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Wirtschaft Schweröl: Kritik an Kreuzfahrten
Nachrichten Wirtschaft Schweröl: Kritik an Kreuzfahrten
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13:16 21.08.2018
Von Frank Behling
Mit den Schiffen "Aidaperla" (Foto) und "Aidaprima" wurde Flüssigerdgas als Treibstoff in der Kreuzfahrt eingeführt. Die neue "Aidanova" soll als erstes Schiff komplett mit LNG betrieben werden. Quelle: Frank Behling
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Berlin

Die Schifffahrt hat beim Umweltschutz noch einen weiten Weg vor sich. Nur eine Handvoll der rund 400 weltweit eingesetzten Kreuzfahrtschiffe sind nach Einschätzung des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) beim Schadstoffausstoß auf einem guten Weg. Besonders die deutschen Veranstalter Aida Cruises, Hapag-Lloyd Kreuzfahrten und TUI Cruises machen nach dem aktuellen Kreuzfahrtranking des Nabu Fortschritte. Am Vormittag präsentieren die Umweltschützer in Berlin ihre diesjährige Bewertung.

Auf dem Platz eins der Rangliste liegt das KreuzfahrtschiffAidanova“ der Rostocker Reederei, das heute in Papenburg bei der Meyer Werft ausgedockt wird. Der 337 Meter lange Koloss soll ab Mitte November als neues Flaggschiff für den deutschen Marktführer in Fahrt kommen. Angetrieben wird die „Aidanova“ von vier in Kiel entwickelten Dual-Fuel-Motoren des Typs MaK M46, die mit Flüssigerdgas (LNG) versorgt werden. Als weltweit erstes Kreuzfahrtschiff hat "Aidanova" drei Spezialtanks für Treibstoff an Bord, der eine Temperatur von 162 Grad Minus hat.

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Emission wird gesenkt

Diese Form des Antriebs mit LNG gilt derzeit bei Schiffen als besonders fortschrittlich, da die Emissionen an Stickoxid, Schwefeldioxid und Feinstaub drastisch gesenkt werden. Nur Kohlenstoffdioxid wird weiter ausgestoßen. 2016 und 2017 hat Aida mit den Schwestern "Aidaprima" und "Aidaperla" die ersten Kreuzfahrtschiffe in Dienst gestellt, die zumindest in den Häfen ihre MaK-Motoren mit LNG betreiben dürfen.

Scharfe Kritik übt der Nabu weiterhin am Einsatz von Schweröl als Treibstoff in der weltweiten Schifffahrt. Über 200 Millionen Tonnen dieses sehr schadstoffhaltigen Treibstoffes werden pro Jahr von der Welthandelsflotte verbrannt. Der überwiegende Teil davon in der Containerschifffahrt.

Lesen Sie auch: Dicke Schiffe - dicke Luft? Unser multimediales Dossier zur Kreuzfahrt

LNG als Treibstoff wenig verbreitet

Auf Nord- und Ostsee darf Schweröl seit 2015 nur noch mit Abgasnachbehandlungsanlagen benutzt werden. Auch viele Kreuzfahrtschiffe nutzen Schweröl in Kombination mit Abgasnachbehandlungstechnik wie den Scrubbern und Filtersystemen.

Der Nabu kritisiert, dass von den 104 derzeit weltweit in Bau befindlichen Kreuzfahrtschiffen bislang nur wenige auf LNG als Treibstoff vorbereitet werden. Dabei handelt es sich überwiegend um Schiffe, die in Europa und Nordamerika zum Einsatz kommen sollen. Für den Einsatz in Asien, Afrika oder Südamerika sind bislang keine LNG-Schiffe in Planung.

Ulrich Metschies 21.08.2018
21.08.2018
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