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Wirtschaft Das Eigenheim bleibt oft ein Traum
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21:43 09.08.2019
Von Ulrich Metschies
Der Bedarf an Wohnraum ist groß, und es werden auch Neubaugebiete ausgewiesen. Doch vor allem für junge Familien sind die Objekte oft unerschwinglich.  Quelle: Ulf Dahl
Kiel

Zunächst die gute Nachricht: In Schleswig-Holstein liegt die Zahl der Haushalte, die sich eigene vier Wände leisten können und wollen, über dem Bundesdurchschnitt. Nachdem die sogenannte Eigentumsquote im Norden in den vergangenen Jahren auf unter 50 Prozent zusammengeschmolzen ist, liegt der Anteil der Eigenheimbesitzer zwischen Nord- und Ostsee inzwischen trotz eines zwischenzeitlichen Dämpfers über der Hälfte.

Nur jeder Zweite besitzt Wohneigentum 

Betrug der Anteil der Haushalte in einer eigenen Wohnung oder in einem eigenen Haus 2010 hierzulande noch 49 Prozent, erhöhte sich dieser Wert bis 2017 auf 51 Prozent.Das zeigt eine gestern veröffentlichte Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln im Auftrag der Bausparkasse Schwäbisch Hall. Die schlechte Nachricht: Bundesweit stagniert die Wohneigentumsquote seit Jahren bei etwa 45 Prozent. „Die Wohneigentumsquote ist ein wichtiger Indikator für die Vermögensbildung“, sagt der Autor der Untersuchung, Professor Michael Voigtländer. Europäische Vergleiche zeigten, dass in Ländern mit größerer Verbreitung von Wohneigentum die individuelle Vermögensbildung stärker ausgeprägt sei. Im europaweiten Vergleich liegt Deutschland bei der Eigentumsquote auf dem vorletzten Rang – nur in der Schweiz leben mehr Haushalte zur Miete.

Am niedrigsten ist die Quote in Berlin

Deutschlandweit besonders hoch ist der Anteil der Haushalte im eigenen Heim in Baden-Württemberg mit 54,4 Prozent, gefolgt von Niedersachsen mit 54 Prozent. In den ostdeutschen Bundesländern blieb die Wohneigentumsquote in allen Bundesländern unter dem gesamtdeutschen Durchschnitt. Am niedrigsten ist die Quote in Berlin mit 18 Prozent.

Zahl der Ersterwerber ist gesunken

Vom Ziel, mehr Menschen Zugang zu Wohneigentum zu ermöglichen, ist die Politik hierzulande noch weit entfernt. Zwar stieg die Eigentumsquote im Zeitraum 1990 bis 2009 von rund 37 auf etwa 46 Prozent, doch seitdem ging es nicht mehr voran. Zuletzt sind sogar weniger Menschen aus einer Mietwohnung in die eigenen vier Wände gezogen: Betrug die Zahl der sogenannten Ersterwerber in den Jahren 1998 bis 2002 noch durchschnittlich rund 700000 Haushalte jährlich, lag der Wert in den Jahren 2013 bis 2017 nur noch bei rund 450000 Haushalten. 2016 und 2017 waren es sogar weniger als 400000 pro Jahr.

Vor allem junge Haushalte haben das Nachsehen

Besonders problematisch: Aufgrund des anhaltenden Preisanstieges auf dem Immobilienmarkt können sich immer weniger junge Menschen den Traum vom eigenen Heim verwirklichen. In der Gruppe der 25- bis 34-Jährigen betrug die Eigentumsquote 2017 noch zwölf Prozent, in der Gruppe der 35- bis 44-Jährigen waren es 38 Prozent. Das sind nach Angaben der Studienautoren jeweils fünf Prozentpunkte weniger als noch 2010. Gleichzeitig stieg der Anteil in der Gruppe der 65- bis 74-Jährigen um zwei Prozentpunkte auf 58 Prozent. Parallel dazu steigt das Haushaltseinkommen derer, die aus einer Mietwohnung in eine eigene Immobilie umzogen. Lag es 2010 noch bei durchschnittlich 3000 Euro netto, waren es 2017 schon knapp 4000 Euro.

Mit den Preisen steigt die Eigenkapitalhürde

„Faktisch finden junge Haushalte, die dann auch entsprechend mehr Zeit für die Rückzahlung ihrer Kredite hätten, kaum noch Zugang zum Wohneigentumsmarkt“, kritisiert Voigtländer. Als wesentlichen Grund für diese Entwicklung nennt er der gestiegene Kapitalbedarf zum Zeitpunkt des Kaufs. Da sich die Erwerbsnebenkosten und der Eigenkapitalbedarf nach den in den letzten Jahren vielerorts gestiegenen Kaufpreisen bemessen, müssten Haushalte heute deutlich mehr Kapital gespart haben als früher – mancherorts über 50 Prozent mehr als noch vor fünf Jahren. Und das treffe in erster Linie junge Haushalte, die angesichts der niedrigen Zinsen wenig Geld ansparen konnten.

IW schlägt andere Grunderwerbssteuer vor

Nur wer die Eigenkapitalhürde überwinden könne, so der IW-Experte, profitiere von den niedrigen Zinsen für Immobilienkredite. Mehr Förderung von Wohneigentum nach dem Muster des Baukindergeldes sieht das Institut aber nicht als Ausweg. Voigtländer: „Die Politik muss einen Rahmen schaffen, der die Eigenkapitalhürde verringert, etwa durch Freibeträge und Kaufpreis-abhängige Sätze bei der Grunderwerbsteuer.“

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