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Wirtschaft Der neue Steuermann der IHK
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07:00 05.04.2014
Von Jörn Genoux
Die IHK Kiel ist für Jörg Orlemann kein komplettes Neuland, die Ostsee aber sehr wohl. Die will der Sporttaucher nun schnellstens erkunden. Quelle: Paesler
Kiel

Schleswig-Holstein verfügt über viele Industrieunternehmen, die in ihrem Markt Weltmarktführer sind“, sagt Orlemann. Doch diese Tatsache sei leider weitgehend unbekannt. Er will daher auch das öffentliche Bild von der Industrie zurechtrücken: „Industrie ist nicht mehr Dreck und harte körperliche Arbeit, sondern Forschung, Innovation und gute Arbeitsplätze.“ Das verarbeitende Gewerbe trage 15 Prozent zur Wertschöpfung Schleswig-Holsteins bei; seine mittelständische Struktur stabilisiere konjunkturelle Entwicklungen. Und die Industrie zeichne sich durch eine Vielzahl von Innovationen aus. Seine ersten Betriebsbesuche führten den Nachfolger von Jörn Biel daher in dieser Woche zu zwei Firmen aus der Industrie: den Pumpenhersteller Witte (Uetersen) und den Produzenten von Dichtungsringen (O-Ringen) C. Otto Gehrckens (Pinneberg). Beide gehören in ihrem Segment zu den europaweit führenden Unternehmen.

 Gedanken hat sich Jörg Orlemann auch schon über die Entwicklung in der Region Kiel gemacht: Themen wie Fachkräftesicherung, Infrastruktur und Technologietransfer, aber auch Fragen der künftigen Nutzung von Flächen seien „entscheidend für die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes“. Als Lebensort könne Kiel nur attraktiv sein, wenn die Voraussetzungen für den Wirtschaftsstandort stimmten – und umgekehrt. Daher liege es der IHK am Herzen, „die einzigartigen wirtschaftlichen Potenziale“, die das Gelände des Marinefliegergeschwaders 5 böten, zu nutzen. Gleiches gelte für den Erhalt des Flughafens. „Wir werden so früh wie möglich das Gespräch mit dem neuen Oberbürgermeister suchen, um gemeinsam die Modalitäten für ein Gutachten zur Zukunft des Flughafens als Gewerbegebiet mit Landebahn zu erarbeiten.“

 Jörg Orlemann startete seine Berufstätigkeit als Technologieberater bei der IHK Karlsruhe. Er setzt sich seither für einen engen Austausch von Wissenschaft und Wirtschaft ein und sieht in Kiel wegen der „starken Hochschulen“ ganz besonderes Potenzial. Da könne noch viel gehoben werden, sagt er. „Hochschulen können Innovationsmotoren für die regionale Wirtschaft sein, sei es durch Technologietransfer oder durch Unternehmensgründungen.“

 Ein Thema, das er in Kiel noch stärker in den Vordergrund rücken möchte, hat Orlemann aus seiner Tätigkeit als Hauptgeschäftsführer der IHK Stade (2003-2014) mitgebracht: die Gestaltung des demografischen Wandels. In der Region zwischen Elbe und Weser seien in manchen Gebieten die Einwohnerzahlen stark rückläufig gewesen, mit den entsprechenden negativen Folgen für die Orte und die Firmen, die oft nur schwer Fachkräfte finden. Auf die sich abzeichnenden Veränderungen müssten auch hier die Betriebe, aber auch Politik und Verwaltung vorbereitet sein.

 Kiel ist für Jörg Orlemann kein Neuland. Über die Kooperation im Verbund der IHK Nord gab es einen regelmäßigen Austausch. Doch die Ostsee ist dem Sporttaucher noch fremd. Seit 40 Jahren taucht Orlemann, in vielen deutschen Baggerseen ist er schon abgetaucht und in fast allen Weltmeeren. In die Ostsee allerdings hat er es nie geschafft. Das dürfte sich wohl schon bald ändern.