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Wirtschaft Konzernchef tritt nicht zurück
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21:19 22.09.2015
Von Ulrich Metschies
Chef Martin Winterkorn könnte durch den Skandal in den Abgrund gerissen werden. Quelle: Julian Stratenschulte/ dpa
Wolfsburg/Kiel

Aus eigenem Antrieb will der VW-Chef seinen Posten jedoch nicht aufgeben. Am Nachmittag trat er mit einem Video-Statement an die Öffentlichkeit, in dem er um Vertrauen bat. „Ich entschuldige mich in aller Form bei unseren Kunden, bei den Behörden und der gesamten Öffentlichkeit für das Fehlverhalten“, sagte Winterkorn und versprach: „Wir klären das auf. Ich gebe Ihnen mein Wort.“

Inzwischen ist klar, dass die Affäre weltweite Ausmaße erreicht hat. Betroffen sei ein Motorentyp, der in insgesamt elf Millionen Fahrzeugen verbaut worden sei, teilte VW mit. Allein für die Rückrufe dieser Maschinen wird der Konzern im laufenden Quartal 6,5 Milliarden Euro Rückstellungen bilden – was den Gewinn dramatisch abrutschen lassen wird.

Völlig unklar ist derzeit noch, ob auch bei Fahrzeugen für den deutschen Markt manipuliert wurde. „Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es dafür aber keine Anzeichen“, sagte Jan-Nikolas Sontag, Geschäftsführer des Kfz-Gewerbeverbandes Schleswig-Holstein. Auch Hans W. Hansen, Obermeister der Kraftfahrzeuginnung Kiel-Neumünster, sieht aufgrund der deutlich schärferen Abgasvorschriften derzeit vor allem den US-Markt betroffen. Gleichzeitig warnt der Motorexperte davor, mögliche Manipulationen einseitig bei Dieselfahrzeugen zu vermuten: „Mich würde es erstaunen, wenn Benziner nicht betroffen wären, denn die haben bei den Partikeln ein noch größeres Problem.“ Hansen hofft, dass die Manipulationen auf VW-Fahrzeuge und den US-Markt beschränkt bleiben: „Was VW kann, das können andere auch.“ Und der Druck auf die Hersteller werde immer größer: „Die Normen, die heute die USA anwenden, dürften in wenigen Jahren auch in Europa gelten.“ Weder Händler noch Fachwerkstätten könnten mit ihrer vorhandenen Ausrüstung feststellen, ob ein Fahrzeug von Manipulationen betroffen ist: „Am Fahrverhalten jedenfalls merkt man da überhaupt nichts.“

Zum Ausmaß der Kundenanfragen wollten sich mehrere VW-Händler im Norden am Dienstag nicht äußern. „Sobald wir vom Hersteller weitere Informationen bekommen, werden wir den Kunden Rede und Antwort stehen“, heißt es etwa bei der Rendsburger Kath-Gruppe.

Die Börse quittierte die VW-Gewinnwarnung mit einer weiteren Flucht aus der Aktie des Konzerns: Erneut verloren die Papiere fast ein Fünftel ihres Werts. Auch zahlreiche Politiker fordern Aufklärung. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) will eine Untersuchungskommission einsetzen.

Der Tarifkonflikt im privaten Omnibusgewerbe Schleswig-Holsteins hat sich weiter verschärft. Einen Tag vor der nächsten Verhandlungsrunde hatte die Gewerkschaft Verdi am Dienstag die Busfahrer erneut zu Warnstreiks aufgerufen.

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