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Wirtschaft Viele Firmen finden keinen Chef
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08:00 19.04.2014
Von Patrick Tiede
6000 Jobs in Gefahr: Andreas Katschke von der Handwerkskammer. Quelle: dsn
Kiel

Zahlreiche Firmeninhaber im Alter von über 55 Jahren haben ihre Betriebsnachfolge noch nicht geregelt. Das geht aus einer aktuellen Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) und der Handwerkskammern hervor. Das Hauptproblem besteht demnach darin, einen geeigneten Nachfolger zu finden. Jeder fünfte Unternehmer will seinen Betrieb daher perspektivisch aufgeben. „Das würde allein für das Handwerk einen Verlust von 6000 Arbeitsplätzen bedeuten“, sagt Andreas Katschke, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer.

 Insgesamt wird bei den Verbänden und Kammern mit bis zu 70000 Arbeitsplätzen gerechnet, die in den nächsten Jahren im Mittelstand wegfallen könnten. Besonders betroffen seien der Handel, das Handwerk und der Dienstleistungssektor. Laut Katschke haben die Nachfolgeprobleme vor allem zwei Gründe: Einerseits ließe sich eine Übernahme innerhalb der Familie immer seltener organisieren. Andererseits mangele es insgesamt zunehmend an jungen Fachkräften im Land. Die Umfrage der Kammern ist allerdings nicht repräsentativ: Rund 20000 Firmenchefs, die älter als 55 Jahre sind, wurden im vergangenen Jahr angeschrieben. Etwa 1800 beteiligten sich. 53 Prozent davon gaben an, sich überhaupt noch nicht mit der Betriebsnachfolge auseinander gesetzt zu haben. Bei der letzten Umfrage im Jahr 2008 waren es lediglich 45 Prozent. „Es ist wichtig, dass sich die Unternehmer frühzeitig mit dem Thema beschäftigen und nach einer Nachfolgeregelung suchen“, sagt Wirtschafts-Staatssekretär Frank Nägele. Das Land habe entsprechende Beratungsprogramme aufgelegt. Der Ball liege nun bei den Kammern und den Unternehmen selbst. „Wir wissen aus zahlreichen Beratungsgesprächen, dass die Inhaber die Augen vor dem Thema verschließen“, sagt Katschke. Jetzt sei es nötig, „die Mitgliedsbetriebe stärker zu sensibilisieren“. Zudem soll nach dem Vorbild des bundesweiten Nachfolgeportals Nexxt-Change ein regionales Angebot installiert werden.

 Dabei wird man einer Preisdiskussion kaum aus dem Weg gehen können. Ein häufiges Hindernis für eine erfolgreiche Nachfolger-Suche ist laut Umfrage der Verkaufspreis: 30,2 Prozent nannten dies als Grund. Auch die Finanzierungsfrage (19,3 Prozent) spielt weiterhin eine Rolle. „Wir erleben immer wieder Insolvenzen, weil sich Unternehmer bei den eigenen Ertragserwartungen überschätzt haben“, sagt Nägele.