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07:00 13.07.2017
Von Ulrich Metschies
Das war im Juni 2012: Michael Rook im Gespräch mit seinen Anwälten vor dem Landgericht Augsburg. Quelle: Stefan Puchner
Itzehoe

Rückblende: Kurz vor Weihnachten 2012 verurteilt das Landgericht Augsburg Rook zu fünf Jahren und drei Monaten Haft wegen Bestechlichkeit. Nach Überzeugung der Richter soll der Ex-Manager einem Vermittler von Telekommunikationsverträgen zwischen 2005 und 2011 bundesweit als Dienstleister Zugang zu den Filialen der Elektronikkette gewährt und gemeinsam mit Komplizen rund zwei Millionen Euro kassiert haben. Rook bestritt die Tat, seine Anwälte sprachen von einem Skandal.

Landgericht Itzehoe sieht Rooks Schuld nicht als erwiesen an

Diese Empörung erhält neue Nahrung durch ein kürzlich gefälltes Urteil des Landgerichts Itzehoe. Nach 16 Verhandlungstagen hatte dessen 6. Zivilkammer eine Schadenersatzklage von Media-Markt Saturn gegen den ehemaligen Top-Manager abgewiesen. Begründung: Nach „umfangreichen Zeugenvernehmungen“ und „intensiver Überprüfung des Strafurteils aus dem Jahr 2012“ sei man zu einer abweichenden Bewertung gelangt. Demnach sind die Itzehoer Richter „im Rahmen ihrer freien Beweiswürdigung“ weder überzeugt, dass der Beklagte an den Bestechungsabsprachen persönlich beteiligt war, noch dass er Bestechungsgelder persönlich erhalten habe.

Rook, der zuletzt in Neumünster einsaß und heute im Hamburger Randgebiet wohnt, ist Medienberichten zufolge seit Mai 2015 auf freiem Fuß. Der Rest seiner Strafe war zu vier Jahren auf Bewährung ausgesetzt worden. Hat der Ex-Manager also fast zweieinhalb Jahre zu Unrecht hinter Gittern verbracht?

Eine Frage, die extrem schwer zu beantworten ist. Philipp Terhorst, Sprecher des Landgerichts Itzehoe, drückt es so aus: „Wir sehen die Schuld des Betroffenen nicht als erwiesen an – dessen Unschuld jedoch ebenfalls nicht.“ Allerdings halte man nach erneuter Beweisaufnahme und Zeugenbefragung die „Argumente und Rückschlüsse“ der Augsburger Richter nicht für überzeugend.

Media-Markt Saturn fordert 1,6 Millionen  Euro Schadenersatz

Die Media-Markt Saturn Deutschland GmbH fordert mit Hinweis auf das Augsburger Urteil Schadenersatz in Höhe von 1,6 Millionen Euro. Nach Darstellung des größten deutschen Elektronikhändlers hat der frühere Top-Mann in den Jahren 2005 bis 2011 Bestechungsgelder in Höhe von etwa zwei Millionen Euro von einem am Verfahren nicht beteiligten Unternehmen angenommen. Im Gegenzug soll Rook als hochrangiger Geschäftsführer mit mehreren Mittätern im Konzern dafür gesorgt haben, dass nur dieses eine Unternehmen bei der deutschlandweiten Vergabe von Promotionsflächen zur Vermittlung von DSL-Verträgen in den Media-Märkten berücksichtigt wurde.

Nun muss das Oberlandesgericht  in Schleswig entscheiden: Dort hat Media-Markt-Saturn Berufung eingelegt.

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