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19:38 18.09.2019
Von Florian Hanauer
Hier fährt der erste Gepäckschlepper mit Brennstoffzellentechnologie auf dem Vorfeld. Der Chef des Hamburger Flughafens, Michael Eggenschwiler, präsentierte das Fahrzeug am Mittwoch. Aus diesem Prototypen soll ein Serienmodell entwickelt werden. Quelle: Christian Charisius
Kiel.

Im Wasserstoff stecken große technologische Möglichkeiten. Davon ist die Vertretung der norddeutschen Wirtschaft überzeugt. Friederike C. Kühn, Vorsitzende der IHK Nord, glaubt, dass sich der Erfolg der Energiewende im Norden entscheidend werde und diese ohne Wasserstoff nicht möglich sei.

Wasserstoff ist der technologische Game-Changer, und wir im Norden wollen diese Chance nutzen“, sagte Kühn. Als sauberer Energieträger könne er viele Probleme lösen. „Wir haben hier im Norden herausragende Möglichkeiten, mit der aus Windstrom gewonnenen Energie grünen Wasserstoff zu produzieren.“ So ließe sich Norddeutschland als Top-Wasserstoffstandort auch wirtschaftlich voranbringen. 

Strom aus Windenergie im Überschuss

Als einen der zentralen Punkte stellte sie eine politische Forderung auf: Der aus „grünem Strom“ gewonnene Wasserstoffs müsse von von der EEG-Umlage befreit werden. Kühn betonte: „Nur so ließe sich die Wirtschaft motivieren, zu investieren.“

Bereits Ende 2018 hatte die Vollversammlung der IHK zu Kiel eine Resolution zur Herstellung und Nutzung von Wasserstoff beschlossen. Angesichts des im Überschuss vorhandenen Stroms aus Windenergie sei die verstärkte Nutzung von Wasserstoff ein sinnvolles Bindeglied, um Erneuerbare Energien auch in anderen Sektoren wie dem Wohnen, dem Verkehr und der Industrie besser nutzbar zu machen. 

Wasserstoff-Tankstelle nur in Flensburg

Dafür müsste auch der regulatorischen Rahmen angepasst werden. Der Zugang zum Markt für Wasserstoff müsse erleichtert werden. Als Voraussetzung nennt die IHK, dass die Brennstoffzellentechnologie weiterentwickelt und auch ein Wasserstofftankstellennetz geschaffen werde. Bislang gibt es in Schleswig-Holstein nur bei Flensburg eine solche Tankstelle, eine weitere steht in Brunsbüttel kurz vor der Inbetriebnahme. 

Die zwölf Industrie- und Handelskammern des Verbundes der IHK Nord haben am Mittwoch ihr Positionspapier zum Wasserstoff übergeben. Hamburgs Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos) nahm die Thesen auf dem Hamburger Flughafen entgegen.

Schleswig-Holstein will mit Hamburg kooperieren

Aber ist nicht Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) aktuell Vorsitzender der Konferenz der Küstenwirtschaftsminister? „Mit Hamburg gibt es sehr große Schnittmengen, gemeinsame Projekte und identische Zielsetzungen“, sagt Buchholz und nennt Projekte wie die Norddeutsche Energiewende („New 4.0“). Hamburg und Schleswig-Holstein arbeiten dabei mit Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft an dem Ziel, die Region bis 2035 zu 100 Prozent mit regenerativem Strom zu versorgen.

Das Ministerium verweist auch auf die Initiativen aus Schleswig-Holstein, etwa, dass Staatssekretär Thilo Rohlfs (FDP) jüngst für die Wasserstofftechnologie auf einem Besuch in Japan geworben hatte. Das Land sei in diesem Bereich Pionier, mit Toyota als Weltmarktführer bei wasserstoffbetriebenen Automobilen. Allerdings produziere Japan den Kraftstoff bislang überwiegend mittels fossiler Brennstoffe.

Schleswig-Holstein verfüge mit den erneuerbaren Energien möglicherweise über die entscheidende Expertise. In Brunsbüttel war erst Anfang August ein „Elektrolyseur“ zur Produktion von Wasserstoff aus Windstrom in Betrieb gegangen. 

Am Freitag tagt das Klimakabinett in Berlin

Hamburgs Senator Westhagemann gab sich dann auch ganz standortneutral: „In der Region“ werde die Etablierung neuer Wertschöpfungsketten zu neuen Geschäftsfeldern, Neuansiedlungen von Unternehmen und Firmengründungen führen. „Unsere Arbeit bezieht sich immer auf die gesamte Region Norddeutschland“, unterstreicht Katja Croy von der IHK Nord. Die Präsentation am Hamburger Flughafen habe man im Hinblick auf das Klimakabinett, dass morgen tagt, gewählt. Am 7. November bei der Konferenz der Küstenverkehrsminister in Lübeck werde man den Dialog über das Wasserstoffkonzept fortsetzen. 

Ein praktisches Beispiel für Anwendungen zeigte am Mittwoch dann der Hamburger Flughafenchef Michael Eggenschwiler, der einen Gepäckschlepper mit Brennstoffzellentechnologie vorführte. Das Fahrzeug werde jetzt getestet. Wenn es sich bewährt, sollen nach und nach alle rund 60 Gepäck-Fahrzeuge auf dem Flughafen Fuhlsbüttel auf Wasserstoff umgestellt werden.

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