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Nachrichten Wirtschaft IG Metall will um Lindenau-Werft kämpfen
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10:08 27.06.2018
Ist die Werft bald Geschichte? Das Schwimmdock 2 von Lindenau ist das letzte Reparaturdock an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste. Quelle: Frank Behling
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Kiel/Rendsburg

Die Gewerkschaft IG Metall will das geplante Aus für die Lindenau-Werft in Kiel und die Streichung von mehr als 100 Jobs bei der Nobiskrug-Werft in Rendsburg verhindern. „Das wäre ein verheerendes Signal für den Schiffbaustandort Schleswig-Holstein“, sagte Bezirksleiter Meinhard Geiken.

„Auf der einen Seite bewirbt sich die Werftengruppe German Naval Yards um öffentliche Aufträge in Milliardenhöhe, auf der anderen plant sie Massenentlassungen und Standortschließungen.“ Das passe nicht zusammen.

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IG Metall: Mit Lindenau stirbt der Standort

Die Gewerkschaft setzt auf Verhandlungen mit der Unternehmensführung und hofft dabei auch auf Hilfe von der Landesregierung. „Wenn Lindenau verschwindet, dann ist dieser Standort tot“, warnte Geiken. Da das Schwimmdock in Friedrichsort das letzte seiner Art an der deutschen Ostsee ist, könnte die Schließung vielen Unternehmen zu schaffen machen, die eine Werft für Reparaturen brauchen - wie die Kieler SFK. Alternativen gibt es nur in Cuxhaven oder in dänischen Häfen.

Dass sich der Erhalt von Werften lohnen könne, zeige die Entwicklung im Nachbarland Mecklenburg-Vorpommern. Mittlerweile seien dort Investoren gefunden.

Tipp: Jobs bei Nobiskrug auch in schwierigen Zeiten halten

Geiken riet dem Unternehmen dazu, die geplanten Entlassungen bei der Schwesterwerft Nobiskrug in Rendsburg zu überdenken. „Werften werden Facharbeiter in Zukunft nicht mehr so leicht finden“, sagte er. „Deshalb tun Unternehmen gut daran zu überlegen, wie sie Jobs auch in einer schwierigen Phase erhalten können, um später neu starten zu können.“

Eine Möglichkeit könne die Ausleihe von Beschäftigten an andere Werften sein, beispielsweise für ein halbes Jahr. „Wir wissen, dass in Wismar Leute gebraucht werden.“

Werft strebt Tarifvertragsänderungen an

Die Werftengruppe habe darüber hinaus angekündigt, Änderungen an den Tarifverträgen anzustreben. Das sei aus Sicht der Gewerkschaft aber nur schwer vorstellbar, sagte Geiken. „Beides: Entlassen und reduzieren geht eigentlich nicht.“ Streiks seien der letzte Schritt.

Die Werftenstruktur in Schleswig-Holstein ist nach Einschätzung der IG Metall aber gut. „ThyssenKrupp Marine Systems und German Naval Yards Kiel sowie die Flensburger Schiffbaugesellschaft sind derzeit gut ausgelastet“, sagte Geiken.

Bernd Buchholz: Soziale Aspekte berücksichtigen

Schleswig-Holsteins Arbeitsminister Bernd Buchholz (FDP) forderte das Unternehmen auf, bei den geplanten Umstrukturierungen soziale Aspekte besonders zu berücksichtigen. Angesichts des Fachkräftemangels gebe es aber derzeit gute Chancen, in anderen Unternehmen einen Job zu finden, sagte Buchholz. Sein Ministerium befinde sich in engem Kontakt mit Unternehmen und Gewerkschaft.

Die Gruppe German Naval Yards hatte Ende vergangener Woche angekündigt, dass wegen Umstrukturierungen langfristig etwa 110 Jobs wegfallen sollen. Insgesamt seien von den Plänen bis zu 190 Mitarbeiter betroffen. Von ihnen sollen 60 die Chance erhalten, künftig bei der Schwesterwerft German Naval Yards Kiel zu arbeiten. Dort will die Gruppe ihre Stahlrumpf-Produktion konzentrieren. Derzeit beschäftigt die Werftengruppe insgesamt 950 Mitarbeiter, davon 400 bei German Naval Yards Kiel und 550 am Standort Rendsburg.

Von dpa