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Wirtschaft Nach Piëch-Tod findet Winterkorn trotz altem Streit herzliche Worte
Nachrichten Wirtschaft Nach Piëch-Tod findet Winterkorn trotz altem Streit herzliche Worte
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19:42 28.10.2019
Der damalige Vorstandsvorsitzende der Volkswagen AG, Martin Winterkorn (l), und der damalige Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piech stehen zu Beginn einer Hauptversammlung des Autobauers nebeneinander. Quelle: Kay Nietfeld/dpa
Wolfsburg

Als Reaktion auf den Tod des langjährigen Volkswagen-Chefs Ferdinand Piëch drückten zahlreiche Wegbegleiter aus dem Unternehmen und aus der Politik ihren Respekt vor der Lebensleistung des Managers aus. Auch der frühere VW-Chef Martin Winterkorn hat mit Bestürzung auf den Tod reagiert. Unter der maßgeblichen Führung Piëchs habe sich die Volkswagen AG zu einem der erfolgreichsten Mehrmarken-Automobilkonzerne der Welt entwickelt, sagte Winterkorn am Dienstag. „Mir persönlich war Ferdinand Piëch ein jahrzehntelanger Förderer und Wegbegleiter“, sagte Winterkorn, der von 2007 bis 2015 VW-Chef war. Die visionäre Kraft und großen Fähigkeiten als Ingenieur hätten ihn über viele Jahre geprägt.

„Die gemeinsame Arbeit mit Ferdinand Piëch war stets freundschaftlich und inspirierend. Für seine Unterstützung war und bin ich ihm sehr dankbar“, sagte Winterkorn. Im Jahr 2015 hatte Piëch als Aufsichtsratschef mit der Äußerung für Aufsehen gesorgt, er sei „auf Distanz“ zum damaligen Vorstandschef Winterkorn - Piëch verlor schließlich den Machtkampf und warf im Zorn hin. Winterkorn musste 2015 im Zusammenhang mit dem Bekanntwerden des Dieselskandals zurücktreten.

Ferdinand Piëch ist tot - Langjähriger VW-Chef gestorben

"Mit seinem Namen ist VW-Aufstieg zum Weltkonzern verbunden"

VW-Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh würdigte Piëch als "großen Manager und Ingenieur". "Volkswagen stünde ohne Ferdinand Piëch nicht da, wo wir jetzt stehen. Dafür schulden wir ihm unseren Dank und unsere Anerkennung", sagte Osterloh.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil sagte, Piëch sei "einer der großen Unternehmer in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland" gewesen. Der Manager habe VW 1993 in einer tiefen Krise übernommen. "Mit seinem Namen ist der Aufstieg von Volkswagen zum Weltkonzern verbunden." Viele Tausend Arbeitsplätze in Niedersachsen prägten die wirtschaftliche Grundlage des Landes bis heute.

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"Dass die langjährige gute Zusammenarbeit mit dem Land Niedersachsen im Jahr 2015 unter schwierigen Bedingungen beendet werden musste, habe ich sehr bedauert. Der große Dank für die Leistung von Ferdinand Piëch und der tiefe Respekt bleiben davon unberührt", sagte der SPD-Politiker. Altkanzler Gerhard Schröder sagte über Piëch: "Er hat die globale Automobilbranche über mehrere Jahrzehnte geprägt."

Zum Gedenken sollten in VW-Werken Fahnen auf halbmast gesetzt werden

Volkswagen sowie die Familien Porsche und Piëch haben das Lebenswerk und die Verdienste des gestorbenen Ex-VW-Chefs Ferdinand Piëch gewürdigt. "Ferdinand Piëch hat Automobilgeschichte geschrieben - als leidenschaftlicher Manager, genialer Ingenieur und als visionärer Unternehmer", sagte der VW-Aufsichtsratsvorsitzende Hans Dieter Pötsch am Dienstag. Konzernchef Herbert Diess bezeichnete Piëch als mutig, unternehmerisch konsequent und technisch brillant. "Vor allem hat Ferdinand Piëch Qualität und Perfektion bis ins Detail in den Automobilbau gebracht und tief in der Volkswagen-DNA verankert", sagte Diess.

