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Wirtschaft XXL-Lastwagen kommen in Fahrt
Nachrichten Wirtschaft XXL-Lastwagen kommen in Fahrt
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10:09 14.02.2019
Von Christin Jahns
Die Fahrzeuge mit einer Länge von 25,25 Metern können rund 50 Prozent mehr Ladung aufnehmen als ein herkömmlicher Sattelzug. Quelle: Maurizio Gambarini
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Kiel/Lübeck

Auch die PostNord Logistics GmbH in Travemünde hat einen zweiten Lang-Lkw angeschafft. „Die Einsparungen sind beachtlich“, sagt Geschäftsführer Charles Prussky. So kann das Fahrzeug rund 50 Prozent mehr Ladung aufnehmen als ein herkömmlicher Sattelzug.

Nach einem Feldversuch des Bundesverkehrsministeriums sind die überlangen Lkw seit Januar 2017 auf deutschen Straßen zugelassen. Eine Ausnahmeverordnung schreibt die zugelassenen Strecken fest. Im sogenannten Positivnetz sind für Schleswig-Holstein vor allem die Autobahnen gelistet, dazu noch einzelne wichtige Verbindungsstrecken wie etwa die B207 vom Fährhafen Puttgarden zur A1 oder in Kiel die Verbindung von der A215-Abfahrt Melsdorf zum Gewerbegebiet Ihlberg. Die Liste ist beim Bundesverkehrsministerium abrufbar und ganze 62 Seiten lang.

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Lang-Lkw sind nur auf Autobahnen und wichtigen Verbindungsstrecken zugelassen

„Es ist nicht einfach, die einzelnen Strecken herauszufinden, die befahren werden dürfen“, kritisiert Jörg Braatz, Geschäftsführer von Voigt Transport in Neumünster. Das Unternehmen ist täglich mit einem Lang-Lkw im Einsatz. Es könnte aber noch zwei weitere einsetzen, wenn mehr Strecken nutzbar wären. Diesen Nachteil beobachtet auch Thomas Rackow, Geschäftsführer des Landeslogistikverbands. „Lang-Lkw sparen zwar Kosten, sind in der Anschaffung aber teurer“, sagt Rackow. „Da die Lkw viele Straßen im Stadtgebiet nicht befahren dürfen, müssten die Spediteure für das letzte Stück zum Kunden auf kleinere Lkw umladen. Das lohnt sich oftmals nicht und hindert bislang viele Unternehmer an der Investition in einen größeren Lkw.“

Lang-Lkw könnte etwa 170 Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr einsparen

„Mit dem Einsatz des zweiten Lang-Lkw können zwei weitere Zugmaschinen mit Fahrer und Sattelzug auf unserem Betriebshof bleiben“, sagt Geschäftsführer Prussky. Somit könnten pro Jahr etwa 170 Tonnen CO2-Emissionen eingespart werden, zudem würden die Betriebskosten reduziert. „Außerdem können wir mit den überlangen Lastwagen besser auf den Mangel an Berufskraftfahrern reagieren“, erklärt Prussky.

Nabu fürchtet Rückverlagerung auf die Straße - Bernd Buchholz sieht Effizienzgewinn durch Lang-Lkw

Der Naturschutzverband Nabu hält die langen Lastwagen dennoch für den falschen Weg und fürchtet, dass die billige Transportmöglichkeit zu einer Rückverlagerung des Transports von der Schiene auf die Straße führt. Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) steht dem Einsatz dagegen positiv gegenüber. „Zwei Lang-Lkw können drei normale Lkw ersetzen, was zu Kraftstoffersparnissen, CO2-Reduzierung und Effizienzgewinnen führt.“ Die von Kritikern befürchteten Sicherheitsrisiken hätten sich im Zuge des Feldversuches nicht bestätigt. Auch eine Verlagerung des Güterverkehrs von der Schiene auf die Straße sei nicht zu beobachten. „Lang-Lkw werden in der Regel im Punkt-zu-Punkt-Verkehr zu Zielen ohne Bahnanbindung eingesetzt“, sagt er. Das Land hat neun weitere Strecken für das Positivnetz gemeldet. Spätestens Mitte des Jahres könnten sie für Lang-Lkw freigegeben werden.