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Wirtschaft Friedrich: Industrie muss Antworten auf Zukunftsfragen wie den Klimawandel finden
Nachrichten Wirtschaft Friedrich: Industrie muss Antworten auf Zukunftsfragen wie den Klimawandel finden
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17:10 03.02.2020
Von KN-online (Kieler Nachrichten)
Daniel Friedrich geht mit einer ungewöhnlichen Taktik in die Tarifrunde. Quelle: Christian Charisius/dpa;Ulf Dahl
Kiel

Herr Friedrich, die Busfahrer streiken, auch am Kieler UKSH herrscht Unruhe. Sie gehen weniger konfrontativ in die Tarifrunde und wollen möglichst ohne Warnstreiks auskommen. Warum fahren Sie einen anderen Kurs als andere Gewerkschaften?

Daniel Friedrich: Wir können den Weg, direkt in die Verhandlung zu gehen, nur wählen, weil der Arbeitgeber weiß, dass wir eine starke und durchsetzungsfähige Gewerkschaft sind. Wir haben in der Metall- und Elektrobranche eine sehr differenzierte Situation. Auf der einen Seite sehen wir Konjunktureintrübungen oder gar Einbrüche, auf der anderen Seite gibt es Betriebe, die vor Umsatzwachstum nicht laufen können. Allen gemeinsam ist, dass sie vor einem enormen Strukturwandel stehen. Das erfordert, dass wir den Instrumentenkasten für sichere Arbeit jetzt füllen.

Sie sind aktuell auf Regionalkonferenzen unterwegs. Findet das Moratorium Zustimmung unter den Mitgliedern?

Grundsätzlich ist Unterstützung da, das mal zu probieren. Diejenigen, die denken, jetzt hat die IG Metall die Tariferhöhung verkauft, sind auf dem Holzweg. Für uns geht es natürlich um einen Abschluss, der die Kaufkraft der Beschäftigten stärkt. Wir müssen zudem Qualifizierung neu denken. Wenn wir wissen, dass es einen Umbruch im Betrieb gibt und Leute unterstützt werden sollen, sich weiterzuentwickeln, dann ist die Agentur für Arbeit dafür nicht zuständig. Erst in dem Moment, in dem Menschen rausgeschmissen werden, kann sie alles unterstützen und finanzieren. Hier brauchen wir eine Weiterentwicklung. Die Agentur muss eine für Arbeit und Qualifizierung werden.

Rekordstand bei den Mitgliedern

Die IG Metall Küste hat im vergangenen Jahr 12300 neue Mitglieder gewonnen und damit einen Rekordstand von 183700 Mitgliedern erreicht. Besonders erfreulich sei der Zuwachs bei Berufstätigen, Angestellten, Frauen und Jugendlichen. Die meisten Mitglieder arbeiten in Nordwest-Niedersachsen (50 350), gefolgt von den beiden Großstädten Hamburg (46 100) und Bremen (39 300). In Schleswig-Holstein (33 200) und Mecklenburg-Vorpommern (14 750) spiegeln geringere Mitgliederzahlen die industrielle Struktur wider.

Ein Sorgenkind war im vergangenen Jahr die Windkraftbranche. Wiederholen sich dort die Fehler, die wir schon in der Solarenergiebranche begangen haben?

Wenn wir so weitermachen: ja. Mit der Abstandsregelung von 1000 Metern kann die Politik auch gleich sagen: Wir wollen keine Windkraft. Wir laufen im Moment aufgrund der politischen Rahmenbedingungen darauf hinaus, dass wir zwar noch über Windenergie reden, aber bald keine Windindustrie mehr in Deutschland haben. Dann gibt es hier nur noch kleine Konstruktionsbüros, aber keine Wertschöpfung mehr.

Wir führen derzeit eine intensive Klimadebatte. Sie sind in Branchen wie Flugzeug-, Schiff- und Automobilbau unterwegs, die nicht ganz unproblematisch sind. Nervt Sie die Debatte manchmal?

Nein. Durch „Fridays for Future“ und Greta Thunberg ist ja nur der Gedanke laut geworden, den viele schon in sich herumgetragen haben: So geht es nicht weiter. Aber die Antwort, dass man ab morgen alles radikal anders macht, kann es nicht geben. Ich habe nicht die Erwartung an die jungen Menschen, dass die uns die Antwort geben, wie die Wirtschaft der Zukunft aussieht. Woher sollen die das wissen? Die Antwort muss die Industrie schon selber finden.

Und wie könnte die aussehen?

Da dürfen wir keine Scheuklappen aufziehen, sondern müssen offensiv nach vorne gehen. Wir sollten Technologieführerschaft nutzen. Wie kriegen wir das ökologischste Auto hin oder ein Flugzeug, das weniger verbraucht? Ein Teil der Probleme liegt sicher in unserer Wirtschaft, aber eben auch ein Teil der Lösung – weil sie die Mächtigkeit hat, durch Technologien, Forschung und Entwicklung bessere, grünere Produkte zu erschaffen. Das ist ein Motor für Veränderung. Aber wir dürfen nicht den Irrglauben haben, dass es einen Schalter gibt, den man nur umlegen muss.

Warum geht ein schneller Wandel nicht?

Sie greifen ja in Verhaltensmuster ein – sowohl in der Industrie als auch bei Konsumenten. Wir wollen und brauchen Mobilität. Und wir möchten, dass sich eine Flugreise in den Urlaub nicht nur reiche Leute leisten können, sondern auch Menschen, die tagtäglich hart arbeiten gehen. Das ist ja auch eine soziale Frage.

In Kiel haben German Naval Yards und TKMS als Subunternehmer eine Niederlage im Wettstreit um den Auftrag für die MKS 180-Schiffe hinnehmen müssen. Lässt Sie das um die Werftenjobs bangen?

Wir brauchen jetzt unbedingt Klarheit für den Marineschiffbau in Deutschland. Wir fordern, dass sich die Bundesregierung – insbesondere die Verteidigungsministerin – mit uns und den Firmen zusammensetzt und uns sagt, wo sie die Perspektive von Marineschiffbau sieht. Ziel muss es sein, den Überwasserschiffbau zur Schlüsseltechnologie zu erklären, so dass Aufträge auch national ausgeschrieben werden können. Wenn es bei der MKS 180 heißt, die Wertschöpfung soll zu 70 bis 80 Prozent in Deutschland liegen, dann würden wir gerne mal wissen: Wo kommt die genau hin? Uns geht es darum, dass Konstruktion, Design, Schlüsseltechnologien hier erhalten bleiben. Da hängen 15000 Arbeitsplätze dran und eine Signalwirkung in die maritime Wirtschaft insgesamt.

Interview: Anne Holbach und Florian Hanauer

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