Quelle: FB
Kiel

Die Boote für Saudi-Arabien sollen nach Informationen der Kieler Nachrichten alle bei HDW in Kiel (seit Januar offiziell: ThyssenKrupp Marine Systems) gebaut werden. Sollte aus der Anfrage tatsächlich ein Auftrag werden, wäre der Bau im Anschluss an die derzeit in der Produktion befindlichen Aufträge aus Deutschland, Israel, Ägypten und Kolumbien ab 2016 möglich. Die Werft selbst äußerte sich zu diesen Meldungen nicht. Dort verweist man auf die strengen Geheimhaltungsvorschriften zu Rüstungsexporten.

 Die Nachricht platzt mitten in die Koalitionsverhandlungen von Union und SPD, bei denen der Umgang mit Rüstungsexporten ein Streitpunkt ist. Die SPD tritt für verschärfte Exportregeln ein. Saudi-Arabien ist als Käufer deutscher Rüstungsgüter wegen der Menschenrechtslage in dem autokratisch regierten Königreich umstritten.

 „Die Anfrage zeigt, dass sich die Saudis für das beste Produkt im Markt entschieden haben“, sagt CDU-Verteidigungsexperte Ingo Gädechens. Es müsse aber sichergestellt werden, „dass die U-Boote zum Schutz und der Verteidigung dieses Landes und nicht zu einer Bedrohung für andere Nationen eingesetzt werden“. Der Kieler SPD-Bundestagsabgeordnete Hans-Peter Bartels ist strikt gegen den Verkauf: „Saudi-Arabien kommt für Rüstungsexporte überhaupt nicht in Frage. Wenn die Bundesregierung ihren eigenen Menschenrechtsbericht lesen würde, dürfte sie auch zu keinem anderen Entschluss kommen“, sagt Bartels. „Das Land spielt eine sehr zweifelhafte Rolle bei der Unterstützung des islamistischen Terrors. An so einem Kunden kann auch ThyssenKrupp kein echtes Interesse haben.“

 Saudi-Arabien will die fünf U-Boote als Gegengewicht zu der mit russischer Hilfe stetig wachsenden Zahl iranischer U-Boote erwerben. Russland beliefert den Iran seit Anfang der 90er Jahre mit U-Booten und entsprechender Technologie. Die Golfanrainer Bahrain, Kuwait und die Vereinigten Emirate sowie Indien und Pakistan sind seit Jahren an konventionellen U-Booten aus Deutschland interessiert. Die Emirate haben bereits Gespräche über die Kooperation bei der Ausbildung von U-Bootbesatzungen mit der Deutschen Marine geführt. Da Saudi-Arabien derzeit weder U-Boote noch erfahrene Soldaten für solche Boote hat, käme neben dem Bau auch ein Ausbildungsauftrag hinzu. Diese Ausbildung würde in Eckernförde erfolgen.

 Kommentar Seite 2

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!