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Nachrichten Wirtschaft Krise trifft Shopping-Center in Schleswig-Holstein
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18:10 30.09.2019
Von Anne Holbach
Sophienhof-Center-Manager Karsten Bärschneider ist überzeugt von der Aufenthaltsqualität des Centers. Quelle: Frank Peter (Archiv)
Hamburg/Kiel

Selbst in großen Metropolen und sogenannten Toplagen geht die sogenannte Frequenz, die anzeigt, wie viele Menschen sich in der Stadt bewegen, inzwischen zurück.

Während das Immobilienunternehmen Unibail-Rodamco-Westfield in der Hamburger Hafencity gerade noch ein neues Einkaufszentrum baut, hat Konkurrent ECE, der größte europäische Einkaufscenter-Betreiber, schon eine radikale Abkehr angekündigt. Nur in Singen nahe der Schweizer Grenze, wo die wohlhabenden Nachbarn einkaufen sollen, wird noch ein neues Center errichtet. Ansonsten plant ECE aktuell keine weiteren Malls mehr in Städten.

„Der Anteil des Einzelhandels an den privaten Konsumausgaben geht bundesweit zurück. Die Leute geben ihr Geld für andere Dinge aus. Gleichzeitig hat sich in den vergangenen zehn Jahren die Verkaufsfläche deutlich vergrößert“, sagt Dierk Böckenholt, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Nord.

Haerder-Center in Lübeck hat zu kämpfen

Schleswig-Holstein habe sogar eine besonders hohe Dichte, hier stehen 1,8 Quadratmeter Verkaufsfläche pro Einwohner bereit. Der Bundesschnitt liegt nur bei 1,45 Quadratmetern. Das sorge für enormen Wettbewerbsdruck in den Innenstädten, der sich natürlich auch auf Shoppingcenter auswirke und sich in Leerständen widerspiegele.

Das Haerder-Center in Lübeck hat zu kämpfen. Auch in der Königpassage in der Hansestadt Lübeck war zuletzt viel Leerstand, dort zieht nun die Stadtverwaltung mit Büros ein.

Onlinehandel als Brandbeschleuniger

Der wachsende Onlinehandel sei eine Art „Brandbeschleuniger“, der die Situation verschärfe, so Böckenholt. Zudem ändere sich die Angebotsform. Lange Zeit seien große Unterhaltungselektronikmärkte die Ankermieter gewesen, die große Flächen brauchten.

Heute kommen diese mit weniger Platz aus, weil auch sie viel über das Internet vertreiben. Laut einer Studie des EHI Retail Institutes rechnen knapp zwei Drittel der Center-Manager damit, dass Elektronikhändler weniger Mietfläche einnehmen. Von der Bekleidungsbranche erwarten das 73 Prozent. Ob sich das negativ auf ein Center auswirke, hänge stark vom Management und der Marktstärke des Betreibers ab, so Böckenholt.

Noch keine Rückgänge beim Sophienhof Kiel

Der Sophienhof in Kiel, der ebenfalls zur ECE-Gruppe gehört, stellt noch keine Frequenzrückgänge fest. „Wir profitieren von unserer Rolle als Verbindungsscharnier zwischen Bahnhof und Stadt“, sagt Manager Karsten Bärschneider. Grund für den Erfolg sei sicher auch, dass der Sophienhof schon 2013 modernisiert wurde und mit seinem großen Foodcourt viel Aufenthaltsqualität biete.

Es reiche heute eben nicht mehr, nur noch aus Geschäften zu bestehen. Auch Entertainmentprogramm sei ein wichtiger Faktor, um Kunden anzuziehen. „Auch heute wollen die Menschen immer noch flanieren und shoppen“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Helmut Dedy. „Eine Innenstadt muss aber auch ein kommunikativer Treffpunkt sein, Erlebnisse über das Einkaufen hinaus bieten und zum Verweilen einladen.“

Der Handel teilt sich laut EHI Retail Institute die Mietflächen in Shopping-Centern häufig mit anderen Branchen. So ist fast jedes zweite Einkaufszentrum auch Bürostandort. Mit 41 Prozent ist die Gesundheitsbranche ebenso oft vertreten. Mischnutzungen mit Wohnungen (16 Prozent) und Hotels (sechs Prozent) sind dagegen selten.

So ist die Situation im Citti-Park

Es gehe längst nicht nur darum, dass mit dem Einkauf die Grundversorgung abgedeckt werden könne, sagt auch Harald Rottes, Leiter der Citti-Einkaufscenter. „Sie können hier auch zum Arzt gehen, und die Kinder haben Platz zum Spielen. Das ist schon lange unsere Philosophie.“ Und die scheint aufzugehen.

„Wir spüren die Auswirkungen des Internethandels noch nicht“, sagt Rottes. In allen Centern steige die Frequenz, und es gebe Zuwächse beim Umsatz. Trotzdem nehmen die Managements der Häuser die Entwicklung sehr ernst, so Rotter. „Wir investieren viel, um die Aufenthaltsqualität zu verbessern. Es ist uns wichtig, dass die Kunden sich bei uns wohlfühlen.“

Ranking

Citti-Park auf dem Treppchen

Laut dem aktuellen „Shoppingcenter Performance Report“ steht das erfolgreichste Einkaufszentrum Deutschlands in Greifswald. Der Elisen Park wurde bei der jährlichen Umfrage des Wiesbadener Unternehmens Ecostra unter Mietern mit der Schulnote 1,50 am höchsten bewertet. Auf Platz zwei unter den 239 bewerteten Centern kam das Famila Einkaufsland Wechloy in Oldenburg (1,56). Die Bronzemedaille ging an den Kieler Citti-Park, der mit einer 1,58 bewertet wurde. Der Lübecker Citti-Park landete auf Platz acht. Unter den Schlusslichtern befindet sich die Holsten Galerie in Neumünster, die Rang 230 einnahm.

Holmpassage in Flensburg leidet an baulicher Situation

Vielen älteren Einkaufszentren fehlt es laut Böckenholt an Investitionen. Andere haben aus baulichen Gründen zu kämpfen. Ein Beispiel sei die Holmpassage in Flensburg. „Die ist nicht leicht zu entwickeln, weil es sich um einen sehr langen Schlauch mit Sackgassensituation handelt“, so Böckenholt. Da müsse der Kunde erst dazu gebracht werden, bis zum Ende durchzulaufen.

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