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Wirtschaft „Der Arbeitsmarkt läuft robust “
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21:34 31.07.2019
Von Christin Jahns
Margit Haupt-Koopmann, Chefin der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit, spricht im Interview über die Konjunktur in Schleswig-Holstein. Quelle: Stefan Sauer
Kiel

Die Arbeitslosigkeit im Norden geht weiter zurück. Wie lange wird der Trend noch anhalten?

Margit Haupt-Koopmann: Wir sehen bei unseren Frühindikatoren noch keine Auswirkung der konjunkturellen Abschwächung am Arbeitsmarkt. Das stellt sich in anderen Teilen Deutschlands anders dar, aber bei uns läuft der Arbeitsmarkt nach wie vor robust und solide. So haben wir nach wie vor einen Zuwachs an sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen auf hohem Niveau. Das zeigt, dass die Konjunktur in Schleswig-Holstein insgesamt rund läuft.

Gehen Sie davon aus, dass das im kommenden Jahr anhält?

Ich rechne auch in den nächsten Monaten mit einer ganz normalen Entwicklung. Für das kommende Jahr wird noch niemand Aussagen treffen. Unser Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung veröffentlicht Ende September eine Prognose für das nächste Jahr.

Anders als früher werden Arbeitskräfte heute möglichst in den Unternehmen gehalten. Hat der Fachkräftemangel auch positive Auswirkungen?

Ich begrüße es sehr, dass gerade in den saisonabhängigen Bereichen wie dem Hotel- und Gaststättengewerbe die Unternehmen dazu übergegangen sind, Mitarbeiter auch über den Winter zu beschäftigen. Das ist eine sehr, sehr gute Entwicklung. Die Unternehmen wissen, dass sie so schnell keine gute Fachkraft bekommen und die Konkurrenz schläft nicht. Das ist eine Entwicklung, die wir uns schon seit Jahren gewünscht haben, und die man jetzt immer stärker sehen kann.

Schleswig-Holstein hat deutschlandweit die meisten Schulabbrecher. Gibt es Nachholbedarf, Schüler in schwierigen Phasen zu unterstützen?

Wir bieten berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen an, in denen Jugendliche ihren Schulabschluss nachholen können. Für uns ist wichtig, dass kein Jugendlicher verloren geht. Schlimm wäre es, wenn die Jugendlichen sich nicht melden und stattdessen un- und angelernt im Arbeitsmarkt landen.

Was können Firmen tun, um Anreize für Azubis zu schaffen?

Viele Unternehmen finden nicht den für sie passenden Auszubildenden, weil die Voraussetzungen aus ihrer Sicht nicht vorhanden sind. Hier ist Kompromissbereitschaft gefordert. Ich spreche bei diesen Jugendlichen gerne von ‚Rohdiamanten‘, in die man investieren muss, um sie zu entwickeln und zu unterstützen. Dabei können wir – die Arbeitsagenturen und Jobcenter – die Betriebe durch verschiedene Angebote unterstützen, etwa die assistierte Ausbildung oder die ausbildungsbegleitenden Hilfen. Oft sind es auch das Image oder bestimmte Rahmenbedingungen, die Jugendliche daran hindern, sich für bestimmte Ausbildungsberufe zu interessieren. Da hilft es natürlich, auch Anreize zu schaffen. In ländlichen Regionen kann man als Unternehmen vielleicht einen Führerschein oder eine Wohnung anteilig finanzieren oder die Mitgliedschaft im Fitnessclub bezahlen.

Wie gut funktioniert die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt?

Ich habe immer gesagt, dass wir einen langen Atem brauchen. Aber wir stellen fest, dass zunehmend auch die Geflüchteten, gerade dann, wenn sie ihre Sprachkurse absolviert haben, am Arbeitsmarkt Fuß fassen. Im ganzen Jahr 2017 kamen so 2490 arbeitslose Geflüchtete in Arbeit. 2018 waren es 4048 und jetzt sind es bis Ende Juli schon 3000. Das heißt: Die Entwicklung geht in die richtige Richtung. Wir sehen, dass auch mehr junge Geflüchtet eine Ausbildung ergreifen. Von daher dürfen wir auch nicht nachlassen, hier weiter zu unterstützen. Denn es ist schon eine große Herausforderung, die Abschlussprüfung in deutscher Sprache zu machen.

Nun kündigen sich auch Hiobsbotschaften an. Senvion ist da nur ein Beispiel. Wie treffen solche Entwicklungen den Arbeitsmarkt?

Beim Windenergiekonzern Senvion ist völlig offen, wie es weiter geht. Daher werde ich mich nicht an Spekulationen beteiligen. Aber ich möchte grundsätzlich auf die große Aufnahmefähigkeit des Arbeitsmarktes in Schleswig-Holstein für Fachkräfte hinweisen.

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