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Wirtschaft Ein Mittel gegen Falschparker
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18:18 05.07.2019
Von Anne Holbach
Paul Struck (v. li.), Lutz Schroeder und Nicole Frömming haben Parknotruf.de gegründet. Quelle: Frank Peter
Kiel

Autofahrer nehmen vor allem in der Innenstadt auf der Suche nach freien Plätzen keine Rücksicht auf Besitzverhältnisse und glauben, dass ohnehin nichts passiert. Tatsächlich greifen Inhaber selten zum äußersten Mittel, weil sie das Geld für den Abschleppdienst erst auslegen und hinterher eintreiben müssen. Parknotruf.de aus Kiel will das ändern: Künftig sollen Geschäftsleute die Falschparker online melden können.

Idee wurde aus eigener Not geboren

Auf die Geschäftsidee kamen der Kieler Anwalt Lutz Schroeder und die Werber Paul Struck und Nicole Frömming aus eigener Betroffenheit. Sie haben ihren Sitz in der Andreas-Gayk-Straße. Ständig waren ihre Parkplätze im Hinterhof blockiert. Der Frust war groß, auch persönliche Ansprache brachte nichts.

„Jemanden zuzuparken oder das Auto anders zu blockieren, ist rechtlich nicht zulässig“, sagt Schroeder. Das wäre strafbare Nötigung. Auch ein Anruf bei der Polizei nützt nichts, weil sie nicht zum Schutz privater Parkplätze aktiv wird. „Abschleppen ist das Einzige, was geht“, sagt der Jurist. „Aber dann sitze ich auf einer Rechnung von 200 Euro und habe nichts außer dem Kennzeichen in der Hand, um mein Geld wiederzubekommen.“

Für Nutzer sollen keine Kosten entstehen

Parkplatzbesitzer dürfen widerrechtlich auf ihrem Grund abgestellte Autos abschleppen und sich die Kosten dafür vom Falschparker ersetzen lassen. Diese Forderung treten sie an das Start-up ab. Zuerst müssen Nutzer sich hierfür auf Parknotruf.de registrieren. Es sei klug, das vorbeugend zu tun, damit alles einsatzbereit sei für den Fall der Fälle.

Mit der Registrierung werde kein Vertrag geschlossen oder eine Verpflichtung eingegangen, den Service auch zu nutzen, betont Frömming. Kosten entstünden nicht. Zielgruppe sind neben Besitzern von Firmen- oder Kundenparkplätze auch Privatleute, die an ihrem Wohnhaus einen Stellplatz gemietet haben.

Ein Foto von vorne, ein Foto von der Seite

„Der Nutzer muss das Auto des Falschparkers einmal von der Seite fotografieren und einmal frontal, so dass das Kennzeichen zu sehen ist“, erklärt Paul Struck. Per Knopfdruck auf dem Smartphone wird dann der Abschleppauftrag erteilt, die Kosten übernimmt Parknotruf.

Wer eine Meldung macht, bekommt dafür 10 Euro. „Das ist nicht als Belohnung gedacht, die Leute dazu animieren soll, sich auf die Lauer nach Falschparkern zu legen“, sagt Struck. Es gehe um Respekt vor Eigentum und Gerechtigkeit. Das Geld sei eine Aufwandsentschädigung für die Dokumentation.

Falschparker müssen "ortsüblichen" Preis für Abschlepper zahlen

Diese werde nicht etwa auf die Kosten für den Parksünder draufgeschlagen. Das Unternehmen darf nicht mehr als die „ortsüblichen Kosten“ fürs Abschleppen kassieren, so legt es ein Urteil des Bundesgerichtshofs fest.

Das seien in Kiel rund 200 Euro, nachts oder am Wochenende mehr, so Schroeder. Die Firma finanziert sich über Kooperationen mit örtlichen Abschleppdiensten, mit denen sie Rahmenverträge abschließt und eine Art Provision für die vermittelten Aufträge bekommt.

Ein Jahr hat das Trio an der Idee gearbeitet, seit drei Wochen ist die Webseite scharf geschaltet. Auf den ersten Parkplätzen in Kiel und Umgebung, die registriert sind, weisen Schilder und Sticker auf die Plattform hin.

Erst nach Rechnungszahlung wird Standort des Autos verraten

Ist das Auto weg, können Falschparker online ihr Kennzeichen eingeben. Sie müssen erst die Rechnung für den Abschleppdienst per Paypal oder Kreditkarte begleichen. Dann erfahren sie, wo sie ihr Fahrzeug wiederbekommen. Das ist nach dem Zurückbehaltungsrecht erlaubt. Wer sein Auto ortet und es einfach abholt, kommt nicht davon. Das Unternehmen mache eine Halterabfrage und schicke eine Rechnung.

Service soll es bald auch in anderen Städten geben

Ziel der Gründer ist es, dass der Dienst bundesweit Verbreitung findet. Die zweite Stadt ist schon in den Startlöchern, Ende des Monats soll der Parknotruf auch in Hildesheim funktionieren. In Deutschland gibt es bereits ähnliche Meldedienste wie Park-Collect und Myparkplatz24. Sie mahnen allerdings Falschparker ab und kassieren Strafen.

Im Norden wird gern mit dem Flugzeug verreist. Ungeachtet der Klimaschutzdebatte planen 40 Prozent der Urlauber eine Sommerreise mit Flieger. Das zeigt sich auch am Hamburger Flughafen, wo der Verkehr zunimmt. Über eine freiwillige Zahlung kompensieren will das kaum ein Urlauber.

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