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Wirtschaft Spitzenmanager Grimm geht
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10:00 26.06.2019
Von Ulrich Metschies
Gehen bald getrennte Wege: HaGe-Vorstände Markus Grimm (links) und Henrik Madsen. Quelle: Sven Janssen
Kiel

Agrarexperte Markus Grimm (46) wird den Landhandelskonzern (Jahresumsatz: 2,1 Milliarden Euro) zum 30. Juni verlassen. Die Spitzenposition wird nicht wieder besetzt. Künftiger Alleinvorstand ist der Däne Henrik Madsen. Damit baut der Mehrheitsgesellschafter DLG (Kopenhagen) seinen Einfluss bei der HaGe weiter aus.

Grimm will sich "neuen Herausforderungen stellen"

Nach 20 Jahren in unterschiedlichen Funktionen im HaGe-Konzern, davon sieben Jahre als Vorstandsmitglied, „möchte Markus Grimm sich neuen Herausforderungen im Bereich des Agribusiness stellen“, heißt es in einer gestern veröffentlichen Mitteilung. Grimm werde dem Unternehmen jedoch bis Ende des Jahres „beratend zur Verfügung stehen“.

Wirtschaftlich wird die HaGe kräftig durchgeschüttelt

Die HaGe wird seit Jahren kräftig durchgeschüttelt – Umsatz- und Ergebnisentwicklung hinken den Erwartungen hinterher. Der Druck auf die Landwirtschaft, den Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren, nagt empfindlich am Kerngeschäft. Hinzu kommen immer mehr Extremwetterlagen, die die Ernteerträge schmälern. Nachdem schon das Geschäftsjahr 2018 als Folge der Dürre einen Ergebniseinbruch gebracht hatte – der Vorsteuergewinn schmolz von 26,6 auf 7,4 Millionen Euro zusammen – erwartet der Konzern auch „ein schwächeres Jahr 2019“. Mit tiefgreifenden Strukturanpassungen, Personalabbau und Standortschließungen, hatte die HaGe auf die Marktveränderungen reagiert, heute sieht sich das Unternehmen „als hoch spezialisierten und bundesweit agierenden Agrarhändler gut aufgestellt“.

Ungemach droht auch durch ein Kartellverfahren

Doch Ungemach drohen auch von anderer Seite: Wegen des Verdachts auf verbotene Preisabsprachen im Großhandel mit Pflanzenschutzmitteln ermittelt das Bundeskartellamt auch bei der HaGe und deren Tochter BSL. Zuständig für diesen Bereich bislang: Markus Grimm. Auf die Frage, ob das Kartellverfahren eine Rolle beim Ausscheiden Grimms spielt, wollte sich das Unternehmen nicht äußern. Keinerlei Aussage auch dazu, in welcher Höhe das Unternehmen mit Blick auf eine mögliche Kartellstrafe Vorsorge getroffen hat.

Offiziell gibt es nur warme Worte

Offiziell gab es für den langjährigen Spitzenmann nur warme Worte: Grimm habe „durch sein tiefes Verständnis der Branche, kombiniert mit seiner Persönlichkeit maßgeblich dazu beigetragen, dass die HaGe heute als eines erfolgreichsten Agrarhandelsunternehmen in Deutschland wahrgenommen werde“, so Aufsichtsratschef Kristian Hundebøll. Insider jedoch bedauern, dass die HaGe nicht nur einen wichtigen Know-how-Träger verliert, sondern auch sein regionales Gesicht.

Dänen und Schweden halten 95 Prozent

2005 und 2006 waren die dänische DLG-Group und die schwedische Lantmännen als Gesellschafter bei der HaGe eingestiegen und hatten ihren Aktienanteil auf knapp 95 Prozent aus (DLG: 54,50, Lantmännen: 40,83), nur knapp fünf Prozent sind im Streubesitz. Die HaGe beschäftigt insgesamt 1400 Mitarbeiter, rund 800 davon in Schleswig-Holstein. Das Unternehmen betreibt Agrarhandel mit Landwirten in Schleswig-Holstein und den ostdeutschen Ländern. Im Großhandel bedient die HaGe über die BSL den gesamten deutschen Markt mit Dünger, Pflanzenschutzmitteln und Saatgut. Mit Umschlagsanlagen in Hamburg, Rostock und Kiel wickelt die HaGe einen großen Teil der deutschen Getreideexporte in nicht EU-Staaten ab.

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