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Wirtschaft Milchproduktion im Norden wird zunehmen
Nachrichten Wirtschaft Milchproduktion im Norden wird zunehmen
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14:53 28.02.2013
Von Deutsche Presse-Agentur dpa
Die Liberalisierung des europäischen Milchmarktes wird nach Ansicht von Landwirtschafts- und Umweltminister Robert Habeck (Grüne) zu einer höheren Milchproduktion im Norden führen. Quelle: dpa
Kiel

Die Liberalisierung des europäischen Milchmarktes wird nach Ansicht von Landwirtschafts- und Umweltminister Robert Habeck (Grüne) zu einer höheren Milchproduktion im Norden führen. Auch der Exportanteil von bisher zwei Dritteln der Produktion werde weiter steigen, sagte Habeck am Donnerstag in Neumünster auf dem Milchbauerntag. Dort wurden Sorgen vor einem Preisverfall laut, wenn voraussichtlich 2015 Mengenbegrenzungen wegfallen und der europäische Markt sich auch für Drittländer mehr öffnet.

Nach Einschätzung Habecks wird der Milchpreis dann noch mehr schwanken als bisher. Er halte die Einführung eines ausgleichenden Systems zu Preisschwankungen, wie es der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) vorschlage, für richtig. Nach den Vorstellungen des BDM sollte ein Bonus-Malus-System eingeführt werden: Fahren Betriebe bei einem niedrigen Milchpreis die Produktion herunter, sollen sie finanzielle Hilfen erhalten, stärker produzierende Betriebe dagegen Abgaben zahlen müssen. Im Agrarausschuss des Europaparlaments stößt der Vorschlag auf positive Resonanz.

Eine seit langem geforderte Monitoring-Stelle auf EU-Ebene zur Beobachtung des Milchpreises wird nach Einschätzung Habecks in jedem Fall kommen. Umstritten ist laut BDM aber, welche Kompetenzen diese Einrichtung bekommen soll.

Trotz wachsenden wirtschaftlichen Drucks müsse sich die Milchbewirtschaftung stärker an Umweltkriterien orientieren, forderte Habeck. „Förderungen können nicht mehr allein am Prinzip der Wettbewerbs- und Wirtschaftlichkeitssteigerung vergeben werden. Sie müssen mindestens auch ökologische Aspekte berücksichtigen oder der Tiergesundheit Rechnung tragen“, forderte der Minister. Ziel müsse eine „nachhaltige Intensivierung“ sein, etwa durch Untersaat und Fruchtfolgen. Dass dies wirke, sei seit langem bekannt. „Wenn man das weiß, verdammte Kiste, dann soll man das doch machen“, sagte Habeck. „Der Kostendruck ist dafür zu hoch“, erwiderte eine BDM-Sprecherin.

Das Land wolle helfen, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit miteinander zu verbinden, sagte Habeck. Als Maßnahmen nannte er die Förderung von Direktvermarktung und Erzeugergenossenschaften sowie die Förderung des ökologischen Landbaus und zur Grünlandbewirtschaftung.

Den wirtschaftlichen Druck der Betriebe machte Habeck anhand der Entwicklung des Milchpreises deutlich. Dieser liege bei etwa 30 Cent - wie bereits bei der Einführung des Euro um die Jahrhundertwende. Laut BDM wären eigentlich 41 Cent notwendig. Die Inflationsrate seit der Euro-Einführung liege bei 130 Prozent, während die Lebensmittelpreise in Deutschland um neun Prozent gestiegen seien, betonte Habeck. In Schleswig-Holstein ist die Zahl der Milchbetriebe seit 1990 von 13 000 auf unter 5000 gesunken. Zugleich sei die Milchleistung jeder Kuh statistisch von 4880 auf rund 8000 Liter gestiegen; im Norden gibt es rund 350 000 Milchkühe.

Angesichts der ökologischen Belastungen der Böden — erhöhte Nitratwerte durch Gülle und Maisanbau — sei eine höhere Produktion der Betriebe keine akzeptable Lösung, meinte Habeck. In der Fragerunde mit Milchbauern wurde die Hoffnung geäußert, dass neue Märkte wie Russland oder Indien die Abhängigkeit von großen Supermarktketten — und damit deren Preisdiktat — entschärfen könnten. Habeck beurteilte dies skeptisch.

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