Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Wirtschaft Eine Stromautobahn durchs Wattenmeer?
Nachrichten Wirtschaft Eine Stromautobahn durchs Wattenmeer?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:00 07.08.2019
Von Ulrich Metschies
Teile der neuen Stromautobahn sollen als Erdkabel verlegt werden - möglicherweise durch das Wattenmeer. Quelle: Roland Weihrauch
Bonn

Den lehnt Schleswig-Holsteins Energiewendeminister Jan Philipp Albrecht ab. Eine vierte Stromtrasse sei zwar sinnvoll, weil sie die Netzüberlastung im Norden deutlich reduzieren und die Versorgungssituation im Süden verbessern würde. Allerdings müsse der Trassenverlauf mit dem Anwohnerschutz und Belangen des Naturschutzes vereinbar sein: „Eine Kabelführung durch das schleswig-holsteinische Wattenmeer lehne ich ab, solange nicht geprüft wurde, ob eine landseitige Trassenführung als Erdkabel möglich ist.“

Minister Albrecht lehnt Bau durch das Wattenmeer ab

Die Behörde hatte einen Vorschlag der Netzbetreiber geprüft. Diese wollten die zusätzliche Trasse von Schleswig-Holstein bis nach Altbach in Baden-Württemberg bauen. Die Netzagentur signalisierte zwar vorerst grünes Licht – ist aber für eine kürzere Strecke nur bis Nordrhein-Westfalen. Der Streckenkorridor für die neue Stromautobahn soll von Heide über das niedersächsische Wilhelmshaven bis nach Polsum und Uentrop in Nordrhein-Westfalen führen. Der genaue Streckenverlauf ist noch unklar.

Windstrom soll besser in den Süden fließen

Grund für den Bedarf ist die Energiewende: Bis 2030 soll der Anteil der erneuerbaren Energien im deutschen Stromnetz von derzeit 38 auf 65 Prozent steigen. Der Haken daran: Ein Großteil des Stroms entsteht im windreichen Norden, viele Großabnehmer sitzen hingegen im Süden und Westen. Um den Strom dahin zu bringen, wo er gebraucht wird, sind drei große Stromtrassen in Planung. „Suedlink“ geht vom südlichen Schleswig-Holstein bis ins württembergische Großgartach, „Suedostlink“ von Sachsen-Anhalt nach Bayern und „A-Nord“/„Ultranet“ von der Nordsee-Stadt Emden über NRW bis zum badischen Philippsburg.

Bundesnetzagentur setzt auf Dialog

Um die Betroffenen mit ins Boot zu holen, setzt die Bundesnetzagentur auf Dialog. Am Dienstag startete sie eine Konsultation des Netzentwicklungsplans – Firmen, Verbände und Vertreter der Zivilgesellschaft können sich bis Mitte Oktober zu Wort melden. Bis Jahresende will die Regulierungsbehörde den Plan festlegen. Auf dessen Basis wiederum soll der Bundesgesetzgeber den Leitungskorridor in ein Gesetz aufnehmen.

Zustimmung aus der Energiewirtschaft

Bei der Energiewirtschaft im Norden kommt das Projekt gut an, zumal die Zwangsabschaltung von Windanlagen noch immer jedes Jahr mehrere hundert Millionen Euro kostet. „Wir befürworten den weiteren Netzausbau in Richtung Nordrhein-Westfalen, weil wir dadurch angesichts von fast 9000 Megawatt Erzeugungskapazität mehr grünen Strom aus Schleswig-Holstein in unsere Netze aufnehmen und so die Energiewende voranbringen können“ sagt Matthias Boxberger, Vorstandsvorsitzender der HanseWerk AG und Aufsichtsratsvorsitzender der Schleswig-Holstein Netz AG. Wie teuer die neue Stromtrasse wird, ist noch nicht abschätzbar. Klar ist nur, dass es um Milliarden geht.

Drei Stromautobahnen sind schon in Arbeit

In Schleswig-Holstein arbeitet Tennet bereits an drei Stromautobahnen. Anders als bei dem neuen Projekt handelt es sich bei der Westküstenleitung und Mittelachse (beide in Bau), sowie der geplanten Ostküstenleitung nicht um Gleichstrom-, sondern um Wechselspannungsleitungen.

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der Chef der Gewerkschaft Verdi, Frank Bsirske hat seine rund zwei Millionen Mitglieder zur Teilnahme an Klimastreiks aufgerufen. Die IG Metall ist hingegen zögerlicher.

06.08.2019

Zwischen den USA und China spitzt sich der Handelsstreit zu. Das ist besonders für Deutschland bedenklich, findet unser Autor. Denn viel zu lange wurden wichtige Entscheidungen hierzulande verschlafen.

06.08.2019

Mit dem jüngsten Wertverfall des chinesischen Yuan gegenüber dem US-Dollar eskaliert der jüngste Handelsstreit aus Sicht von Beobachtern weiter. Doch was bedeutet das eigentlich für deutsche Verbraucher, Sparer, Aktionäre und Beschäftigte? Eine Übersicht.

06.08.2019