Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Wirtschaft Wirtschaft in Schleswig-Holstein fürchtet Trump
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft in Schleswig-Holstein fürchtet Trump
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:06 19.01.2017
Von Ulrich Metschies
Was hat Schleswig-Holsteins Wirtschaft durch ihn zu erwarten? Der künftige US-Präsident Donald Trump. Quelle: Shawn Thew/dpa
Kiel

Es ist eine Zäsur, die Unsicherheit schafft. Die Befürchtung, dass die angekündigte Abschottungspolitik massiven Flurschaden hinterlässt, ist da. Nach China und Dänemark sind die USA für die schleswig-holsteinische Wirtschaft der drittwichtigste Handelspartner. Die Hoffnung ist jedoch, dass die angedrohten Handelsschranken nur Wahlkampfgetöse waren.

Trump ist nur halb so beliebt wie Obama | Statista">Infografik: <span class=Trump ist nur halb so beliebt wie Obama | Statista" width="100%" height="auto" style="width: 100%; height: auto !important; max-width:960px;-ms-interpolation-mode: bicubic;"/>
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Pharmazeutische Produkte und Medizintechnik sind die Renner der schleswig-holsteinischen Exportindustrie. Würden sich die Amerikaner in diesem Bereich abschotten, würde das etliche Unternehmen im Land treffen – auch den Dräger-Konzern mit seinen fast 5000 Beschäftigten allein in Lübeck. Doch auch die angekündigten Einschnitte in das Gesundheitssystem beschäftigen Konzernchef Stefan Dräger: „Wir verfolgen die Entwicklung in den USA aufmerksam und werden uns entsprechend darauf einstellen.“ Die USA seien für Dräger ein wichtiger Markt, „heute und auch in Zukunft“. Das Unternehmen ist dort seit über 100 Jahren präsent, mit eigener Vertriebsorganisation und eigener Produktion. Doch nicht alle Ankündigungen erfüllen Dräger mit Unruhe: „Ein großes Investitionsprogramm und Steuersenkungen würden die Wirtschaft zumindest kurzfristig beleben und damit auch unsere Geschäftsperspektiven verbessern.“

Trump ist nicht berechenbar

Risiken sieht auch Lüder Hogrefe, Geschäftsführer von Raytheon Anschütz. Die Kieler Tochter des US-Rüstungskonzerns Raytheon beschäftigt rund 600 Mitarbeiter und zählt zu den weltweit führenden Anbietern von Navigationssystemen für die Berufs- und Militärschifffahrt. Rund 80 Prozent der Produkte und Dienstleistungen gehen ins Ausland, wobei die EU als Absatzmarkt ganz oben steht. Weniger als zehn Prozent des Umsatzes werden auf dem US-Markt eingefahren. Der, so Hogrefe, biete zwar erhebliches Wachstumspotenzial, doch das könne über den Konzernverbund erschlossen werden. Dennoch blickt Hogrefe mit einer gewissen Unruhe auf den Machtwechsel: „Sollten die USA sich tatsächlich vom Freihandel verabschieden, befürchten wir globale Reaktionen, die besonders Deutschland und auch uns treffen werden.“ Allerdings setzt der Raytheon-Anschütz-Chef darauf, dass Trump den angekündigten Protektionismus-Schwenk am Ende doch nicht vollzieht: „In seinem Umfeld und in der US-Gesellschaft gibt es vertrauenswürdige Kräfte, die Trump auf den Boden der Realpolitik zurückführen werden.“ Trump sei jedoch nicht voll berechenbar – und genau da liege die Gefahr.

Verunsicherung ist groß

Erst vor wenigen Tagen hat die Industrie- und Handelskammer Schleswig-Holstein die Unternehmen im Land nach ihren Geschäftserwartungen in den USA befragt. Bislang liegen nur einige Rückmeldungen vor. Danach gibt es zwar Unternehmen, die Erlös-Rückgänge befürchten, doch manche Firmenchefs erwarten sogar ein leichtes Plus. „Es gibt bislang keine Hiobsbotschaft“, sagt Werner Koopmann, Federführer International der IHK Schleswig-Holstein. Doch die Verunsicherung sei da.

Gerade aus deutscher Sicht hätten Handelsbarrieren in den USA gravierende negative Folgen, warnt Prof. Dennis Snower, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft. Wenn Trump etwa Schritte unternehme, die vor allem die deutsche Autoindustrie treffen, würde das „wahrscheinlich“ Gegenmaßnahmen der EU nach sich ziehen: „Das könnte sich bis zum Handelskrieg hochschaukeln.“

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer geht „momentan“ nicht davon aus, dass Trump seine Abschottungsmaßnahmen eins zu eins umsetzen kann: „Doch unabhängig davon dürften die Auswirkungen auf den schleswig-holsteinischen Arbeitsmarkt überschaubar bleiben.“


USA und Schleswig-Holstein">
Handel zwischen den

USA und Schleswig-Holstein
Create line charts
Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Mehr zum Thema
Politik Thomas Oppermann im Interview - „Antwort auf AfD ist nicht Populismus“

Im Gespräch mit RND-Redakteur Dieter Wonka fordert SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann auch, bestimmte Gruppen innerhalb der AfD durch den Verfassungsschutz überwachen zu lassen – genauso wie den AfD-Mann Björn Höcke.

19.01.2017
Wissen „Neopalpa donaldtrumpi“ - Mexiko-Motte nach Donald Trump benannt

Donald Trump (70) hat einen neuen Namensvetter: „Neopalpa donaldtrumpi“ nannte der kanadische Insektenforscher Vazrick Nazari seine neu entdeckte Mottenart. Nicht ohne Grund: Offenbar tragen Insekt und künftiger US-Präsident die gleiche markante Frisur. Außerdem pikant: “Donaldtrumpi“ lebt vor allem in Mexiko.

18.01.2017
Politik Scheidender US-Präsident Obama - Letzte Warnung an Trump

Es ist mehr als ein letzter Auftritt vor den Hauptstadtjournalisten. Barack Obama nutzt seinen Abschied im Presseraum des Weißen Hauses für mehrere Botschaften, die zuallererst seinem Nachfolger gelten: Ein Präsident sei schlecht beraten, wenn er seine Agenda im Alleingang durchsetzen will.

18.01.2017

Pannen-Serie beim Bahn-Konkurrenten Locomore: Schon vier Wochen nach Betriebsstart hat das Berliner Bahn-Start-up mit Problemen zu kämpfen. Nun fährt der Zug, mit dem das Unternehmen seit Mitte Dezember täglich von Stuttgart nach Berlin unterwegs ist, vom 23. Januar bis 6. April nur noch an vier Tagen in der Woche.

18.01.2017

Auch im vergangenen Jahr sind Lebensmittel wieder teurer geworden – durchschnittlich um 0,8 Prozent. Für welche Nahrungsmittel Verbraucher tiefer in die Tasche greifen müssen, lesen Sie hier.

18.01.2017

In vielen Smartphones stecken Chips des US-Konzerns Qualcomm. Die US-Handelskommision wirft dem Unternehmen unfairen Wettbewerb vor. Auch Apple ist davon betroffen.

18.01.2017