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Wirtschaft Bau eines Riesen-U-Boots
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08:07 10.10.2014
Von Frank Behling
14 Nationen interessieren sich für in Kiel gebaute U-Boote wie die "Titan" Quelle: fb
Kiel

Mit dem neuen Entwurf reagiert die Werft auf die steigende Nachfrage nach großen U-Booten auf dem Weltmarkt.

TKMS hat die Palette seiner U-Boote damit überraschend um einen fünften Typ erweitert. „HDW Klasse 216“ heißt der Entwurf, der hinsichtlich Größe, Gewicht und Bewaffnung alles bisher Gebaute in den Schatten stellt. Marschflugkörper, Mini-U-Boote für Kampfschwimmer oder Drohnen sind bei dem neuen Typ in der Ausrüstung möglich. Der Stückpreis soll bei mehr als 500 Millionen Euro liegen.

Werftvertreter hatten den Entwurf eines größeren Bootes seit Jahren angedeutet. Doch jetzt bekommt der Plan Konturen: „HDW 216“ soll um die 90 Meter lang und 4000 Tonnen schwer sein, mehr als 60 Soldaten sollen zur Besatzung zählen. Diese Eckdaten bestätigte eine Sprecherin des Konzerns. Damit wäre der neue Typ 22 Meter länger als das größte bislang in Kiel gebaute U-Boot. Dabei handelte es sich um die für Israel produzierte „Tanin“, die gerade ausgeliefert worden ist. Die „Tanin“ ist 68 Meter lang und verdrängt etwa 2400 Tonnen.

Die „HDW Klasse 216“ ist nach Angaben von Insidern aus der Werftbranche die Antwort auf die wachsende Konkurrenz aus Frankreich, Russland und seit kurzem auch aus Japan. Die Japaner durchkreuzen gerade mit dem U-Boot-Typ „Soryu“ die Verhandlungen von TKMS mit Australien. Die „Soryu“-U-Boote sind 84 Meter lang, verdrängen 4200 Tonnen und haben 65 Besatzungsmitglieder.

Der Vorstand der TKMS-Werft hatte in der Vergangenheit mehrmals auf die steigende Nachfrage nach größeren U-Boot-Typen hingewiesen. Der neue Typ befinde sich gegenwärtig in der Konzeptphase, sagte die Konzernsprecherin. Zu konkreten Verhandlungen mit Empfängernationen machte sie allerdings noch keine Angaben.

Wenn der erste Auftrag eingeht, stehen der Kieler Werft einige Umbauten ins Haus. Denn die Fertigungsanlagen in den Hallen und der Lift müssen für die außergewöhnlichen Maße des Riesen-U-Boots ausgebaut werden. Der Auftrag würde aber nicht nur Arbeitsplätze in Gaarden sichern. „Der U-Boot-Bau ist ein Wachstumsmarkt, an dem auch die Marinetechnik in Schleswig Holstein in hohem Maße partizipiert“, sagt Dieter Hanel, Vorsitzender des Arbeitskreises Wehrtechnik Schleswig-Holstein.