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Wirtschaft Reeder bangen um deutsche Schifffahrt
Nachrichten Wirtschaft Reeder bangen um deutsche Schifffahrt
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12:00 03.07.2018
Von Ulrich Metschies
Foto: Lange schon zählt Hamburg zu den weltweit wichtigsten Standorten im Chartergeschäft für Containerfrachter. Diese Position ist aber bereits ausgehöhlt und könnte durch den Verkauf weiterer Schiffe ins Ausland weiter leiden.
Lange schon zählt Hamburg zu den weltweit wichtigsten Standorten im Chartergeschäft für Containerfrachter. Diese Position ist aber bereits ausgehöhlt und könnte durch den Verkauf weiterer Schiffe ins Ausland weiter leiden. Quelle: Axel Heimken/dpa
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Hamburg/Kiel

Der Verkauf der HSH Nordbank lässt Reeder und Schiffsmakler um die Zukunft des maritimen Standortes Deutschland bangen. „Wir erwarten, dass allein im Zusammenhang mit dem Eigentümerwechsel bei der HSH Nordbank rund 450 weitere Schiffe verkauft werden könnten“, sagt Alfred Hartmann, Präsident des Verbandes Deutscher Reeder (VDR).

Sollten diese Schiffe ins Ausland gehen, bedeute dies einen Aderlass für die gesamte Branche. Auch die Vereinigung Hamburger Schiffsmakler und Schiffsagenten (VHSS) schlägt Alarm. „Jedes Schiff, das ins Ausland verkauft wird, bedeutet weniger Wertschöpfung in Deutschland.“

Reeder kauften 2008 zu viele Schiffe

Das Problem ist nicht neu, verschärft sich aber nun: Deutsche Reeder haben in den Boomjahren der Schifffahrt bis zum Jahr 2008 zu viele Schiffe gekauft. Durch die Überkapazitäten am Markt und rückläufige Wachstumsraten im Welthandel verfielen die Fracht- und Charterraten, die Preise für den Schiffstransport.

Viele Schiffe konnten Zins und Tilgung nicht mehr erwirtschaften, Reeder und Schiffsbanken verloren Milliarden. Schiffe wurden stillgelegt, verschrottet oder ins Ausland verkauft. Die deutsche Handelsflotte, die 2011 in der Spitze 3784 Schiffe umfasste, schrumpfte bis Mitte 2017 auf 2720 Schiffe.

HSH Nordbank: Keine Bestätigung für Verkauf von Schiffen

Die HSH Nordbank will einen Verkauf von 450 Schiffen nicht bestätigen. Tatsache ist jedoch, dass die Bank im Zuge des eigenen Verkaufs an Finanzinvestoren unter Führung der US-Hedgefonds Cerberus und Flowers ein Milliarden-Portfolio von Schrottkrediten, hinter dem mehrere hundert Schiffe stehen, an eine Zweckgesellschaft abtreten wird, die den neuen Bankeigentümern gehört.

Das Umfeld, diese Frachter an zahlungskräftige Investoren aus China, Singapur oder den USA zu verkaufen, ist günstig: Nach annähernd einer Dekade Talfahrt zeigt der Schifffahrtsmarkt seit Herbst vergangenen Jahres spürbare Zeichen einer Erholung.

Lesen Sie auch: Das Multimedia-Dossier zur HSH Nordbank

03.07.2018
Florian Hanauer 03.07.2018