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20:53 20.01.2017
Von Jan von Schmidt-Phiseldeck
Vier Gründer (v.li.): Tim Staufenberger („Kieler Meeresfarm“), Frederik Rimpf („Fischalarm“), Nadine Sydow („Schnexagon“) und Daniel Gieseler („Fischbar“ und „Hafenjunge“). Quelle: Benjamin Diedering
Kiel

 Im sechsten Teil der von der Friedrich-Naumann-Stiftung initiierten Veranstaltungsreihe „Kiel, be innovative!“ nahmen die Zuhörer eine Botschaft mit nach Hause: Mut zahlt sich aus in der Gründercity Kiel – trotz manch schlafloser Nacht.

 Davon weiß Biologin Nadine Sydow, Kieler Erfinderin des bereits etablierten Anti-Schnecken-Mittels „Schnexagon“, zu berichten: „In der Gründungsphase schläft man wie ein Baby – alle vier Stunden aufwachen und weinen.“ Sie bezeichnet sich selbst als ein „ziemlich schlechtes“ Beispiel dafür, wie der Prozess bis zum Unternehmen verlaufen sollte, das im vergangenen Jahr bereits einen Umsatz von 150000 Euro verbuchen konnte. „Ich habe mich ziemlich blöd angestellt, was die finanzielle Förderung anging. Und gelernt: Crowdfunding darf nur Plan Z sein.“

 Zwar gelingt es ihr, mit einem neuartigen Schneckenzaunanstrich aus der Kombination natürlicher Öle und Tenside beim Ideenwettbewerb 2014 den ersten Preis zu gewinnen – bis zur Marktreife sind jedoch noch etliche Hürden zu nehmen. Erst mit Hilfe eines erfahrenen Unternehmers aus Flensburg, der einen Masterplan zur Umsetzung des Unternehmenskonzeptes erarbeitete, gelingt der Durchbruch.

 Ihr Anti-Schnecken-Mittel ist mittlerweile in mehr als 500 Baumärkten und Fachgeschäften in Deutschland gelistet, Demeter- und Bioland-zertifiziert. In diesem Jahr soll nun der französische Markt erobert werden. Auch ein neues Produkt gegen Seepockenbefall ist geplant, berichtet Sydow. Ihr Rat an Gründungswillige: mit Profis arbeiten, Pläne anpassen, präsent sein – „nur wer Angst hat, kann mutig sein“.

 Mut beweist auch Frederik Rimpf aus Eckernförde, der gemeinsam mit seinem Bruder Raffael in diesem Jahr die App „Fischalarm“ auf den Markt bringen will. Ein Marktplatz für die Fischvermarktung, die kleine regionale Fischer und ihre Produkte mit Kunden zusammenbringen möchte. Seit Dezember können die Brüder dank eines neuen Gründerstipendiums des Landes sechs Monate lang an der Entwicklung der App arbeiten. „Eine Gründung nach dem Studium ist risikoarm, aber nicht risikofrei“, sagt Rimpf. Und wenn es nach dem halben Jahr nicht mit dem Marktdurchbruch klappt? „Dann suche ich mir einen anderen Job.“ Unverzichtbar sei, immer wieder über die Gründungsidee zu sprechen – „das ist ganz wichtig, um sich selbst korrigieren zu können und das Produkt bekannt zu machen“.

 Dass ein Marketingplan entscheidend für den Erfolg eines Start-ups ist, weiß auch der Kieler Daniel Gieseler. Der Gründer der „Fischbar“ und der Kneipe „Hafenjunge“ hat das Unternehmen 2012 nach anderthalbjähriger Entwicklung gemeinsam mit Philipp Dornberger aus der Taufe gehoben. Heute arbeiten 35 Mitarbeiter für Gieseler, dessen Unternehmen weiter langsam wachsen soll. „Unsere Teilnahme an der ersten Staffel der Gründer-Show ,Die Höhle der Löwen’ hat uns sicherlich viel geholfen“, sagt Gieseler. Schwer war allerdings die Gründungsphase: Banken wollten kein Geld geben, Fischer mussten mühsam zur Zusammenarbeit überredet werden. Und immer noch sei es, so Gieseler, schwer zu vermitteln, dass die „mit ganz viel Liebe“ in Handarbeit und mit regionalen Produkten verkauften „geilen“ Fischbrötchen teurer als beim Mitbewerber seien: „Die Leute müssen verstehen, dass Fisch nicht auf den Bäumen wächst.“

 Dieses Problem kennt auch Tim Staufenberger, im dritten Jahr mit der „Kieler Meeresfarm“ und Miesmuscheln am Kieler Tiessenkai am Start: „Aufgrund der geringen Produktionsmenge und den hohen wöchentlichen Analysekosten muss ich elf Euro pro Kilogramm nehmen. Da gibt es schon eine Menge Redebedarf.“

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