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Wirtschaft Windkraft ist Jobmaschine im Norden
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20:46 25.02.2020
Von Anne Holbach
Bau und Betrieb von Windrädern in Schleswig-Holstein haben laut einer Studie in Schleswig-Holstein 2018 für 11900 Arbeitsplätze gesorgt. Quelle: Ulf Dahl
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Kiel

„93 Prozent der Bruttowertschöpfung stammen aus dem Betrieb von laufenden Windkraftanlagen. Aus den Investitionen in neue Anlagen kommt nur ein sehr kleiner Teil von sieben Prozent“, sagte Marc Mecke von DIW Econ. Grund sei der in den vergangenen Jahren stark rückläufige Zubau an Windrädern im Norden. Das  Beratungsunternehmen der Deutschen Instituts für Wirtschaft hat die Studie im Auftrag des Landesverbands Windenergie (BWE) durchgeführt.

Zum Vergleich: Der Sektor Landwirtschaft und Fischerei erwirtschaftete 2018 laut der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen der Länder eine Bruttowertschöpfung von 1,1 Milliarden Euro in Schleswig-Holstein. Das entsprach 1,2 Prozent der gesamten Wertschöpfung, die 2018 insgesamt bei 87,5 Milliarden Euro lag. Über 70 Prozent werden von der Dienstleistungsbranche getragen, allein der Tourismus kommt auf 6,5 Milliarden Euro. Das verarbeitende Gewerbe trug 2018 mit 13,4 Milliarden Euro 15,3 Prozent bei.

BWE-Vorsitzender spricht von "Jobmaschine"

Die Zahlen verdeutlichten, „wie sehr Schleswig-Holstein als industrieschwache Region von der Windenergie profitiert“, sagte der BWE-Landesvorsitzende Horst Leithoff. „Windenergie an Land ist eine Jobmaschine.“ Rund 11.900 Menschen waren demnach im Jahr 2018 direkt oder indirekt durch die Windbranche im Norden beschäftigt. 

Branche spült 45,6 Millionen Euro an Steuergeldern in die Kassen

Zudem flossen Land und Kommunen etwa 45,6 Millionen Euro an Steuern zu, davon 32,2 Millionen Euro aus dem Betrieb der Anlagen und 13,4 Millionen Euro aus Investitionen in neue Windräder. Tatsächlich dürfte der Fiskus sogar deutlich höhere Einnahmen gehabt haben. Es handele sich nur um eine „Untergrenze der Schätzung der Steuereinnahmen“, so Mecke, weil die Höhe der Gewerbesteuereinnahmen anhand der Daten nicht zuverlässig zu ermitteln gewesen sei.

Hrach: "Schleswig-Holstien verschenkt Potenzial"

„Alle positiven Effekte der Windenergiebranche könnten noch deutlich größer sein, wenn es mehr Zubau geben würde“, betonte Marcus Hrach, BWE-Geschäftsführer. „Schleswig-Holstein verschenkt aktuell dieses Potenzial.“ Der Betrieb bereits aufgestellter Windräder beschäftigte 9115 Menschen.

Das entspricht bei 2959 Bestandsanlagen im Land 3,1 Arbeits plätze pro Windmühle. Die meisten Windräder stehen in Dithmarschen (831) und Nordfriesland (762).

Knapp 2800 Erwerbstätige waren laut der Studie mit der Herstellung und dem Bau neuer Anlagen beschäftigt. Die Zahl der Jobs dürfte sogar noch höher gelegen haben, so Mecke. Einen „Senvion-Effekt“ hätten die Statistiker nämlich herausgerechnet, weil es im Zuge der Insolvenz des norddeutschen Windanlagenherstellers im vergangenen Jahr keine validen Informationen zur aktuellen Zahl der Senvion-Mitarbeiter gegeben habe.

Genehmigungsverfahren müssen schneller gehen

„Die große Wertschöpfung, fachlich qualifizierte Arbeitsplätze und wichtige Steuereinnahmen, die die Studie aufweist, sind beim anhaltenden zögerlichen Genehmigungsverfahren der Landesregierung gefährdet“, kritisierte Hrach. Die Ergebnisse der Studie müssten die Verantwortlichen wachrütteln, fügte Leithoff hinzu.

Im vergangenen Jahr sind in Schleswig-Holstein nur 44 Genehmigungen für neue Windanlagen erteilt worden, 2014 waren es fast zehnmal so viele. 

Im Land herrscht seit 2015 wegen eines Gerichtsurteils ein Moratorium, Genehmigungen gibt es nur als Ausnahmen. Die Landesregierung hofft, dass der Landtag den inzwischen dritten Entwurf für neue Regionalpläne im Herbst beschließen kann und das Moratorium dann aufgehoben wird. 

Stockender Zubau gefährdet industriepolitische Ziele

Laut BWE warten derzeit 280 Anlagen auf Genehmigungen für ausnahmefähige Flächen. Derzeit dauerten die Verfahren in Schleswig-Holstein aber dreimal so lange wie vor dem Moratorium, so Leithoff. Das müsse sich ändern.

Der schleppende Ausbau werde nicht nur einen Wertschöpfungsverlust zur Konsequenz haben, so Hrach. Auch das gerade verabschiedete industriepolitische Papier und der Plan, auf Grün produzierten Wasserstoff zu setzen, werde nicht aufgehen, ohne den schnellen Zubau von Windanlagen.
Schleswig-Holstein als industrieschwache Region profitiert immens von der Windenergie an Land.

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