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Nachrichten Wirtschaft Wie läuft das Projekt Mittelachse?
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06:00 18.05.2019
Von Anne Holbach
Foto: Dirk Jonassen verantwortet den Bau der Mittelachse.
Dirk Jonassen verantwortet den Bau der Mittelachse. Quelle: Ulf Dahl
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Rendsburg

Der erste Abschnitt der Mittelachse ist fertig. Wie kommen Sie mit dem Projekt voran?

Wir sind im Plan – und das nicht nur in der Zeit, sondern auch bei den Kosten. Den ersten Teil der Mittelachse zwischen Hamburg und Audorf haben wir letztes Jahr schon eingeschaltet, das hat bereits eine große Entlastung des Netzes gebracht. Mitte 2020 wollen wir mit dem zweiten Teil bis Flensburg und auch bis zur dänischen Grenze fertig sein. Das dürfte dann nochmal einen Schub geben. Der letzte Abschnitt nach Dänemark befindet sich aktuell im Genehmigungsverfahren. Wenn alles fertig ist, können wir sieben Mal mehr Strom übertragen als die bestehende Leitung. Das ist so viel, wie 1000 Windturbinen der Drei-Megawatt-Klasse unter Volllast einspeisen können.

Video: Ausbau der Mittelachse mit Tennet

Viele Menschen befürworten Erneuerbare Energien. Windräder oder eine Stromtrasse direkt vor der Haustür wollen sie aber nicht haben. Auf wie viel Widerstand sind Sie gestoßen?

Natürlich mag nicht jeder die Masten. Die meisten Menschen haben aber Verständnis für die Notwendigkeit der Trasse Leitung. Wir informieren ja regelmäßig die Bürger über unser Projekt und sind in Gesprächen mit den Bürgermeistern. Nun befinden wir uns aber anders als viele Netzausbauprojekte in Deutschland schon auf der Zielgeraden. Als wir 2011 mit dem Projekt begonnen haben, war die Stimmung noch eine andere. Die Leute sind mittlerweile kritischer geworden, auch wenn die Akzeptanz für die Energiewende an sich weiterhin sehr hoch ist.

Zwischen Audorf und Flensburg entsteht der zweite Teil der Mittelachse. Bis 2020 soll dieser Abschnitt der Stromtrasse fertig sein. Der Netzausbau läuft in luftiger Höhe.

Der Autobahnbau stockt ja oft, weil er mit Umweltschutzbelangen in Konflikt gerät.

Wir haben beim Thema Umwelt viel dazugelernt. So haben wir zum Beispiel Ameisenhaufen umgesiedelt. Es gab unzählige Baumkontrollen wegen Fledermäusen, so dass die Tiere bei der Holzung nicht gefährdet wurden. Weil an einer Stelle noch Frösche in der Winterruhe waren, konnten wir dort den Rückbau erst später abschließen. Das sind nur ein paar Beispiele, wie wir versuchen, die Tierwelt zu respektieren und sie möglichst wenig zu stören.

Was nützt es uns denn, wenn die Mittelachse hier in Schleswig-Holstein bald fertig ist, die Stromtrassen aber im Süden nicht weitergehen?

Die ganze Autoindustrie entwickelt fieberhaft neue Elektroantriebstechniken. Die hören auch nicht einfach auf, weil die Infrastruktur dafür noch nicht vollständig vorhanden ist. Hier im Norden hat die Politik für ein gutes Klima gesorgt. Natürlich sind wir nicht immer im Honeymoon. Aber wir hatten mit Robert Habeck – und haben auch jetzt mit seinem Nachfolger Jan Philipp Albrecht – in Schleswig-Holstein Minister, die die Energiewende unterstützen.

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