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Nachrichten Wirtschaft Eine Katastrophe für die Berufsfischer
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22:03 11.10.2016
Von KN-online (Kieler Nachrichten)
Die Netze von Randy Repenning aus Strande werden künftig weniger gefüllt sein. Berufsfischer können 2017 in der westlichen Ostsee nur noch 1194 Tonnen Dorsch fangen, im Osten 2820 Tonnen. Während der Laichzeit (Februar und März) dürfen sie statt sechs jetzt acht Wochen lang nicht auf Dorschfang gehen. Quelle: Sven Janssen
Kiel

Er befürchtet, dass dies für viele Berufsfischer das Aus bedeuten könnte.

Die EU-Fischereiminister hatten sich am späten Montagabend in Luxemburg auf Fangmengen für die Ostsee im nächsten Jahr geeinigt. Im Westen sinkt die Fangmenge für die deutschen Fischer um 56 Prozent im Vergleich zu 2016, in der östlichen Ostsee um 25 Prozent. Der Wissenschaftliche Rat für Meeresforschung (ICES) hatte wegen der schlechten Bestandsentwicklung sogar eine Reduzierung um 88 Prozent gefordert. Freizeitfischer, die zuletzt ähnlich viel Dorsch aus der Ostsee holten wie Berufsfischer, dürfen in der Laichsaison im Februar und März höchstens drei Dorsche pro Tag angeln, im Rest des Jahres fünf. Berufsfischer dürfen während der Laichzeit in der westlichen Ostsee statt sechs jetzt acht Wochen lang keinen Dorsch fangen.

 Fischer Randy Repenning aus Strande zeigte sich etwas erleichtert, dass die Fangmengen nicht ganz so hoch wie erwartet reduziert wurden. „Trotzdem ist es für uns eine Katastrophe. Ich hoffe nur, dass auch die kleinen Betriebe bei der Verteilung der Subventionen berücksichtigt werden“, sagte er. Wenig erfreut äußerte sich auch Fischer Leif Rönnau aus Stein. Ihm wäre ein völliges Fang- und Angelverbot während der Laichzeit mit Entschädigungen lieber gewesen. „Damit hätten wir den Bestand wirklich geschont.“ Björn Fischer (Möltenort) hat „richtig Schiss vor dem nächsten Arbeitsjahr“.

 Umweltverbände und auch der Kieler Fischereibiologe Rainer Froese (Geomar) kritisierten die Einigung als ungenügend. Die jetzt beschlossenen Kürzungen reichten nicht aus, damit sich der vor dem Kollaps stehende westliche Dorsch von der Überfischung erhole. „Ich mache mir große Sorgen, dass wir den Bestand bald ganz verlieren.“

 Dagegen sprach der Direktor des Thünen-Instituts für Ostseefischerei in Rostock, Christopher Zimmermann, von einem tragbaren Kompromiss. Es sei positiv, dass erstmals auch Freizeitfischer Obergrenzen bekämen. So würden die Lasten verteilt. Mit der Quote auf Berufs- und Freizeitfischerei zusammen, komme die EU in die Nähe der ICES-Empfehlung von 88 Prozent. Aus Sicht von Fischereiminister Robert Habeck (Grüne) hat die Entscheidung Licht und Schatten. Die Kürzung sei trotz der Härten für die Fischer erforderlich, um die Bestände zu schonen, sagte Habeck.

 Für Dieter Bohn, Geschäftsführer des Landessportfischerverbands Schleswig-Holstein, ist das Ergebnis akzeptabel. „Wir Angler wollen ja schließlich auch, dass der Dorsch überlebt und sich die Bestände wieder erholen.“ Jetzt komme es darauf an, wie sich der Jahrgang 2016 tatsächlich entwickelt hat. Erste Anzeichen sprechen dafür, dass er nicht so schwach sein wird wie im Jahr 2015, so Zimmermann. „Aber das hatten wir in unseren Berechnungen sowieso eingeplant.“ Belastbare Zahlen liegen den Wissenschaftlern erst im Frühjahr 2017 vor.

 Ulrike Rodust (SPD), schleswig-holsteinische Fischereiexpertin im EU-Parlament, ist froh, dass es mit dem im Sommer verabschiedeten Ostseemanagementplan die Möglichkeit gibt, die Fischer in dieser schwierigen Situation zu unterstützen. „Die Bereitschaft dafür ist da, die finanziellen Mittel auch“, sagte sie. Das sei ein zentrales Ergebnis der Runden Tische zur Zukunft der Ostseefischerei gewesen.

 Von Sven Hornung und Jan v. Schmidt-Phiseldeck

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