Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Wirtschaft Düstere Aussichten für Sparer
Nachrichten Wirtschaft Düstere Aussichten für Sparer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:03 14.08.2019
Von Ulrich Metschies
Sparen mag bei vielen Menschen hoch im Kurs stehen - aber es wird komplexer. Quelle: Christin Klose
Kiel

Die Zeiten für Sparer sind schlecht – und sie werden absehbar noch deprimierender. Denn nach der Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB), die Geldpolitik noch einmal verschärfen zu wollen, werden Negativzinsen auf Bankguthaben immer wahrscheinlicher.

„Irgendwann ist eine Schmerzgrenze erreicht“, heißt es bei der Kieler Volksbank. Der „gute alte Sparzins“ wird aus Sicht der genossenschaftlichen Bank „auf viele Jahre nicht in nennenswerter Höhe zurückkommen“. Von einer „kalten Enteignung“ der Sparer spricht die Förde Sparkasse.

Kein Kreditinstitut in Kiel möchte verlieren

Mit den Negativzinsen ist es wie beim Mikado: Niemand möchte verlieren, indem er als erster etwas bewegt. Trotz des wachsenden Ertragdrucks seien Strafzinsen für normale Anleger nicht geplant – so die gängige Formulierung. Doch nun kommt Bewegung in den Markt: Mit der Münchner Stadtsparkasse wagt sich erstmals ein großes Geldhaus in Deutschland aus der Deckung.

In einem Interview spricht dessen Chef Ralf Fleischer offen über die Möglichkeit von Negativzinsen für Privatkunden: „Sollte der Einlagenzins der EZB von minus 0,4 auf minus 0,5 Prozent oder sogar noch weiter runtergehen, wird sich früher oder später jedes Institut mit diesem Thema auseinandersetzen müssen und wahrscheinlich nicht mehr umhinkommen, das den Kunden in Rechnung zu stellen“, so Fleischer im „Münchner Merkur“.

Förde Sparkasse will Belastungen vermeiden

Allein vergangenes Jahr hat die fünftgrößte Sparkasse in Deutschland Negativzinsen in Höhe von 13 Millionen Euro bezahlt. Fleischer: „Wenn dieser Zug jetzt weitergeht und aus 13 Millionen einmal 20 oder sogar noch mehr werden, dann können wir das irgendwann nicht mehr abfangen.“ Immerhin seien im Fall von Negativzinsen Freibeträge für Guthaben bis 50 000 Euro oder 100 000 Euro denkbar.

Einen Kommentar von Florian Hanauer zu den Strafzinsen lesen Sie hier.

Allein die Kieler Förde Sparkasse hat im vergangenen Jahr mehr als eine Million Euro an Strafzinsen zahlen müssen. Dennoch will das Institut wie auch andere Banken im Norden Negativzinsen für private Anleger so lange wie möglich vermeiden. Doch je länger Strafzinsen für Einlagen bei der EZB das Geschäft belasten, desto stärker gerät diese Position ins Wanken und desto lauter wird die Kritik an der EZB.

Durch die anhaltenden Niedrigzinsen würden Kunden, die auf Spar- und Termingelder setzen, „schleichend enteignet“, heißt es etwa bei der Commerzbank. EZB-Präsident Mario Draghi hatte Ende Juli eine weitere Lockerung der Geldpolitik angedeutet.

Die Banken sollen mehr Kredite vergeben

Die Begründung dafür ist nicht nur nach Einschätzung vieler Banken, sondern auch nach Auffassung des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel mehr als zweifelhaft. Indem sie immer mehr Liquidität in den Markt pumpen, wollen die Währungshüter eine Inflationsrate von zwei Prozent erreichen – ihre zentrale Zielgröße als Zeichen von Geldwertstabilität.

Minus-Zinsen sollen Banken dazu bewegen, mehr Kredite zu vergeben und damit die lahmende Konjunktur anzukurbeln. Am 12. September will der EZB-Rat über weitere Zinsschritte entscheiden.

IfW-Konjunkturchef Stefan Kooths sieht die EZB als „Gefangene ihrer eigenen Strategie“. Der Markt sei mit Liquidität „überversorgt“. Künstlich niedrige Zinsen, auch durch den Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB, führten nicht nur zu Umverteilungseffekten zulasten der Sparer, sondern – schlimmer noch – zu „erheblichen Verzerrungen“ von Preisen und Bremsspuren beim Strukturwandel.

IfW fordert Abschied von Strafzinsen

So könnten sich kranke Unternehmen durch billige Kredite künstlich am Leben halten, viele Staaten würden den Spielraum nicht zur Sanierung ihrer Finanzen nutzen, sondern für weitere Ausgabenprogramme: „Reformen werden verschleppt, Wachstumschancen gehen verloren.“ Kooths rät der EZB dringend dazu, die „willkürlichen“ zwei Prozent als Inflationsziel zugunsten eines Korridors aufzugeben. „Ein gradueller Abschied von Strafzinsen ist dringend geboten.“

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der deutschen Wirtschaft geht zunehmend die Puste aus: Im zweiten Quartal schrumpft die Wirtschaftsleistung. Auch die Aussichten für die kommenden Monate haben sich eingetrübt.

14.08.2019

Immer mehr Familien können sich die Mieten in großen Städten nicht leisten. Viele von ihnen könnten in Sozialwohnungen ziehen. Aber in welche Sozialwohnungen eigentlich? Die sind nämlich zunehmend rar - obwohl neu gebaut wird.

14.08.2019

In den USA ist es zu einer großen Fusion zweier Medienunternehmen gekommen. CBS und Viacom zählen zu den größten Firmen in diesem Sektor in den USA. Die Fusion ist eine Rolle rückwärts. Bis 2006 gehörten die beiden bereits zusammen.

15.08.2019