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Wirtschaft Kreuzfahrt mit Batterie und blauem Auge
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22:42 12.07.2019
Von Frank Behling
Der neue Hybrid-Kreuzfahrer "Roald Amundsen" bei der Premiere auf der Elbe. Quelle: Frank Behling
Hamburg

„Wir sind auf eine intakte Natur angewiesen. Deswegen wollen wir die Natur schützen“, sagt Kapitän Kai Albrigtsen. Der 53-jährige Norweger ist Kapitän der „Roald Amundsen“.

Wenige Tage nach der Indienststellung machte er jetzt mit seinem Schiff in Hamburg fest. Am Kreuzfahrtterminal in Altona präsentierte die norwegische Portschiff-Reederei Hurtigruten ihren Neubau.

Kanadische Batterien für weniger Emissionen

Die in Tromsö beheimatete „Roald Amundsen“ ist das erste von drei Schiffen dieser Art. Die norwegischen Schiffbauer der Kleven Werft in Ulstein haben zusammen mit dem britischen Technologiekonzern Rolls-Royce das Konzept entworfen. Die komplexe Technik verzögerte die Fertigstellung dabei mehrfach.

Ein Teil des Antriebssystems sind zwei Batterie-Blöcke der kanadischen Firma Corvus, die hinter dem Maschinenraum angeordnet sind. Bis zu 3,6 Megawatt Leistung können die Batterien zur Verfügung stellen. „Damit kann man das Schiff auch für eine kurze Zeit antreiben“, sagt Chief-Ingenieur Jan Andreas Grönas.

Reichweite soll noch gesteigert werden

Die installierten Batterien reichen für 15 bis 30 Minuten emissions- und geräuschlosem Betrieb der beiden Azipull-Elektromotoren. Weite Strecken sind aber mit den heute lieferbaren Batterien nicht möglich.

Da die Batterie-Entwicklung sehr „dynamisch“ sei, habe man auch zunächst nur ein Viertel der Stellfläche in den beiden Batterieräumen gefüllt, erklärt Grönas.

Die jetzt installierten Batterien seien auch mehr als Puffer zusehen. „Für die Spitzen bei der Energielast im System, wie zum Beispiel im Hafen“, sagt Chief Grönas.

Kein Landstrom in Hamburg

„Durch das Power-Management-System reicht ein Dieselgenerator während der Liegezeit für unser Bordnetz. Wenn mehr Last benötigt wird, kommt die Leistung von den Batterien“, sagt der Ingenieur.

Ein Anschluss ans Landstrom-Netz am Terminal in Altona ist nicht vorgesehen.  „Wir sind ja nur einmal hier in Hamburg. Wenn wir regelmäßig hier festmachen würden, wäre der Landstrom eine Lösung“, so der Ingenieur. Der Grund ist die komplexe Anpassung von Schiffsnetz und Landstromnetz, die einige Anläufe erfordert.

20 Prozent weniger Treibstoffverbrauch

Die „Roald Amundsen“ braucht 20 Prozent weniger Treibstoff als vergleichbare Schiffe in der Größe. Die Abgase werden an Bord durch zwei SCR-Katalysatoren gereinigt. „Die Motoren können außedem auch mit Biogas gefahren werden“, so Grönas. 

Mit der 140 Meter langen und 7545 BRZ großen „Roald Amundsen“ sollen zukünftig Kreuzfahrten in entlegenen Regionen der Welt unternommen werden. Schwerpunkte sind dabei in den Wintermonaten die Antarktis und Sommer Grönland.

Dafür sind 265 Kabinen für 530 Passagiere an Bord. Statt Show und Spielcasino gehören Lesungen und Forschung zum Reiseprogramm. Die Passagiere bekommen in einem Wissenschaftscenter Einblicke in die Welt der Meere. Es gibt Mikroskope, Labore und eine Bibliothek.

Drohne an Bord

Moderne Hochleistungskameras im Mast bieten auch auf große Entfernungen scharfe Bilder von Tieren – und zwar bei Tag und Nacht. Und auch der Blick ins Meer gehört zum Programm.

Als erstes Kreuzfahrtschiff hat die „Roald Amundsen“ eine Drohne dabei. Die „Blue Eye“ (Blaues Auge) kann mit ihrer Kameratechnik bis zu zwei Stunden auf Tauchfahrt gehen und 150 Meter tief tauchen.   

Und was kostet der Spaß? Die Reisen mit der „Roald Amundsen“ in der Antarktis kosten knapp 9000 Euro pro Person in der günstigsten Kabine.

Taufe mit Eis der Antarktis

Ein Wiedersehen mit deutschen Häfen ist nicht geplant. Nach einigen Fjord-Reisen in Norwegen startet die „Roald Amundsen“ im September mit Kreuzfahrten Richtung Grönland und Kanada. Danach fährt das Schiff im Herbst durch die Nordwestpassage in den Pazifik weiter in die Antarktis.

In der Antarktis wird auch die Taufe des Schiffes im Dezember oder Januar erfolgen. Statt mit Champagner soll das Schiff mit einem Stück Eis getauft werden, wie die Reederei am Donnerstag bekannt gab. 

Die "Roald Amundsen" ist mit modernster Technik ausgestattet.

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