Zum Gedenken sollten in verschiedenen VW-Werken die Fahnen auf halbmast gesetzt werden. "Wir trauern mit der Familie um Ferdinand K. Piëch, den außergewöhnlichen Manager und Ingenieur, den Strategen und ganz einfach auch den Auto-Enthusiasten, der er zeitlebens war", betonte Wolfgang Porsche, Aufsichtsratschef der VW-Dachgesellschaft Porsche SE und Cousin Piëchs, in einer Mitteilung.

Auch die beiden Städte Wolfsburg und Braunschweig würdigten ihren Ehrenbürger. «Wolfsburg hat Ferdinand Piëch unheimlich viel zu verdanken», sagte Oberbürgermeister Klaus Mohrs (SPD) am Dienstag. Piëch habe in der großen Absatzkrise Tausende Wolfsburgerinnen und Wolfsburger vor der Arbeitslosigkeit bewahrt. In Braunschweig hatte Piëch fünf Jahre lang gelebt. «Professor Piёch war eine national wie international anerkannte Unternehmer- und Managerpersönlichkeit, die sich um die Entwicklung des Unternehmensstandorts Braunschweig sehr verdient gemacht hat», sagte Oberbürgermeister Ulrich Markurth (SPD).

Piëch soll große Familie mit 13 Kindern hinterlassen

Piëch war am Sonntag im Alter von 82 Jahren "plötzlich und unerwartet" gestorben, wie seine Ehefrau Ursula Piëch mitteilte. Sie schrieb: "Das Leben von Ferdinand Piëch war geprägt von seiner Leidenschaft für das Automobil und für die Arbeitnehmer." Er sei bis zuletzt ein begeisterter Ingenieur und Autoliebhaber gewesen. Die Beisetzung finde im engsten Familienkreis statt.

Piëch hinterlasse eine große Familie mit 13 Kindern und mehr als doppelt so vielen Enkelkindern, hieß es weiter. In früheren Medienberichten war häufig von 12 Kindern die Rede gewesen. Auf Nachfrage dazu verwies Anwalt Christian Schertz am Dienstag lediglich auf die Mitteilung der Witwe.

Piëch verlor Machtkampf gegen Winterkorn

Der in Wien geborene Piëch hatte viele Jahre mitten im Machtzentrum des VW-Konzerns gestanden. Der frühere Audi-Chef war von 1993 bis 2002 Vorstandsvorsitzender von Volkswagen und führte danach lange den Aufsichtsrat - als maßgeblicher Protagonist der Familien Porsche und Piëch, der VW-Großaktionäre. Seine Macht war groß, 2012 hievte er sogar seine Frau Ursula in den VW-Aufsichtsrat. Piëch galt als mächtiger Strippenzieher und Königsmacher hinter den Kulissen.

Mit strenger Hand lenkte der detailverliebte Autonarr das immer größer werdende VW-Imperium zusammen mit dem damaligen Konzernchef Winterkorn, ehe er sich von seinem Lebenswerk entfremdete. Im Jahr 2015 sorgte er mit der Äußerung für Aufsehen, er sei "auf Distanz" zu Winterkorn - den Machtkampf verlor Piëch, er warf im Zorn hin.

Verkauf von milliardenschwerem Aktienpaket an Verwandte

Als Piëch 80 Jahre alt wurde, würdigte VW die Verdienste des Managers: "Ferdinand Piëch hat das Automobil, unsere Industrie und den Volkswagen-Konzern in den vergangenen fünf Jahrzehnten maßgeblich geprägt", sagte ein VW-Sprecher damals. "Sein Lebenswerk ist gekennzeichnet von mutigem Unternehmertum und technologischer Innovationskraft." Sein milliardenschweres Aktienpaket an der VW-Dachholding Porsche SE hatte Piëch da schon an Verwandte verkauft.

RND/dpa

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