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14:40 10.02.2020
Von Frank Behling
Kreuzfahrthafen Stockholm ist weiter im Aufwind. 300 Schiffsbesuche werden 2020 in der Hauptstadt Schwedens erwartet. Quelle: Frank Behling
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Stockholm

„Die Ostsee ist weiterhin ein attraktives Kreuzfahrtziel, und die Saison 2020 dürfte ein weiteres Rekordjahr für die Zahl der Passagiere werden, die Stockholm besuchen“, sagt Stefan Scheja, Kreuzfahrt- und Fährmanager in den Häfen der schwedischen Hauptstadt. Insgesamt erwartet er dieses Jahr mehr als 660 000 Kreuzfahrt-Passagiere. Mit dem Thema Umweltschutz geht man sehr viel unaufgeregter um. Proteste? Kundgebungen? Blockaden von Kreuzfahrern gar? Fehlanzeige.

Ein Grund ist sicher auch die offensive PR-Arbeit der Hafengesellschaft, die Vorreiter bei den Themen Flüssig-Erdgas, Landstrom und Klimaschutz sein will. „Die Nachhaltigkeit von Kreuzfahrten in Stockholm ist sehr wichtig für die Umwelt und natürlich auch sehr wichtig für uns“, sagt Ingrid Hansson, Sprecherin der Hafengesellschaft. Der Hafen arbeite auf vielen Ebenen, um sicherzustellen, dass die Auswirkungen des Betriebs auf die Umwelt so gering wie möglich seien.

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Nutzung von Landstrom kann nicht vorgeschrieben werden

Im November 2019 ging im Fährhafen Värtahamnen die größte Landstromanlage der Ostsee in Betrieb. Die für knapp sieben Millionen Euro errichtete Anlage soll allerdings ausschließlich die Fähren versorgen, die von dort nach Finnland, Russland oder Estland abfahren. Der Bau von Landstromanlagen an den Liegeplätzen der Kreuzfahrer nahe der Altstadtinsel sei „langfristig betrachtet“ zwar nicht ausgeschlossen.

Allerdings könne man keinem Reeder die Nutzung von Landstrom vorschreiben. Stattdessen sollen die Kunden mit Anreizen überzeugt werden. Hansson spricht von einer „langfristige Anstrengung“, die nicht nur die Zusammenarbeit mit Reedereien erfordere, sondern auch eine Kooperation mit anderen Ostseehäfen erfordere.

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Kopenhagen ist Hauptstadt der Traumschiffe

Noch sechs Wochen und die Saison der Kreuzfahrtschiffe beginnt in der Ostsee. Kiel wird seine Position in diesem Jahr mit 198 Schiffsanläufen weiter ausbauen. Im Vergleich mit den anderen Ostseehäfen liegt Kiel jedoch nur im Mittelfeld. Hauptstadt der Kreuzfahrer in der Ostsee ist mit 350 Schiffsbesuchen von März bis Dezember Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen. Die Dänen liegen damit noch vor Finnlands Hauptstadt Helsinki mit 292 Anmeldungen und Stockholm mit 290 Anläufen von Kreuzfahrtschiffen. Auf den Plätzen folgen Estlands Hauptstadt Tallinn mit 262 und Russlands Metropole St. Petersburg mit 260 Traumschiffsankünften für 2020. In Polen legt Gdingen stark zu. Dort steigt die Anzahl der Schiffsbesuche von 54 (2019) auf 80 in 2020. An der deutschen Ostseeküste liegt Warnemünde mit 207 Anläufen knapp vor Kiel mit 198 Anläufen auf dem Spitzenplatz. Lübeck wurde abgehängt und hat jetzt nur noch 13 Anläufe von Kreuzfahrtschiffen – einen weniger als 2019.

Beim Thema Klima- und Luftschadstoffe fokussiert sich die Hafengesellschaft zunächst auf die im Hafen eingesetzten Anlagen, die Gebäude und Arbeitsschiffe. Auch hier ticken die Schweden anders als die Deutschen, setzen eben nicht nur auf Wind- und Wasserkraft, sondern maßgeblich auch auf Atomstrom. Bis 2025 soll der Hafenbetrieb komplett „fossil-free“, die großen Hafengeräte auf Bio-Diesel oder Bio-Gas umgestellt sein. Hinzu kommen fünf große Solarzellensysteme im Hafen, die während der langen Sommertage einen Teil des Stroms erzeugen sollen.

Pionierarbeit leistete Stockholm 2011 mit der Eröffnung des ersten Terminals für verflüssigtes Erdgas (LNG). Während der Liegezeit von großen Fähren in Stockholm werden diese mit einem Bunkerschiff mit LNG versorgt. Das Flüssiggas kommt aus Rotterdam mit einem Tanker zum Importterminal nach Nynäshamnan am Eingang der Schären. Ein Bunkerschiff bringt das Gas dann zu den Fähren. Doch die Klimafreundlichkeit von LNG ist hoch umstritten, Kritiker warnen vor allem vor dem Austritt des Klimakillers Methan bei Förderung, Transport und Verbrennung.

Kreuzfahrt-Branche: Wachstum trotz Klimakrise

Doch die Klimakrise tut dem Wachstum keinen Abbruch: Die Zahl der Schiffspassagiere steigt und steigt. 2017 knackte Stockholm die Marke von zwölf Millionen, in diesem Jahr sollen es 13 Millionen sein. Der größte Teil der Passagiere nutzt die großen Fähren für beliebte Kurzkreuzfahrten nach Lettland, zu den Åland-Inseln und nach Finnland. Bei den Kreuzfahrtschiffen ist der Trend zu größeren und moderneren Einheiten genauso offensichtlich wie in Kiel und Warnemünde. Allein in diesem Jahr erwartet Stockholm 13 Erstanläufe von neuen Schiffen. Das größte Schiff wird die 333 Meter lange „MSC Splendida“ sein. Übrigens: Die meisten Kreuzfahrtpassagiere kommen aus Deutschland.

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Proteste von Umweltaktivisten wie in Deutschland gibt es in Schweden keine. Auch in ganz Skandinavien sind sie – noch – absolute Seltenheit. Einzig in Helsinki gab es im September eine Aktion von zehn Aktivisten der regionalen Gruppe von „Extinction Rebellion“ gegen die Anläufe des Kreuzfahrtschiffes „Queen Elizabeth“.

Dass es in Stockholm bislang nicht eine Aktion gab, erstaunt umso mehr, als dass der Hafen in schwindelerregendem Tempo expandiert. In wenigen Wochen wird der neue Containerterminal Norvik am Rand des Schärengürtels von Stockholm eröffnet. Denn auch der Güterumschlag wächst rasant. Anfang Mai soll Norvik seinen Betrieb aufnehmen. Mit 16,5 Metern Tiefgang und 1325 Metern Kailänge gibt es dort dann einen Tiefwasserhafen auch für große Schiffe. Für die passende Landanbindung wurde eine vier Kilometer lange Bahntrasse durch den Fels der Schären gesprengt, inklusive Tunnel.

Ganz nach dem Motto: Nicht kleckern, sondern klotzen.

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