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Nachrichten Wirtschaft Mindestlohn: Betriebe streichen Lehrstellen
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06:04 01.11.2019
Von Karen Schwenke
Auch angehende Schneiderinnen sollen bald Mindestlohn erhalten. Das stellt die auszubildenden Betriebe vor Herausforderungen. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
Kiel

"Mit der Mindestausbildungsvergütung wird die betriebliche Ausbildung in einigen Handwerken nahezu unmöglich gemacht", sagte Andreas Katschke, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Lübeck. "Vor allem künstlerisch-kreative Handwerksberufe, wie Schneider, Goldschmiede, Keramiker und Fotografen, sind betroffen."

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In diesen Berufen bekommen Auszubildende im ersten Lehrjahr derzeit zwischen 153 und 290 Euro. Nach dem Parlamentsbeschluss sollen Auszubildende ab 2020 mindestens 515 Euro im ersten Lehrjahr verdienen. Der Betrag wird bis 2023 schrittweise auf 620 Euro erhöht. "Die Mindestausbildungsvergütung können sich unsere Betriebe wirtschaftlich nicht leisten und werden daher nicht mehr ausbilden", erklärte Angela Ziemer, Landesinnungsmeisterin des modeschaffenden Handwerks.

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Wird die Ausbildung durch bessere Bezahlung attraktiver?

Mit der besseren Bezahlung will die Bundesregierung die Berufsausbildung attraktiver machen. Daran äußerte Katschke Zweifel. Es sei fraglich, ob so genügend zusätzliche Auszubildende gewonnen werden könnten, um zahlenmäßig den Wegfall der künstlerisch-kreativen Ausbildungsplätze zu kompensieren.

Trotz der geringen Vergütung leiden die künstlerisch-kreativen Berufen weder unter Nachwuchsproblemen noch unter einem Fachkräftemangel. "Wir haben nicht zu wenig Bewerber, sondern zu wenig Ausbildungsbetriebe", sagte Ziemer.

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Dasselbe gelte laut Landesobermeister Uwe Frieß für die Gold- und Silberschmiede. Für seine Branche kündigte er an: "Kein Betrieb wird mehr ausbilden." So seien Azubis mit einer Vergütung von 220 Euro im Monat bisher von Sozialabgaben befreit gewesen. Dies ändere sich bei einer Erhöhung auf 515 Euro. Auch die Betriebe müssten künftig höhere Sozialversicherungsabgaben entrichten, "so dass sich ihre Kosten verdreifachen".

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Konditoren in Schleswig-Holstein können sich Mindestlohn leisten

Etwas entspannter ist die Lage bei den Konditoren, die bisher 400 Euro im ersten Lehrjahr verdienten. Landesinnungsmeister Peter Czudaj aus Lübeck vermutet, dass sich jeder Betrieb den neuen Mindestlohn leisten könne. Allerdings gebe es auch in diesem Beruf keinen Fachkräfte- oder Nachwuchsmangel. Die Konditor-Ausbildung sei beliebt. Hingegen fehlen Anwärter zum Konditorei-Fachverkäufer, obwohl die Azubis gleich bezahlt werden. "Das will aber keiner machen", sagt der Innungsmeister. "Daran wird eine höhere Vergütung nichts ändern. Die Attraktivität einer Ausbildung hängt nicht von der Vergütung, sondern von den Ausbildungsinhalten ab."

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