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Wirtschaft Senvion-Verkauf ist gescheitert
Nachrichten Wirtschaft Senvion-Verkauf ist gescheitert
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18:49 28.08.2019
Von Anne Holbach
Die Suche nach einem Gesamtinvestor für Senvion ist gescheitert. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
Osterrönfeld

Der insolvente Windkraftwerksbauer Senvion wird aufgeteilt und muss Teile seines Geschäftsbetriebs stilllegen. Insbesondere für die Turbinenfertigung in Bremerhaven mit 200 Mitarbeitern sehen die Perspektiven sehr schlecht aus, wie die Geschäftsleitung bei Betriebsversammlungen an den Senvion-Standorten am Mittwoch mitteilte. Für diesen Teil des Unternehmens seien keine Angebote eingegangen.

Gegenwärtig kann das Bremerhavener Werk noch einige Projekte abarbeiten, die der Belegschaft bis Ende des Jahres Beschäftigung geben. Auch die Gehaltszahlungen für September seien für die gesamte Senvion-Belegschaft gesichert.

Fertigung, Turbinenbau und Entwicklung werden nicht fortgeführt

Auch für den Standort Osterrönfeld schaut es schlecht aus: „Wir können jetzt mit Gewissheit sagen, dass die Fertigung, der Turbinenbau und die Entwicklung nicht fortgeführt werden“, sagte Martin Bitter von der IG Metall Rendsburg. „Klar ist: Der Verkauf als Ganzes ist gescheitert.“

Angebot für den Servicebereich von Senvion

Es gebe lediglich einen Interessenten für den Servicebereich. Der Servicebereich ist primär in Büdelsdorf angesiedelt, insgesamt gibt es aber 15 Servicestandorte in Deutschland.

Die Verhandlungen mit einem Investor müssen jedoch bis zum 10. September 2019 unter Dach und Fach sein. Dann ist die nächste Gläubigerversammlung angesetzt. „Der Zeitdruck ist nach wie vor da“, so Heiko Messerschmidt, Sprecher der IG Metall. Für den September sind die Gehälter aber noch gesichert.

Senvion-Mitarbeiter waren gefasst

In sogenannten "Town Hall Meetings" in Osterrönfeld, Hamburg und Bremerhaven hat das insolvente Unternehmen am Mittwoch seine Mitarbeiter über den Stand bei der Investorensuche informiert. Mitarbeiter, die nicht vor Ort sein konnten, wurden per Skype zugeschaltet.

„Es herrschte eine sehr gedrückte, aber gefasste Stimmung bei der Belegschaft“, sagte Bitter von der IG Metall Rendsburg.

Senvion-CEO Yves Rannou erklärte, man habe über die letzten Monate hinweg daran gearbeitet, "in dieser schwierigen Situation das bestmögliche Ergebnis" für das Unternehmen zu erreichen. "Wir stehen nun kurz vor einer Lösung für wesentliche Kernbereiche."

IG Metall Küste fordert Erhalt vieler Arbeitsplätze

Die IG Metall Küste fordert, möglichst viele Arbeitsplätze bei Verkauf des Service-Geschäfts zu sichern. „Der Verkauf des Unternehmens als Ganzes ist gescheitert. Dadurch drohen hunderte Entlassungen und die Schließung von Standorten“, sagte Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste.

„Nun geht es darum, möglichst viele Arbeitsplätze sowie tarifliche Arbeitsbedingungen bei einem Verkauf des Service-Geschäfts zu sichern. Dazu erwarten wir konkrete Vereinbarungen mit der Insolvenzverwaltung sowie Zusagen von möglichen Erwerbern“, so der Gewerkschafter. 

4000 Mitarbeiter betroffen

Senvion beschäftigt rund 4000 Menschen, davon sitzen etwa 1000 in Schleswig-Holstein. Sie arbeiten hauptsächlich im Service und in der Entwicklung. In Büdelsdorf werden Windkraftanlagen gewartet oder repariert. Im Techcenter in Osterrönfeld konstruieren Beschäftigte die Windanlagen, in Bremerhaven werden sie gefertigt. In Hamburg sitzt vor allem die Verwaltung.

„Wir gehen davon aus, dass 400 bis 600 Jobs erhalten werden können“, so Bitter. Wie viele davon in den Standorten in Schleswig-Holstein sind, sei noch unklar. Da auch die angrenzenden Bereiche wie das Engineering im Feld oder Fernwartung für die Investoren von Interesse sein könnten.  Wenn der Servicebereich an einen Investor verkauft wird, wäre auch Geld für eine Transfergesellschaft da.

Insolvenzanmeldung im April

Senvion hatte im April die Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. In eine finanzielle Schieflage war der Windanlagenbauer geraten, weil sich Projekte verzögerten und die Umsätze sanken. Mit einem Massekredit in Höhe von 100 Millionen Euro hatte der Hamburger Konzern bislang den Geschäftsbetrieb aufrechterhalten.

Das Land Schleswig-Holstein hatte vergangene Woche eine Beteiligung an einer Transfergesellschaft für Senvion-Mitarbeiter ausgeschlossen.

Mehr zu Senvion erfahren Sie auf unserer Themenseite.

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